Forschungsdesign in der empirischen Sozialforschung
Das Forschungsdesign bezeichnet den grundlegenden Plan einer wissenschaftlichen Untersuchung. Es legt fest, wie eine Studie aufgebaut ist, welche Daten erhoben werden sollen und mit welchen Methoden diese Daten analysiert werden.
Ein Forschungsdesign verbindet theoretische Überlegungen mit praktischen Entscheidungen der Datenerhebung. Es bestimmt beispielsweise, welche Forschungsfrage untersucht wird, welche Fälle in die Untersuchung einbezogen werden und welche Methoden zur Analyse verwendet werden.
In der empirischen Sozialforschung bildet das Forschungsdesign damit die methodische Architektur einer Studie. Viele zentrale Entscheidungen einer Untersuchung werden bereits in dieser Phase getroffen und lassen sich später nur schwer korrigieren.
Zentrale Elemente eines Forschungsdesigns
Ein Forschungsdesign umfasst mehrere miteinander verbundene Entscheidungen. Diese betreffen insbesondere die Forschungsfrage, die Auswahl der Untersuchungsfälle und die Wahl geeigneter Methoden.
Forschungsfrage
Am Anfang jeder empirischen Untersuchung steht eine Forschungsfrage. Sie bestimmt, welches soziale Phänomen untersucht werden soll und welche Daten benötigt werden.
Eine gute Forschungsfrage ist präzise formuliert, empirisch untersuchbar und theoretisch begründet.
Theoretischer Rahmen
Empirische Studien stehen immer im Zusammenhang mit bestehenden Theorien und Forschungsständen. Theorien helfen dabei, zentrale Begriffe zu definieren und mögliche Zusammenhänge zu formulieren.
Aus diesen theoretischen Annahmen lassen sich häufig Hypothesen ableiten, die anschließend empirisch überprüft werden können.
OperationalisierungÜbersetzung theoretischer Konzepte in messbare Indikatoren zur empirischen Überprüfung.
Viele sozialwissenschaftliche Begriffe sind abstrakt und nicht direkt beobachtbar. Daher müssen sie in messbare Größen übersetzt werden. Dieser Schritt wird als Operationalisierung bezeichnet.
So kann beispielsweise das Konzept der „KriminalitätsfurchtDie individuelle und gesellschaftliche Angst vor kriminellen Handlungen.“ über konkrete Fragen in einer Befragung oder über beobachtbare Verhaltensweisen erfasst werden.
Stichprobe
In den meisten Studien können nicht alle Mitglieder einer Population untersucht werden. Daher arbeiten empirische Untersuchungen in der Regel mit Stichproben.
Die Auswahl der untersuchten Fälle wird im Forschungsdesign festgelegt. Weitere Informationen dazu finden sich im Beitrag Stichprobe / Sampling.
Datenerhebung
Ein Forschungsdesign bestimmt auch, wie Daten erhoben werden. Je nach Forschungsfrage kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz.
Grundsätzlich unterscheidet man dabei häufig zwischen quantitativen Methoden und qualitativen Methoden.
Typische Verfahren sind beispielsweise:
- Befragungen
- Interviews
- Beobachtungen
- Inhaltsanalysen
- Experimente
Typen von Forschungsdesigns
In der empirischen Sozialforschung lassen sich unterschiedliche Arten von Forschungsdesigns unterscheiden. Eine verbreitete Einteilung orientiert sich an den Zielen der Untersuchung.
Explorative Studien
Explorative Studien dienen dazu, ein bislang wenig erforschtes Phänomen zu erkunden. Sie arbeiten häufig mit offenen Fragestellungen und qualitativen Methoden.
Das Ziel besteht darin, erste Einsichten zu gewinnen und neue Hypothesen zu entwickeln.
Deskriptive Studien
Deskriptive Studien beschreiben soziale Phänomene möglichst systematisch. Sie beantworten beispielsweise Fragen wie:
- Wie häufig tritt ein bestimmtes Verhalten auf?
- Welche Merkmale besitzen bestimmte Gruppen?
- Wie verteilen sich bestimmte Einstellungen in einer Bevölkerung?
Typische Beispiele sind Bevölkerungsumfragen oder kriminalstatistische Analysen.
Erklärende Studien
Erklärende Studien untersuchen Ursachen und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Variablen. Ziel ist es, kausale Beziehungen zu identifizieren.
Hier spielen häufig Hypothesentests und statistische Analysen eine zentrale RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist..
Beispiel für ein Forschungsdesign
Wie ein Forschungsdesign konkret aussehen kann, lässt sich am Beispiel eines Forschungsprojekts zur Darstellung der PolizeiDie Polizei ist eine staatliche Institution zur Gefahrenabwehr, Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verfolgung von Straftaten. im deutschsprachigen Rap verdeutlichen.
In diesem Projekt wurde untersucht, wie die Polizei in Raptexten thematisiert wird. Das Forschungsdesign umfasste unter anderem folgende Schritte:
- Formulierung der Forschungsfrage
- Auswahl einer geeigneten Stichprobe von Rap-Songs
- Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse der Songtexte
- Interpretation der identifizierten Darstellungsweisen der Polizei
Eine ausführliche Darstellung der Forschungsplanung findet sich im Beitrag Rap und Polizei – Forschungsplanung.
Warum ein gutes Forschungsdesign wichtig ist
Ein sorgfältig entwickeltes Forschungsdesign ist eine zentrale Voraussetzung für wissenschaftlich belastbare Ergebnisse. Fehler in dieser Phase können später häufig nicht mehr korrigiert werden.
Wenn beispielsweise die falschen Daten erhoben werden oder eine ungeeignete Stichprobe gewählt wird, lassen sich daraus nur schwer verlässliche Schlussfolgerungen ziehen.
Aus diesem Grund wird ein Forschungsdesign in der Regel vor Beginn der Datenerhebung detailliert geplant.
Einordnung im Forschungsprozess
Das Forschungsdesign ist ein zentraler Schritt im Forschungsprozess der empirischen Sozialforschung. Es verbindet theoretische Überlegungen mit den praktischen Entscheidungen der Datenerhebung.
Weitere Schritte dieses Prozesses sind unter anderem: