Die KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren. ist die wissenschaftliche Untersuchung von KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen., ihren Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftlichen Reaktionen. Sie fragt danach, warum Menschen Straftaten begehen, wie Kriminalität statistisch erfasst wird, welche sozialen Bedingungen Delinquenz begünstigen und wie Polizei, Justiz und Gesellschaft auf Kriminalität reagieren.
Als interdisziplinäres Fach verbindet die Kriminologie Erkenntnisse aus Soziologie, Psychologie, Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und empirischer Sozialforschung. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über zentrale Themen der Kriminologie auf SozTheo – von grundlegenden Einführungen über Kriminalitätstheorien bis hin zu Beiträgen über Prävention, Viktimologie, KriminalitätsfurchtDie individuelle und gesellschaftliche Angst vor kriminellen Handlungen., Racial Profiling oder aktuelle Debatten um Drogenpolitik und Hasskriminalität.
Was ist Kriminologie?
Kriminologie untersucht Kriminalität nicht nur als Rechtsbruch, sondern als soziales Phänomen. Im Mittelpunkt stehen die Ursachen von Straftaten, Täter- und Opferstrukturen, Kriminalitätsstatistiken, gesellschaftliche Reaktionen auf Devianz sowie Institutionen sozialer Kontrolle wie Polizei, Strafjustiz und PräventionVorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten oder sozialen Problemen..
Eine grundlegende Einführung bietet der Beitrag Was ist Kriminologie?.
Kurze Geschichte der Kriminologie
Die moderne Kriminologie entwickelte sich im 18. Jahrhundert aus der Kritik an willkürlichen und grausamen Strafsystemen. Der italienische Jurist Cesare Beccaria forderte in seinem Werk Dei delitti e delle pene (1764) eine rationale Strafrechtspolitik, die auf AbschreckungAbschreckung ist ein kriminalpolitisches Konzept, das darauf abzielt, potenzielle Straftäter durch die Androhung von Strafe davon abzuhalten, kriminelle Handlungen zu begehen. und Verhältnismäßigkeit basiert.
Im 19. Jahrhundert versuchte der Arzt Cesare Lombroso, Kriminalität biologisch zu erklären. Seine Theorie des „geborenen Verbrechers“ gilt heute als überholt, markierte jedoch einen wichtigen Schritt in der wissenschaftlichen Untersuchung von Kriminalität.
Im frühen 20. Jahrhundert verlagerte sich der Fokus zunehmend auf soziale Ursachen von Kriminalität. Die Chicago School zeigte, dass Kriminalität stark mit städtischen Strukturen und sozialer Desorganisation zusammenhängt.
Die moderne Kriminologie verbindet heute verschiedene Perspektiven – von sozialen Lernprozessen über gesellschaftliche Machtverhältnisse bis hin zu situativen Bedingungen von Kriminalität. Sie versteht Kriminalität als komplexes Zusammenspiel individueller, sozialer und institutioneller Faktoren.
Was macht ein Kriminologe?
Kriminologen untersuchen Kriminalität als gesellschaftliches Phänomen. Sie analysieren Ursachen von Straftaten, Täter- und Opferstrukturen sowie gesellschaftliche Reaktionen auf Kriminalität.
Eine ausführliche Einführung in Aufgaben und Forschungsfelder der Kriminologie bietet diese Einführung in die Kriminologie.
Kriminologie und Kriminalistik
Kriminologie untersucht die Ursachen und gesellschaftlichen Bedingungen von Kriminalität. KriminalistikWissenschaft der Aufklärung und Verhinderung von Straftaten mittels technischer, naturwissenschaftlicher und psychologischer Methoden. hingegen beschäftigt sich mit der praktischen Aufklärung konkreter Straftaten.
Eine ausführliche Erklärung dieses Unterschieds findet sich im Beitrag Was ist Kriminologie?.
Grundlagen der Kriminologie
Wer sich einen ersten Überblick über das Fach verschaffen möchte, findet hier zentrale Einführungstexte zur Kriminologie als Wissenschaft, zu ihren Methoden und zu den Problemen der KriminalstatistikSammlung und Auswertung von Daten über polizeilich registrierte Straftaten und Tatverdächtige.. Diese Beiträge eignen sich besonders für Studium, Prüfungsvorbereitung und den Einstieg in kriminologische Fragestellungen.
- Was ist Kriminologie?
- Kriminologie als Wissenschaft – Methoden der empirischen Sozialforschung
- Statistische Erfassung von Kriminalität
Kriminalitätstheorien
Kriminologische Theorien versuchen zu erklären, warum Menschen Straftaten begehen, wie kriminelles Verhalten sozial entsteht und welche Rolle soziale Ungleichheit, Kontrolle, Lernen, Subkulturen oder gesellschaftliche Reaktionen spielen. Auf SozTheo werden die wichtigsten KriminalitätstheorienWissenschaftliche Ansätze, die versuchen, Ursachen und Bedingungen für kriminelles Verhalten zu erklären. systematisch vorgestellt und eingeordnet.
Die Kriminologie kennt eine Vielzahl theoretischer Ansätze zur Erklärung von Kriminalität. Zu den bekanntesten und einflussreichsten gehören unter anderem:
- Anomietheorie (Strain Theory)
- Differential Association (Sutherland) und Social Learning Theory (Akers)
- Labeling Approach
- Social Disorganization Theory
- Routine Activity Theory
- Rational Choice Theory
Eine systematische Übersicht über diese und weitere Ansätze bietet die Seite Kriminalitätstheorien.
