Die qualitative Inhaltsanalyse ist eine Methode der empirischen Sozialforschung, mit der Texte, Bilder oder andere Kommunikationsformen systematisch ausgewertet werden. Ziel ist es, umfangreiches Material durch die Bildung von Kategorien zu strukturieren und zentrale Themen oder Bedeutungen herauszuarbeiten.
Die qualitative Inhaltsanalyse reduziert umfangreiches Material durch die Bildung von Kategorien (Kodieren). Die identifizierten Kategorien können im weiteren Verlauf des Forschungsprozesses zur Exploration eines Forschungsfeldes, zur Hypothesenbildung oder zur theoretischen Einordnung herangezogen werden. Das Verfahren kann grundsätzlich auf alle Arten von Texten, Bildern, Videoaufnahmen oder auch der Auswertung von Experteninterviews angewendet werden.
Eine der bekanntesten Definitionen der qualitativen Inhaltsanalyse stammt von Philipp Mayring (2015, S. 13). Er beschreibt das Verfahren folgendermaßen:
Zusammenfassend will also Inhaltsanalyse
- KommunikationKommunikation bezeichnet den Austausch von Informationen, Bedeutungen und Symbolen zwischen Akteuren. analysieren.
- fixierte Kommunikation analysieren.
- dabei systematisch vorgehen.
- dabei also regelgeleitet vorgehen.
- dabei auch theoriegeleitet vorgehen.
- das Ziel verfolgen, Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation zu ziehen.
Was wird bei einer Inhaltsanalyse kodiert?
Im Zentrum der qualitativen Inhaltsanalyse steht das Kodieren von Datenmaterial. Unter Kodieren versteht man die systematische Zuordnung von Textstellen, Bildinhalten oder anderen Daten zu zuvor definierten Kategorien.
Die grundlegende Idee besteht darin, umfangreiches Material schrittweise zu strukturieren und auf zentrale Bedeutungsdimensionen zu reduzieren. Dadurch wird es möglich, Muster, Themen oder Deutungen innerhalb des Materials sichtbar zu machen.
Bei einer Inhaltsanalyse können unterschiedliche Formen von Material untersucht werden, beispielsweise:
- Zeitungsartikel oder Online-Medienberichte
- Reden, politische Programme oder Gesetzestexte
- Songtexte oder literarische Texte
- Transkripte von Interviews
- Social-Media-Beiträge
- Bild- oder Videomaterial
Die zentrale Arbeit besteht darin, relevante Textstellen zu identifizieren und sie bestimmten Kategorien zuzuordnen. Diese Kategorien bilden später die Grundlage für die Interpretation der Ergebnisse.
Bei der Festlegung der Codes/ Kategorien ist grundsätzlich zwischen einer induktiven und einer deduktiven Herangehensweise zu unterscheiden. Bei einem induktiven Ansatz lässt sich der Forschende ergebnisoffen vom zu analysierenden Material leiten. Im Gegensatz hierzu wird bei einer deduktiven Herangehensweise ein vorab festgelegtes Set an Codes/ Kategorien auf das Datenmaterial angewendet.
Induktive und deduktive Kategorienbildung
Bei der qualitativen Inhaltsanalyse können Kategorien auf zwei unterschiedliche Arten entwickelt werden.
- Induktive Kategorienbildung:
Die Kategorien werden direkt aus dem Datenmaterial heraus entwickelt. Forschende arbeiten sich Schritt für Schritt durch das Material und bilden Kategorien immer dann, wenn neue thematische Aspekte auftauchen. - Deduktive Kategorienbildung:
Hier werden die Kategorien bereits vor der Analyse festgelegt. Sie ergeben sich beispielsweise aus einer Theorie, aus früheren Studien oder aus der Forschungsfrage.
In der Praxis werden beide Verfahren häufig kombiniert: Ein Teil der Kategorien wird theoretisch abgeleitet, während weitere Kategorien im Verlauf der Analyse aus dem Material heraus entstehen.
Beispiel für eine Kodierung
Der Prozess der Kategorienbildung lässt sich am besten anhand eines kurzen Beispiels illustrieren.
Angenommen, in einer Untersuchung wird analysiert, wie Polizeiarbeit in Raptexten dargestellt wird. Eine Textstelle könnte beispielsweise lauten:
„Die PolizeiDie Polizei ist eine staatliche Institution zur Gefahrenabwehr, Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verfolgung von Straftaten. hält uns ständig an und behandelt uns wie Verdächtige.“
Diese Textstelle könnte im Rahmen einer Inhaltsanalyse folgender Kategorie zugeordnet werden:
| Textstelle | Kategorie | Subkategorie |
|---|---|---|
| "Die Polizei hält uns ständig an und behandelt uns wie Verdächtige." | Negative Darstellung der Polizei | Polizeikontrollen / DiskriminierungDiskriminierung beschreibt die Benachteiligung oder Herabsetzung von Personen oder Gruppen aufgrund bestimmter Merkmale wie Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sozialem Status. |
Durch die systematische Zuordnung vieler solcher Textstellen zu Kategorien entsteht ein strukturiertes Bild darüber, welche Themen oder Deutungsmuster im Material dominieren.
Vor- und Nachteile der Methode der Inhaltsanalyse
Vorteile
- Die Analyse der Daten kann grundsätzlich zeit- und personenunabhängig erfolgen und ist z.B. nicht von der Verfügbarkeit von Interviewpartnern abhängig.
- In vielen Fällen genügen bereits wenige Untersuchungseinheiten (u.U. eine Einzelfallanalyse), um bereits brauchbare Ergebnisse zu erzielen. Das Verfahren ist somit gut geeignet für Seminar- oder Bachelorarbeiten, für die nur eine begrenzte Bearbeitungszeit zur Verfügung steht.
Nachteile
- Der Zugang zu den zu analysierenden Daten kann sich u.U. als schwierig erweisen (z.B. bei Aktenanalysen).
- Die Auswertung ist komplex und setzt voraus, sich intensiv sowohl mit der theoretischen Fundierung der Methode als auch dem auszuwertenden Material auseinanderzusetzen.
- Wie bei allen Methoden der qualitativen Sozialforschung ist die Repräsentativität der Ergebnisse kein angestrebtes Ziel. Im Regelfall werden Datensätze kodiert, bis sich eine „Sättigung“ eingestellt hat, d.h. keine neuen Kategorien vorgefunden werden.
Überprüfung der Reliabilität
Zur Sicherstellung der Reliabilität wird häufig zunächst nur ein kleiner Teil des Materials (etwa 10 %) kodiert. Das entwickelte Kategoriensystem wird anschließend überprüft und gegebenenfalls angepasst.
Man unterscheidet dabei zwei Formen der Reliabilitätsprüfung:
- Intracoder-ReliabilitätReliabilität bezeichnet die Zuverlässigkeit einer Messung und beschreibt, ob ein Messverfahren bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen zu denselben Ergebnissen führt.:
Die gleiche Person kodiert das Material zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten erneut. Ergeben sich dieselben Zuordnungen, gilt die Kodierung als stabil. - Intercoder-Reliabilität:
Mehrere Personen kodieren dasselbe Material unabhängig voneinander. Stimmen die Zuordnungen weitgehend überein, gilt das Kategoriensystem als reliabel.
Formen der qualitativen Inhaltsanalyse
Mayring unterscheidet drei grundlegende Formen der qualitativen Inhaltsanalyse:
- Zusammenfassende Inhaltsanalyse:
Das Material wird schrittweise reduziert, indem zentrale Aussagen paraphrasiert und auf wesentliche Inhalte verdichtet werden. - Explizierende Inhaltsanalyse:
Unklare oder mehrdeutige Textstellen werden durch zusätzliche Kontextinformationen oder Hintergrundwissen erläutert. - Strukturierende Inhaltsanalyse:
Das Material wird anhand zuvor definierter Kategorien systematisch geordnet und bestimmte Aspekte werden gezielt herausgearbeitet.
In der Praxis wird die strukturierende Inhaltsanalyse besonders häufig eingesetzt, da sie eine systematische Zuordnung von Textstellen zu Kategorien ermöglicht.
Ablauf einer Inhaltsanalyse
Der Ablauf einer Inhaltsanalyse hängt zum einen von den zu analysierenden Inhalten, aber auch stark von einer disziplinären, theoretischen Verortung der Forschungsarbeit ab. Insofern ist es kaum möglich ein allgemeingültiges Ablaufmodell zu formulieren, das auf alle Forschungsarbeiten anzuwenden wäre. Dennoch gilt – gemäß dem oben angeführten Zitat – ungeachtet der konkreten Forschungsfrage, dass das Verfahren theorie- und regelgeleitet erfolgen muss.
