Sozialwissenschaftliche Theorien
Cesare Beccaria wurde 1738 in Mailand geboren. Mit seinem Werk „Dei delitti e delle pene“ legte er den Grundstein der modernen Strafrechtstheorie und der Klassischen Kriminologie.
Jeremy Bentham wurde 1748 in London geboren. Der Philosoph und Jurist gilt als Begründer des Utilitarismus und als Vordenker moderner Strafrechtsreformen.
Mit der Patentierung der Dampfmaschine durch James Watt begann die industrielle Revolution. Sie veränderte Produktion, Arbeit, Stadtentwicklung und soziale Klassenverhältnisse grundlegend.
Mit dem Sturm auf die Bastille begann die Französische Revolution. Sie markiert den symbolischen Bruch mit der feudalen Gesellschaftsordnung und den Aufstieg moderner Demokratie und Bürgerrechte.
John Howard verstirbt 1790 in Cherson (heute Ukraine). Er gilt als einer der wichtigsten Gefängnisreformer des 18. Jahrhunderts und prägte die frühe Kritik an Haftbedingungen, Willkür und unmenschlicher Behandlung von Gefangenen. Howard forderte Transparenz, Hygiene und staatliche Verantwortung im Strafvollzug und legte damit zentrale Grundlagen moderner Debatten über Strafvollzug, Humanisierung von Strafe und soziale Kontrolle.
Cesare Beccaria starb 1794 in Mailand. Seine Ideen zur Humanisierung des Strafrechts wirken bis heute fort.
Auguste Comte wird 1798 in Montpellier geboren. Er gilt als Begründer des Positivismus und prägte mit der Idee einer gesetzesförmigen Analyse gesellschaftlicher Prozesse die frühe Soziologie. Comte verstand Gesellschaft als objektiv erforschbare Ordnung und formulierte mit dem Drei-Stadien-Gesetz ein Entwicklungsmodell sozialen Wissens, das die Sozialwissenschaften nachhaltig beeinflusste.
Jeremy Bentham starb 1832 in London. Seine Ideen zum rationalen Strafrecht und zur sozialen Nützlichkeit von Gesetzen prägen bis heute Ethik und Kriminologie.
Franz von Liszt wird 1851 in Wien geboren. Er zählt zu den zentralen Vertretern der modernen Schule des Strafrechts und prägte die Entwicklung einer zweckorientierten Strafrechtstheorie. Von Liszt wandte sich gegen rein vergeltende Strafvorstellungen und betonte Prävention, Resozialisierung und soziale Ursachen von Kriminalität. Seine Arbeiten beeinflussten maßgeblich die Verbindung von Strafrecht, Kriminologie und Sozialpolitik.
Georg Simmel wird 1858 in Berlin geboren. Er zählt zu den zentralen Klassikern der Soziologie und prägte mit seiner Analyse sozialer Formen eine relationale Perspektive auf Gesellschaft. Simmel untersuchte Wechselwirkungen, Konflikt, Vergesellschaftung und Distanz und zeigte, wie soziale Ordnung aus Interaktion entsteht. Seine Arbeiten sind grundlegend für Mikrosoziologie, Stadtsoziologie und spätere interaktionistische Ansätze.
George Herbert Mead wird 1863 in South Hadley, Massachusetts geboren. Er gilt als einer der zentralen Begründer des Symbolischen Interaktionismus und prägte mit den Konzepten von Self, I und Me das Verständnis sozialer Identitätsbildung. Mead analysierte soziale Ordnung als Ergebnis kommunikativer Interaktion und betonte die Rolle von Bedeutung, Sprache und Rollenübernahme. Seine Arbeiten sind grundlegend für handlungs- und interaktionstheoretische Ansätze in Soziologie und Sozialpsychologie.
W. E. B. Du Bois wird 1868 in Great Barrington, Massachusetts geboren. Er zählt zu den zentralen Gründungsfiguren der Soziologie und der kritischen Rassismusforschung. Du Bois entwickelte mit dem Konzept des double consciousness eine frühe Analyse struktureller Ungleichheit und zeigte, wie Rassismus, Klasse und Macht soziale Lebenslagen prägen. Seine Arbeiten verbanden empirische Sozialforschung mit politischer Kritik und legten Grundlagen für spätere Debatten über Diskriminierung, Exklusion und soziale Gerechtigkeit.
Beginn der internationalen Arbeiterbewegung – Ursprung des „Tags der Arbeit“. Symbol für Klassenkampf und Gewerkschaftsgeschichte.
Max Horkheimer wird 1895 in Zuffenhausen geboren. Er war einer der zentralen Vertreter der Kritischen Theorie und prägte als Direktor des Instituts für Sozialforschung die Frankfurter Schule maßgeblich. Horkheimer entwickelte eine gesellschaftskritische Perspektive, die Herrschaft, Ideologie und Rationalität analysiert und soziale Ordnung als historisch bedingtes Machtverhältnis versteht. Seine Arbeiten legten zentrale Grundlagen für kritische Analysen von Autoritarismus, Kulturindustrie und sozialer Kontrolle.
Émile Durkheim veröffentlicht Die Regeln der soziologischen Methode, ein Grundstein der modernen Soziologie.
Theodor W. Adorno wurde 1903 in Frankfurt am Main geboren. Er gilt als einer der zentralen Vertreter der Frankfurter Schule und Mitbegründer der Kritischen Theorie.
Beendete den Ersten Weltkrieg, schuf neue Staaten und gesellschaftliche Spannungen, die zur Zwischenkriegszeit führten.
Zygmunt Bauman wurde 1925 in Posen geboren. Er war ein polnisch-britischer Soziologe, der mit seinem Konzept der „flüssigen Moderne“ die Gegenwartssoziologie nachhaltig geprägt hat.
Howard S. Becker wurde 1928 in Chicago geboren. Der US-amerikanische Soziologe prägte mit seiner Etikettierungstheorie die moderne Devianzforschung.
Nils Christie wird 1928 in Oslo geboren. Er zählt zu den einflussreichsten Vertretern der kritischen Kriminologie und prägte mit seiner abolitionistischen Perspektive die Kritik an Strafjustiz und Gefängnissystemen. Christie verstand Kriminalität als sozialen Konflikt, der dem Staat zunehmend entzogen und von Institutionen monopolisiert wird. Seine Arbeiten sind grundlegend für Debatten über Strafe, soziale Kontrolle und Alternativen zur Inhaftierung.
Der Börsencrash leitete die Weltwirtschaftskrise ein – Auslöser für Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Unruhen.
Peter L. Berger wurde 1929 in Wien geboren. Er war ein bedeutender Religions- und Wissenssoziologe und Mitautor von „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“.
Gary S. Becker wurde 1930 in Pennsylvania geboren. Der US-amerikanische Ökonom und Soziologe erhielt 1992 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften und gilt als Begründer der ökonomischen Soziologie.
Fritz Sack wird 1931 in Neumark, Pommern geboren. Er zählt zu den prägenden Vertretern der kritischen Kriminologie im deutschsprachigen Raum und spielte eine zentrale Rolle bei der Rezeption und Weiterentwicklung des Labeling Approach. Sack analysierte Kriminalität als Ergebnis sozialer Zuschreibungs-, Definitions- und Machtprozesse und kritisierte damit kausalistische Tätererklärungen. Seine Arbeiten trugen maßgeblich zur Etablierung einer definitionssoziologischen Perspektive auf Devianz, soziale Kontrolle und Kriminalpolitik bei.
Stuart Hall wird 1932 in Kingston (Jamaika) geboren. Er zählt zu den prägenden Figuren der Cultural Studies und analysierte Kultur als Ort von Macht, Bedeutung und sozialem Konflikt. Hall entwickelte zentrale Konzepte zur Repräsentation, Identität und Hegemonie und zeigte, wie Medien, Sprache und Diskurse soziale Ungleichheit strukturieren. Seine Arbeiten sind grundlegend für die Analyse von Rassismus, Populärkultur und der kulturellen Dimension sozialer Kontrolle.
George H. Mead veröffentlicht posthum Geist, Identität und Gesellschaft – ein Schlüsselwerk des symbolischen Interaktionismus.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es im gesamten Deutschen Reich zu gewaltsamen Übergriffen auf Jüdinnen und Juden. Synagogen wurden in Brand gesetzt, Geschäfte zerstört und tausende Menschen verhaftet. Das Pogrom markierte den Übergang von Diskriminierung zu systematischer Verfolgung.