Bekannte Kriminologen
Die Entwicklung der Kriminologie wurde von zahlreichen Forschern geprägt, die unterschiedliche Perspektiven auf Kriminalität und soziale KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird. entwickelt haben.
Cesare BeccariaBegründer der klassischen Kriminologie und früher Vertreter einer rationalen Strafrechtspolitik.
Cesare LombrosoVertreter der positivistischen Kriminologie und bekannt für seine Theorie des „geborenen Verbrechers“.
Edwin H. SutherlandBegründer der Theorie der Differential Association und Wegbereiter der Forschung zu White Collar Crime.
Stanley CohenBekannt für seine Analysen von Moral Panics und gesellschaftlichen Reaktionen auf DevianzVerhalten, das in einer Gesellschaft als unangemessen, abweichend oder regelverletzend gilt – unabhängig davon, ob es strafrechtlich relevant ist..
Bildquellen: Wikimedia Commons, NYU Law School.
Schlüsselwerke der Kriminologie
Neben theoretischen Ansätzen prägen auch klassische Studien und Bücher die Entwicklung der Kriminologie. Diese Werke haben zentrale Konzepte eingeführt, empirische Forschung angestoßen oder neue Perspektiven auf Kriminalität und soziale Kontrolle eröffnet.
Zu den bekanntesten kriminologischen Schlüsselwerken gehören unter anderem:
- Edwin H. Sutherland – White Collar Crime (1949)
- Stanley Cohen – Folk Devils and MoralSystem von Werten, Normen und Überzeugungen, das angibt, was als gut oder richtig gilt. Panics (1972)
- David Garland – The Culture of Control (2001)
- Angela Y. Davis – Are Prisons Obsolete? (2003)
- Jonathan Simon – Governing Through Crime (2007)
- Jeff Ferrell, Keith Hayward & Jock Young – Cultural CriminologyCultural Criminology ist ein kriminologischer Ansatz, der Kriminalität und soziale Kontrolle als kulturell geprägte Phänomene versteht und analysiert. Im Fokus stehen die Bedeutungen, Symbole und gesellschaftlichen Diskurse, die Kriminalität umgeben.: An Invitation (2008)
- Michelle Alexander – The New Jim Crow (2010)
Weitere klassische Studien und Bücher werden in der Übersicht Schlüsselwerke der Kriminologie vorgestellt.
Formen von Kriminalität
Ein weiterer Schwerpunkt der Kriminologie liegt auf konkreten Erscheinungsformen von Kriminalität. Die folgenden Beiträge behandeln Deliktfelder und sozial besonders umstrittene Problemfelder, die in ÖffentlichkeitÖffentlichkeit bezeichnet den sozialen Raum, in dem gesellschaftliche Themen sichtbar, verhandelt und bewertet werden., Politik und Forschung immer wieder intensiv diskutiert werden.
- Jugenddelinquenz
- Betäubungsmittelkriminalität – Drogen, Recht und Prävention
- Sexualdelikte
- Kriminalität Nichtdeutscher
- Vorurteilskriminalität
Kriminalität und Gesellschaft
Kriminalität ist nicht nur eine Frage einzelner Straftaten, sondern auch ein Spiegel gesellschaftlicher Konflikte, Unsicherheiten und Machtverhältnisse. Die folgenden Beiträge behandeln den Zusammenhang von Geschlecht und Kriminalität, Kriminalitätsfurcht, diskriminierende Kontrollpraktiken, Opferperspektiven und kritische Ansätze der Kriminologie.
- Geschlecht und Kriminalität
- Kriminalitätsfurcht
- Racial / Ethnic Profiling
- Viktimologie
- Instanzenforschung und Kritische Kriminologie
Polizei, Kontrolle und Prävention
Ein zentrales Aufgabenfeld der Kriminologie besteht darin, gesellschaftliche Reaktionen auf Kriminalität zu analysieren. Dazu gehören Präventionsansätze ebenso wie neue Formen algorithmischer Kontrolle oder die Frage, wie soziale Kontrolle organisiert und legitimiert wird.
Dossiers und vertiefende Themen
Neben den klassischen Grundlagentexten finden sich auf SozTheo auch umfangreichere Dossiers, in denen einzelne Themenfelder vertieft behandelt werden. Diese Beiträge verbinden kriminologische, soziologische und kriminalpolitische Perspektiven und eignen sich besonders für Leserinnen und Leser, die über die Einführung hinausgehen möchten.
Kriminalität, Polizei und Kultur
Neben klassischen Themen untersucht die Kriminologie auch kulturelle Darstellungen von Kriminalität, Polizei und sozialer Kontrolle. Medien, Musik und Popkultur prägen gesellschaftliche Vorstellungen von Recht, Ordnung und AutoritätAutorität bezeichnet anerkannte, legitime Macht, die auf Zustimmung und Vertrauen basiert..
WeiterführendWer einen systematischen Zugang zur Kriminologie sucht, beginnt am besten mit der Einführung in die Kriminologie und vertieft anschließend die Perspektive über die Kriminalitätstheorien, die Kriminalstatistik und ausgewählte Themen wie Kriminalitätsfurcht, Viktimologie oder Kriminalprävention.
Kriminologie auf SozTheo
Die Kriminologie auf SozTheo verbindet Grundlagenwissen, theoretische Einordnungen und aktuelle gesellschaftliche Debatten. Die Seite wird fortlaufend erweitert und dient als zentrale Übersicht über kriminologische Beiträge, Theorien, Schlüsselwerke und thematische Dossiers.