Mayring nennt in seinem Standardwerk zum Thema Qualitative Inhaltsanalyse (2015) folgendes allgemeines inhaltsanalytisches Ablaufmodell:

Interpretation des Ablaufmodells
Das dargestellte Ablaufmodell verdeutlicht, dass die qualitative Inhaltsanalyse ein systematisches und regelgeleitetes Vorgehen erfordert. Der Forschungsprozess lässt sich dabei grob in mehrere zentrale Arbeitsschritte unterteilen.
Zunächst wird das Untersuchungsmaterial festgelegt und im Hinblick auf seine Entstehungssituation sowie seine formalen Eigenschaften analysiert. Dazu gehört beispielsweise die Frage, wer den Text verfasst hat, in welchem Kontext er entstanden ist und welche Zielgruppe angesprochen wird.
Anschließend wird die Forschungsfrage theoretisch präzisiert. Auf dieser Grundlage wird entschieden, welche Form der Inhaltsanalyse angewendet werden soll und wie das Kategoriensystem aufgebaut ist.
Im nächsten Schritt werden die Analyseeinheiten festgelegt. Dabei wird bestimmt, welche Textstellen kodiert werden (Kodiereinheit), welcher Kontext für die Interpretation berücksichtigt wird (Kontexteinheit) und auf welcher Ebene die Ergebnisse ausgewertet werden (Auswertungseinheit).
Darauf folgt die eigentliche Kodierphase. Das Material wird systematisch durchgearbeitet und relevante Textstellen werden den zuvor definierten Kategorien zugeordnet. Während dieses Prozesses kann das Kategoriensystem überprüft und bei Bedarf angepasst werden.
Abschließend werden die Ergebnisse der Analyse zusammengeführt und im Hinblick auf die Forschungsfrage interpretiert. Dabei werden auch methodische Gütekriterien der Inhaltsanalyse berücksichtigt.
Typische Fehler bei Inhaltsanalysen
Bei der Durchführung einer Inhaltsanalyse treten häufig ähnliche Probleme auf. Zu den häufigsten Fehlern gehören:
- Unklare Kategorien: Kategorien müssen eindeutig definiert sein, damit Textstellen konsistent zugeordnet werden können.
- Zu viele Kategorien: Ein übermäßig komplexes Kategoriensystem erschwert die Auswertung und führt häufig zu Überschneidungen.
- Fehlende theoretische Fundierung: Kategorien sollten idealerweise aus der Forschungsfrage oder aus bestehenden theoretischen Konzepten abgeleitet werden.
- Unsystematisches Vorgehen: Die Analyse muss regelgeleitet erfolgen. Spontane oder willkürliche Zuordnungen gefährden die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse.
- Keine Überprüfung der Reliabilität: Ohne eine KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird. der Kodierentscheidungen kann nicht beurteilt werden, ob die Ergebnisse stabil und nachvollziehbar sind.
Anwendungsbeispiele
Ein Beispiel für die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse findet sich in einer Untersuchung zur Darstellung der Polizei in deutschsprachiger Rapmusik. Als Datenmaterial dienten Raptexte von Liedern, die zwischen 2015 und 2022 eine Platzierung in den offiziellen deutschen Charts erreichen konnten.
Die Analyse zielte darauf ab, unterschiedliche Darstellungsweisen der Polizei innerhalb der Texte systematisch zu identifizieren und zu kategorisieren. Zu diesem Zweck wurde ein strukturiertes Kategoriensystem entwickelt, das als Grundlage für die Kodierung der Textstellen diente.
Eine ausführliche Darstellung des Forschungsdesigns ist hier zu finden. Das im Rahmen der Analyse entwickelte Kategoriensystem der qualitativen Auswertung wird in einem eigenen Beitrag detailliert erläutert.
Die Untersuchung zeigt exemplarisch, wie kulturelle Artefakte wie Songtexte mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse systematisch ausgewertet werden können.
Literatur und weiterführende Quellen
- Kort-Butler, L. Content Analysis in the Study of Crime, Media, and Popular Culture. Oxford Research Encyclopedia of Criminology. URL: https://oxfordre.com/criminology/view/10.1093/acrefore/9780190264079.001.0001/acrefore-9780190264079-e-23 (zuletzt abgerufen am 20. September 2021).
- Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken (12. Aufl.). Weinheim, Basel: Beltz.
- Webseite des Open Access Journals Forum Qualitative Sozialforschung (FQS): https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs



