Kurzdefinition
Bezeichnet systematische Unterschiede in Bildungszugang, Bildungserfolg und Bildungsabschlüssen zwischen sozialen Gruppen.
Ausführliche Erklärung
Bildungsungleichheit bezeichnet systematische Unterschiede in den Bildungschancen und Bildungsergebnissen verschiedener sozialer Gruppen. Sie zeigt sich beispielsweise darin, dass der Zugang zu bestimmten Schulformen, Hochschulen oder Bildungsabschlüssen sowie schulische Leistungen und Bildungswege nicht unabhängig von der sozialen Herkunft sind.
Bildungsungleichheiten können durch unterschiedliche materielle, kulturelle und soziale Ressourcen entstehen. Familien unterscheiden sich etwa hinsichtlich Einkommen, Wohnbedingungen, Bildungsstand, sprachlicher Fähigkeiten, Wissen über das Bildungssystem und der Möglichkeiten, Kinder beim Lernen oder bei Bildungsentscheidungen zu unterstützen. Dadurch beginnen Kinder ihre Bildungslaufbahn unter unterschiedlichen Voraussetzungen.
Ungleichheiten entstehen jedoch nicht ausschließlich außerhalb von Bildungsinstitutionen. Auch Schulen und Hochschulen können bestehende Unterschiede verstärken oder reproduzieren. Leistungsbewertungen, Übergangsempfehlungen, institutionelle Auswahlverfahren oder unterschiedliche Erwartungen gegenüber Schülerinnen und Schülern können dazu beitragen, dass soziale Herkunft und Bildungserfolg miteinander verbunden bleiben.
Bildungsungleichheit ist eng mit sozialer Mobilität verbunden. Bildung kann sozialen Aufstieg ermöglichen und Unterschiede in der sozialen Herkunft teilweise ausgleichen. Wenn Bildungschancen jedoch selbst sozial ungleich verteilt sind, kann das Bildungssystem zugleich dazu beitragen, bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten über Generationen hinweg zu reproduzieren.
Theoriebezug
Besonders einflussreich für die Erklärung von Bildungsungleichheit ist die Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu. Kinder wachsen mit unterschiedlich umfangreichem ökonomischem, sozialem und insbesondere kulturellem Kapital auf. Bildungsinstitutionen behandeln diese Voraussetzungen nicht notwendigerweise als soziale Unterschiede, sondern können Fähigkeiten, Sprachformen und kulturelle Orientierungen, die bestimmten sozialen Gruppen näherliegen, als individuelle Leistung bewerten.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Habitus. Durch Sozialisation entwickeln Menschen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster, die mit ihrer sozialen Herkunft verbunden sind. Diese prägen unter anderem den Umgang mit Bildungsinstitutionen, Erwartungen an die eigene Zukunft und die Einschätzung dessen, welche Bildungswege als selbstverständlich oder erreichbar erscheinen. Bildungserfolg lässt sich aus dieser Perspektive deshalb nicht allein durch individuelle Begabung oder Anstrengung erklären.
In Die feinen Unterschiede untersucht Bourdieu umfassender, wie Kapitalausstattung, Habitus und soziale Position miteinander verbunden sind. Bildungsungleichheit ist damit Teil eines größeren Prozesses sozialer Reproduktion: Gesellschaftliche Ungleichheiten können über die Weitergabe von Ressourcen und kulturellen Voraussetzungen von einer Generation an die nächste fortbestehen.
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Der Begriff im Film
The Wire (2002–2008)
SerieInsbesondere die vierte Staffel von The Wire zeigt, wie schulische Bedingungen, soziale Herkunft, Armut und das Wohnumfeld die Bildungschancen von Jugendlichen beeinflussen. Die Serie veranschaulicht damit, dass Bildungserfolg nicht allein von individueller Leistung und Motivation abhängt.