Ronald L. Akers wurde 1939 in New Albany geboren. Er war einer der bedeutendsten Vertreter der sozialpsychologischen Kriminologie und Hauptautor der Social Learning Theory.
Henner Hess wird 1945 in Olmütz geboren. Er zählt zu den prägenden Vertretern der kritischen Kriminologie im deutschsprachigen Raum. Hess analysierte Kriminalität konsequent als gesellschaftliches Zuschreibungs- und Machtphänomen und leistete zentrale Beiträge zur Devianz-, Gewalt- und Drogenforschung. Seine Arbeiten verbinden historische Analyse mit einer herrschaftskritischen Perspektive auf Strafrecht, soziale Kontrolle und Kriminalpolitik.
Clifford R. Shaw & Henry D. McKay veröffentlichen Juvenile Delinquency and Urban Areas.
Stanley Cohen wird 1942 in Johannesburg geboren. Er zählt zu den einflussreichsten Vertretern der kritischen Kriminologie und prägte mit dem Konzept der Moral Panic die Analyse gesellschaftlicher Reaktionen auf Devianz. Cohen zeigte, wie Medien, Politik und Kontrollinstanzen abweichendes Verhalten dramatisieren und dadurch Prozesse von Stigmatisierung, Kriminalisierung und sozialer Kontrolle verstärken. Seine Arbeiten sind grundlegend für das Verständnis moderner Kontrollgesellschaften.
Elijah Anderson wurde 1943 in Hermondale geboren. Der US-amerikanische Soziologe ist bekannt für seine ethnografischen Studien zur städtischen Armut, Gewalt und dem „Code of the Street“.
Ulrich Beck wurde 1944 in Stolp geboren. Der deutsche Soziologe gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Gegenwartsdiagnose und prägte den Begriff der „Risikogesellschaft“.
Angela Y. Davis wird 1944 in Birmingham, Alabama geboren. Sie zählt zu den einflussreichsten Vertreterinnen der kritischen Kriminologie, der Gefängniskritik und der intersektionalen Theorie. Davis analysierte das Zusammenspiel von Rassismus, Kapitalismus und staatlicher Gewalt und prägte mit dem Konzept des Prison Abolitionism die Debatte über Alternativen zu Inhaftierung. Ihre Arbeiten verbinden politische Praxis mit einer grundlegenden Kritik an Strafjustiz, sozialer Ungleichheit und struktureller Ausgrenzung.
Symbol für technologische Macht, Gewaltpotenzial und ethische Verantwortung moderner Gesellschaften.
Die UN-Generalversammlung tritt 1946 erstmals zusammen. Sie bildet das zentrale Forum internationaler Normsetzung und globaler politischer Koordination.
John Hagan wird geboren. Er zählt zu den prägenden Vertretern der kritischen und vergleichenden Kriminologie und entwickelte gemeinsam mit Candace Kruttschnitt die Power-Control Theory. Hagan analysierte den Zusammenhang von Familienstrukturen, Geschlecht, sozialer Ungleichheit und Delinquenz und zeigte, wie Machtverhältnisse zwischen Staat, Familie und Klasse Kriminalitätsverläufe strukturieren. Seine Arbeiten verbinden Makrostrukturen mit lebensverlaufsbezogener Kriminalitätsforschung.
Meda Chesney-Lind wird 1947 geboren. Sie zählt zu den zentralen Vertreterinnen der feministischen Kriminologie und kritisierte früh die männlich geprägten Erklärungsmuster der Kriminalitätsforschung. Chesney-Lind zeigte, wie Geschlecht, Macht und soziale Ungleichheit die Kriminalisierung von Mädchen und Frauen strukturieren und wie Gewalt-, Opfer- und Kontrollerfahrungen systematisch ausgeblendet werden. Ihre Arbeiten leisteten maßgebliche Beiträge zur Genderforschung, zur Analyse von Jugendkriminalität und zur Kritik punitiver Kontrollpraktiken.
Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte Grundstein moderner Normen internationaler Gerechtigkeit.
Steven F. Messner wird geboren. Er zählt zu den zentralen Vertretern der Institutionellen Anomietheorie, die er gemeinsam mit Richard Rosenfeld entwickelte. Messner analysierte den Zusammenhang von ökonomischer Dominanz, sozialer Ungleichheit und Kriminalität und zeigte, wie marktzentrierte Gesellschaften nicht-ökonomische Institutionen schwächen und dadurch Gewaltkriminalität begünstigen. Seine Arbeiten sind grundlegend für makrosoziologische Erklärungen von Kriminalitätsraten, Anomie und sozialer Ordnung.
James W. Messerschmidt wird 1951 geboren. Er zählt zu den prägenden Vertretern der kritischen Geschlechter- und Kriminalitätsforschung und analysierte Kriminalität als geschlechtlich strukturierte Praxis. Messerschmidt entwickelte das Konzept der hegemonialen Männlichkeit im Kontext von Devianz weiter und zeigte, wie Kriminalität zur Herstellung und Stabilisierung männlicher Identitäten genutzt wird. Seine Arbeiten verbinden Gender, Macht und soziale Ungleichheit mit der Analyse von Gewalt und Kriminalität.
Robert Agnew wurde 1953 in Atlantic City geboren. Er ist ein US-amerikanischer Kriminologe und Mitbegründer der General Strain Theory, einer Weiterentwicklung klassischer Anomietheorien.
Judith Butler wird 1956 in Cleveland, Ohio geboren. Butler zählt zu den einflussreichsten Vertreter:innen der Gender- und Queer-Theorie und prägte mit dem Konzept der Performativität das Verständnis von Geschlecht als sozial hergestellte Praxis. Ihre Arbeiten zeigen, wie Normen, Sprache und Macht Identitäten strukturieren und Ausschlüsse produzieren. Butler verband diese Perspektive mit einer Kritik an Heteronormativität, Gewalt und staatlicher Regulierung von Körpern.
Erving Goffman veröffentlicht The Presentation of Self in Everyday Life – eine Pionierarbeit des Symbolischen Interaktionismus.
Lucia Zedner wird in Kingston upon Thames (Vereinigtes Königreich) geboren. Sie zählt zu den zentralen Vertreterinnen der kritischen Rechts- und Kriminologie und prägte maßgeblich die Analyse von präventiver Justiz. Zedner untersuchte den Wandel von Strafrecht zu Risikomanagement, Sicherheitslogiken und Prävention und zeigte, wie sich rechtliche Garantien zugunsten vorverlagerter Kontrolle verschieben. Ihre Arbeiten sind grundlegend für Debatten über Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit und soziale Kontrolle.
Bernard E. Harcourt wird 1963 geboren. Er zählt zu den zentralen Vertretern der kritischen Rechts- und Kriminalsoziologie und analysiert moderne Formen von Strafjustiz, Polizei und sozialer Kontrolle. Harcourt kritisierte insbesondere die Verlagerung kriminalpolitischer Entscheidungen hin zu Risikoberechnung, Prognose und actuarial justice und zeigte, wie scheinbar rationale Kontrollstrategien soziale Ungleichheit reproduzieren. Seine Arbeiten verbinden Machtanalyse, Rechtstheorie und Kriminologie zu einer grundsätzlichen Kritik präventiver Sicherheitslogiken.
Erving Goffman veröffentlicht Stigma: Notes on the Management of Spoiled Identity.
Mit der Unterzeichnung des Civil Rights Act beendeten die USA offiziell die gesetzliche Rassentrennung. Das Gesetz war ein Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung und sozialer Gleichheit.
Stephen Graham wird 1968 in North Shields (England) geboren. Er zählt zu den zentralen Vertretern der kritischen Stadt- und Sicherheitsforschung und analysierte die Militarisierung urbaner Räume sowie die Verschränkung von Stadtentwicklung, Überwachung und Gewalt. Graham zeigte, wie Sicherheitsarchitekturen, Infrastruktur und Technologie neue Formen sozialer Kontrolle hervorbringen und urbane Ungleichheiten vertiefen. Seine Arbeiten sind grundlegend für das Verständnis von Urban Warfare, Resilienz und der politischen Ökonomie städtischer Sicherheit.
Markus D. Dubber wird geboren. Er zählt zu den zentralen Vertretern der kritischen Rechts- und Kriminaltheorie und prägte mit dem Konzept der Police Power eine grundlegende Analyse staatlicher Herrschaft jenseits des Strafrechts. Dubber zeigte, wie präventive Kontrolle, Ordnungspolitik und Verwaltungsmacht historisch vor dem modernen Strafrecht liegen und dieses bis heute strukturieren. Seine Arbeiten verbinden Rechtstheorie, Machtanalyse und Kriminologie zu einer Kritik paternalistischer und sicherheitspolitischer Regierungsformen.
Michelle Alexander wurde 1967 in Stelle (Illinois) geboren. Die Juristin und Bürgerrechtlerin wurde mit ihrem Werk „The New Jim Crow“ international bekannt, in dem sie die Rassifizierung des US-Strafrechtssystems kritisiert.
Zäsur in der US-Bürgerrechtsbewegung; Symbol für soziale Ungleichheit und Gewalt gegen Minderheiten.
Die Mai-Unruhen in Paris markieren den Höhepunkt der 1968er-Bewegung – ein Symbol gesellschaftlicher Transformation.
Mit der Landung von Apollo 11 auf dem Mond erreichte die Menschheit einen technologischen Höhepunkt. Das Ereignis steht für Fortschrittsglauben, Kalten Krieg und mediale Inszenierung von Wissen.
Theodor W. Adorno starb 1969 in Visp. Sein Werk prägt bis heute Philosophie, Soziologie und Kulturkritik.
Michel Foucault veröffentlicht Surveiller et punir (Überwachen und Strafen).
Frances Heidensohn veröffentlicht Women and Crime, das Standardwerk feministischer Kriminologie.
Ulrich Beck veröffentlicht Risikogesellschaft: Auf dem Weg in eine andere Moderne.
Der Fall der Berliner Mauer markiert das Ende des Kalten Krieges und den Beginn einer neuen globalen Ordnung. Er gilt als Symbol für Freiheit, Einheit und den Wandel politischer Systeme.
Nils Christie veröffentlicht Crime Control as Industry: Towards Gulags, Western Style.
Jock Young veröffentlicht The Exclusive Society, ein zentrales Werk der spätmodernen Kriminalitätstheorie.
Ian Taylor verstirbt 2001. Er war einer der zentralen Vertreter der kritischen Kriminologie und Mitbegründer der New Criminology. Taylor verstand Kriminalität als gesellschaftlich produziertes Phänomen und analysierte sie im Zusammenhang von Macht, Kapitalismus und staatlicher Kontrolle. Seine Arbeiten trugen maßgeblich dazu bei, Kriminalität nicht isoliert, sondern als Ausdruck sozialer Ungleichheit und politischer Interessen zu begreifen.
Wendepunkt der globalen Sicherheits- und Überwachungspolitik. Leitete das Zeitalter des „War on Terror“ ein.
Pierre Bourdieu verstirbt 2002 in Paris. Er zählt zu den einflussreichsten Soziologen des 20. Jahrhunderts und prägte mit den Konzepten von Habitus, Kapital und sozialem Feld eine Theorie sozialer Praxis. Bourdieu zeigte, wie soziale Ungleichheit kulturell reproduziert wird und wie Machtverhältnisse über Bildung, Geschmack und symbolische Ordnung stabilisiert werden. Seine Arbeiten sind zentral für Analysen von Klasse, Status, Distinktion und symbolischer Gewalt.
Angela Y. Davis veröffentlicht Are Prisons Obsolete?, ein grundlegender Text der abolitionistischen Kriminologie.
Bernard E. Harcourt veröffentlicht Against Prediction: Profiling, Policing, and Punishing in an Actuarial Age.
Apple stellte das erste iPhone vor und leitete damit die Ära der Smartphones ein. Das Gerät veränderte Kommunikation, Mediennutzung und soziale Interaktion weltweit.
Symbolische Initialzündung der globalen Finanzkrise und des Vertrauensverlusts in neoliberale Wirtschaftsstrukturen.
Loïc Wacquant veröffentlicht Punishing the Poor: The Neoliberal Government of Social Insecurity.
John Keith Irwin starb 2010. Er gilt als einer der zentralen Vertreter der kritischen Gefängnis- und Strafsoziologie sowie der Convict Criminology. Irwin verband eigene Hafterfahrungen mit soziologischer Analyse und kritisierte insbesondere die Normalisierung von Inhaftierung, Gefängnisroutinen und strafender sozialer Kontrolle.
James Q. Wilson verstirbt 2012 in Boston, Massachusetts. Er prägte mit rational- und ordnungspolitischen Ansätzen die Kriminalpolitik und beeinflusste maßgeblich Debatten über Abschreckung, Polizeistrategien und soziale Ordnung. Wilson wurde insbesondere durch den Broken-Windows-Ansatz bekannt, der die Bedeutung informeller Kontrolle und sichtbarer Ordnung für Kriminalitätsentwicklung betont. Seine Arbeiten wirkten stark auf sicherheitspolitische Praktiken und polizeiliche Reformen ein.
Stanley Cohen starb 2013. Er zählt zu den einflussreichsten Vertretern der kritischen Kriminologie und prägte mit dem Konzept der Moral Panic die Analyse gesellschaftlicher Reaktionen auf Devianz. Cohen zeigte, wie Medien, Politik und Kontrollinstanzen abweichendes Verhalten dramatisieren und dadurch soziale Probleme erst erzeugen oder verschärfen. Seine Arbeiten leisteten zentrale Beiträge zur Erforschung von sozialer Kontrolle, Stigmatisierung und staatlicher Repression.
Stuart Hall verstirbt 2014 in London. Er war einer der prägenden Vertreter der Cultural Studies und analysierte Kultur als Schauplatz von Macht, Hegemonie und sozialem Konflikt. Hall zeigte, wie Medien, Diskurse und Repräsentationen zur Konstruktion von Identität beitragen und Prozesse von Rassismus, Kriminalisierung und sozialer Kontrolle strukturieren. Seine Arbeiten sind zentral für das Verständnis der kulturellen Dimension von Ungleichheit und Herrschaft.
William J. Chambliss verstirbt 2014 in Washington, D. C. Er zählt zu den zentralen Vertretern der kritischen und konflikttheoretischen Kriminologie. Chambliss zeigte, wie Recht und Kriminalisierung im Kontext von Macht, Klasseninteressen und politischer Herrschaft entstehen und durchgesetzt werden. Mit seiner Analyse der vagrancy laws und späteren Arbeiten zur state-organized crime prägte er das Verständnis von Kriminalität als Produkt sozialer Ungleichheit und institutioneller Interessen.
Gary S. Becker starb 2014 in Chicago. Seine Analysen sozialer Phänomene mit ökonomischen Methoden prägten ganze Generationen von Sozialwissenschaftlern.
Ulrich Beck starb 2015 in München. Seine Theorie der reflexiven Moderne zählt zu den zentralen Beiträgen der Spätmoderne.
Travis Warner Hirschi starb 2017. Er ist insbesondere für seine Bindungstheorie, aber auch die General Theory of Crime bekannt, die er gemeinsam mit Michael R. Gottfredson entwickelte.
Peter L. Berger starb 2017 in den USA. Seine Arbeiten zur sozialen Konstruktion von Wissen beeinflussten Soziologie, Theologie und Kulturwissenschaften weltweit.
Zygmunt Bauman starb 2017 in Leeds. Seine Arbeiten zu Globalisierung, Konsum und sozialer Unsicherheit gehören zu den einflussreichsten Diagnosen der Moderne.
Virginia Eubanks veröffentlicht Automating Inequality: How High-Tech Tools Profile, Police, and Punish the Poor.
Globale Gesundheits- und Sozialkrise, die Fragen nach Solidarität, Risiko, Kontrolle und Ungleichheit neu aufwarf.
Erneute Zäsur in der europäischen Friedensordnung; Wiederkehr geopolitischer Konflikte.
Howard S. Becker starb 2023 in San Francisco. Seine Arbeiten über Subkulturen, Jazz und Devianz zählen zu den Klassikern der interpretativen Soziologie.
Richard Rosenfeld starb 2024 in St. Louis. Er war einer der zentralen Vertreter der Institutionellen Anomietheorie, die er gemeinsam mit Steven Messner weiterentwickelte. Rosenfeld analysierte den Zusammenhang von ökonomischer Dominanz, sozialer Ungleichheit und Gewaltkriminalität und zeigte, wie marktzentrierte Institutionen soziale Bindungen schwächen und Kriminalität begünstigen.
Ronald L. Akers verstarb 2024. Mit seiner Social Learning Theory prägte er die moderne empirische Kriminologie.