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Literaturrecherche für wissenschaftliche Arbeiten: Fachliteratur systematisch finden

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2026 | Veröffentlicht: 2. Oktober 2020 von Christian Wickert

Eine systematische Literaturrecherche steht am Anfang jeder wissenschaftlichen Beschäftigung mit einem Thema. Nur durch eine strukturierte Suche nach bereits veröffentlichten Arbeiten lässt sich der aktuelle Forschungsstand erfassen. Erst auf dieser Grundlage kann beurteilt werden, welche Relevanz und Originalität eine eigene Forschungsfrage besitzt und an welchen Stellen möglicherweise noch Forschungslücken bestehen.

Der folgende Beitrag erläutert Schritt für Schritt, wie eine systematische Literaturrecherche durchgeführt wird, welche Quellen als wissenschaftliche Fachliteratur gelten und welche Datenbanken sich besonders für die Suche nach geeigneter Literatur eignen.

Inhaltsverzeichnis

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  • Was ist wissenschaftliche Fachliteratur?
    • Wie lange dauert eine Literaturrecherche?
    • Wie viele Quellen braucht eine wissenschaftliche Arbeit?
    • Was sind geeignete und was weniger geeignete Quellen für wissenschaftliche Arbeiten?
      • Beispiele für geeignete und weniger geeignete Quellen
    • Darf man Wikipedia zitieren?
    • Literaturrecherche Schritt für Schritt
  • Vorbereitung einer systematischen Literaturrecherche
    • Beispiel für Suchbegriffe
  • Durchführung der Literaturrecherche
    • Wichtige Literaturdatenbanken
      • Google Scholar
      • Deutsche Nationalbibliothek (DNB)
      • KrimDok
    • Literaturrecherche nach dem Schneeballsystem
  • Literatur sichten und dokumentieren
  • Literatur organisieren und auswerten
  • Typische Fehler bei der Literaturrecherche
  • Fazit

Was ist wissenschaftliche Fachliteratur?

Das Ziel wissenschaftlicher Forschung besteht darin, neues Wissen zu erzeugen. Jede wissenschaftliche Arbeit baut jedoch zunächst auf bereits vorhandenen Erkenntnissen auf. Deshalb ist es notwendig, den bestehenden Forschungsstand zu kennen und die eigene Arbeit darauf zu beziehen.

Alle übernommenen Gedanken, Argumente oder wörtlichen Textpassagen müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Hinweise zur korrekten Zitierweise finden sich im Beitrag zum Zitieren im APA-Stil.

Doch welche Quellen gelten überhaupt als wissenschaftliche Fachliteratur?

Grundsätzlich gilt: Eine Quelle ist nur dann wissenschaftlich zitierfähig, wenn sie eindeutig einem Autor oder einer InstitutionInstitutionen sind dauerhaft verfestigte soziale Regelwerke und Organisationen, die gesellschaftlich relevantes Handeln strukturieren, stabilisieren und legitimieren. zugeordnet werden kann und nachvollziehbar veröffentlicht wurde.

Zu den wichtigsten Formen wissenschaftlicher Fachliteratur gehören:

  • Fachzeitschriftenartikel (Journals)
  • Monographien (wissenschaftliche Einzelwerke)
  • Sammelbände mit Beiträgen verschiedener Autorinnen und Autoren
  • Dissertationen und wissenschaftliche Abschlussarbeiten
  • Tagungsbeiträge und Forschungsberichte

Besonders relevant sind Beiträge in Peer-Review-Zeitschriften. In diesen Fachzeitschriften werden eingereichte Artikel vor der Veröffentlichung anonym von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern begutachtet. Erst nach dieser Qualitätskontrolle erfolgt die Publikation.

Auch wissenschaftliche Bücher gelten als zitierfähig. Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist dabei der wissenschaftliche Verlag, in dem ein Werk erscheint.

Daneben existieren zahlreiche Informationsquellen mit Autorennamen – etwa Zeitungsartikel oder Blogbeiträge – die jedoch in der Regel nicht zur wissenschaftlichen Fachliteratur zählen.

Wie lange dauert eine Literaturrecherche?

Die Dauer einer Literaturrecherche hängt stark vom Umfang der Arbeit ab. Für eine Seminararbeit reicht häufig eine Recherche von wenigen Tagen, während bei Bachelor- oder Masterarbeiten mehrere Wochen eingeplant werden sollten.

Wie viele Quellen braucht eine wissenschaftliche Arbeit?

Für eine Seminararbeit werden häufig etwa 10–20 wissenschaftliche Quellen verwendet. Bachelorarbeiten greifen meist auf 30–60 Publikationen zurück.
Entscheidend ist jedoch weniger die Anzahl als die Qualität der verwendeten Literatur.
Weitere Hinweise finden sich auch in der Checkliste für wissenschaftliche Arbeiten.

Was sind geeignete und was weniger geeignete Quellen für wissenschaftliche Arbeiten?

Geeignete Quellen sind grundsätzlich alle öffentlich zugänglichen wissenschaftlichen Texte, bei denen mindestens eine Autorin, ein Autor oder eine herausgebende Institution eindeutig ausgewiesen ist. Hierzu zählen insbesondere Fachartikel, wissenschaftliche Monographien, Sammelbände sowie Forschungsberichte. In bestimmten Fällen können auch populärwissenschaftliche oder nicht-wissenschaftliche Quellen herangezogen werden, sofern sie einen unmittelbaren Bezug zur Fragestellung der Arbeit besitzen. Beispielsweise kann es bei der Untersuchung einer SubkulturEine Subkultur bezeichnet eine Gruppe innerhalb einer Gesellschaft, die sich durch abweichende Werte, Normen, Verhaltensweisen oder symbolische Ausdrucksformen von der Mehrheitskultur unterscheidet. sinnvoll sein, Beiträge aus Internetforen zu analysieren, oder bei einer Arbeit über die Darstellung der Polizei in Rapmusik auch Liedtexte zu zitieren.

Weniger geeignete Quellen sind dagegen Texte, die nicht öffentlich zugänglich oder wissenschaftlich nur schwer überprüfbar sind. Hierzu gehören beispielsweise Dokumente aus internen Netzwerken (etwa Intranetquellen), belletristische Literatur, populäre Magazine oder Internettexte mit unklarer Autorenschaft. Auch frei zugängliche Online-Enzyklopädien wie Wikipedia sollten in wissenschaftlichen Arbeiten in der Regel nicht als zitierfähige Quelle verwendet werden.

Online veröffentlichte Texte mit eindeutig ausgewiesenen Autorinnen oder Autoren können grundsätzlich zitiert werden. Dennoch sollte auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen klassischen wissenschaftlichen Publikationen (Fachbücher, Fachzeitschriften) und Online-Quellen geachtet werden. Arbeiten, die sich überwiegend auf frei verfügbare Internetquellen stützen, können den Eindruck erwecken, dass die systematische Literaturrecherche nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurde.

Besondere Vorsicht ist außerdem bei Veröffentlichungen aus sogenannten Print-on-Demand-Verlagen geboten (z. B. GRIN, Cuvillier oder epubli). Diese Publikationsformen unterliegen häufig keiner wissenschaftlichen Qualitätskontrolle wie etwa einem Lektorat oder einem Peer-Review-Verfahren. Wenn mehrere geeignete Quellen zur Verfügung stehen, sollte daher in der Regel die wissenschaftlich etablierteste und methodisch zuverlässigste Veröffentlichung als Beleg gewählt werden.

Beispiele für geeignete und weniger geeignete Quellen

QuellenartZitierfähigkeitHinweis
Fachartikel in wissenschaftlichen Journalssehr gut geeignetbesonders hochwertige Quellen, häufig mit Peer-Review
Wissenschaftliche Bücher (Monographien)gut geeignetvor allem bei renommierten wissenschaftlichen Verlagen
Sammelbändegut geeigneteinzelne Beiträge können gezielt zitiert werden
Dissertationen und Forschungsberichtegeeignethäufig sehr detaillierte wissenschaftliche Arbeiten
Zeitungsartikelbedingt geeigneteher für aktuelle Ereignisse oder Medienanalysen
Wikipedianicht geeignetkann zur Orientierung dienen, sollte aber nicht zitiert werden
Internetquellen ohne Autornicht geeignetfehlende Nachprüfbarkeit der Inhalte

Darf man Wikipedia zitieren?

Eine häufige Frage im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten lautet, ob Wikipedia als Quelle zitiert werden darf. Grundsätzlich gilt: Wikipedia sollte in wissenschaftlichen Arbeiten in der Regel nicht als zitierfähige Quelle verwendet werden.

Der Grund dafür liegt darin, dass Wikipedia ein kollaboratives Online-Lexikon ist, dessen Inhalte von einer Vielzahl von Autorinnen und Autoren erstellt und kontinuierlich verändert werden können. Dadurch ist nicht immer eindeutig nachvollziehbar, wer einen bestimmten Text verfasst hat und welche fachliche Expertise hinter einem Beitrag steht.

Trotzdem kann Wikipedia eine sinnvolle RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist. im Forschungsprozess spielen. Viele Artikel bieten einen guten ersten Überblick über ein Thema und enthalten Literaturhinweise, die als Ausgangspunkt für eine weiterführende Literaturrecherche genutzt werden können. In wissenschaftlichen Arbeiten sollten jedoch nach Möglichkeit immer die dort angegebenen Originalquellen zitiert werden.

Eine Ausnahme kann dann bestehen, wenn Gegenstand der Untersuchung selbst Wikipedia ist – etwa bei einer Analyse digitaler Wissensproduktion oder der Darstellung bestimmter Themen in Online-Enzyklopädien.

Literaturrecherche Schritt für Schritt

Eine systematische Literaturrecherche lässt sich in mehrere aufeinanderfolgende Arbeitsschritte gliedern:

  1. Das Forschungsthema eingrenzen und zentrale Begriffe definieren.
  2. Geeignete Suchbegriffe (Schlagwörter) festlegen – sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch.
  3. Mehrere wissenschaftliche Literaturdatenbanken durchsuchen.
  4. Trefferlisten anhand von Abstracts und Inhaltsverzeichnissen sichten.
  5. Relevante Quellen dokumentieren und bibliographische Angaben festhalten.
  6. Die ausgewählte Literatur systematisch lesen und auswerten.

Dieses strukturierte Vorgehen hilft dabei, den Überblick über den Forschungsstand zu behalten und relevante Literatur effizient zu identifizieren.

Vorbereitung einer systematischen Literaturrecherche

Bevor die eigentliche Literaturrecherche beginnt, sollten zunächst geeignete Suchbegriffe definiert werden. Wissenschaftliche Datenbanken sind nach Schlagwörtern organisiert. Eine sorgfältige Auswahl passender Suchbegriffe erleichtert daher die Recherche erheblich.

Die Herausforderung besteht darin, Begriffe zu wählen, die einerseits allgemein genug sind, um relevante Literatur zu finden, andererseits aber spezifisch genug bleiben, um eine überschaubare Anzahl an Treffern zu erhalten.

Da die Wissenschaftssprache in vielen Disziplinen Englisch ist, sollte eine Literaturrecherche immer sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige Suchbegriffe umfassen.

Beispiel für Suchbegriffe

Angenommen, eine wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema JugendkriminalitätKriminelles Verhalten von Personen, die nach deutschem Recht als Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) oder Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre) gelten.. Besonders interessiert beispielsweise die Frage, wie sich kriminelles Verhalten im Lebenslauf entwickelt. Der Fokus könnte dabei auf Studien zu Jugendlichen in Deutschland liegen.

Mögliche Suchbegriffe wären:

DeutschEnglisch
Jugendkriminalitätyouth crime
Lebenslauflife course
DeutschlandGermany
Entwicklungdevelopment

Durch die Kombination verschiedener Schlagwörter lässt sich die Zahl der Treffer deutlich eingrenzen.

Google Scholar Treffer Jugendkriminalität
Zum Suchbegriff Jugendkriminalität zeigt Google Scholar über 11.000 Treffer an.
Google Scholar Treffer Jugendkriminalität Deutschland
Durch zusätzliche Suchbegriffe wie Deutschland lässt sich die Zahl der Treffer bereits deutlich reduzieren.
Google Scholar Treffer Jugendkriminalität Lebenslauf Deutschland
Durch weitere Einschränkungen (z. B. Lebenslauf) wird die Trefferliste deutlich präziser.

Durchführung der Literaturrecherche

Wichtige Literaturdatenbanken

Nachdem geeignete Suchbegriffe festgelegt wurden, beginnt die eigentliche Recherche. Da keine einzelne Datenbank alle wissenschaftlichen Publikationen umfasst, empfiehlt sich die Nutzung mehrerer Literaturdatenbanken.

Google Scholar

https://scholar.google.com/

Literaturrecherche in Google Scholar

Google Scholar ist eine Suchmaschine speziell für wissenschaftliche Literatur und stellt einen guten Einstiegspunkt für die Recherche dar.

Deutsche Nationalbibliothek (DNB)

https://www.dnb.de/

In der Datenbank der Deutsche Nationalbibliothek sind alle in Deutschland erschienen Bücher verzeichnet.

Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek enthält über 36 Millionen bibliografische Einträge und ermöglicht eine umfassende Literaturrecherche.

KrimDok

https://krimdok.uni-tuebingen.de/

KrimDok Datenbank für kriminologische Literatur

KrimDok ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderter Fachinformationsdienst für kriminologische Literatur.

Literaturrecherche nach dem Schneeballsystem

Eine besonders effektive Methode der Literaturrecherche ist das sogenannte Schneeballsystem. Dabei werden zunächst einige zentrale Veröffentlichungen identifiziert. Anschließend werden die Literaturverzeichnisse dieser Arbeiten ausgewertet, um weitere relevante Quellen zu finden.

Auf diese Weise lässt sich schnell ein Überblick über die vorhandene Literatur gewinnen. Ausgangspunkt sollte dabei möglichst aktuelle Forschung sein.

Literatur sichten und dokumentieren

Nachdem eine größere Anzahl potenziell relevanter Quellen identifiziert wurde, folgt die Sichtung der Literatur. Dabei ist es meist nicht notwendig, jede Quelle vollständig zu lesen.

In vielen Fällen genügt zunächst ein Blick auf:

  • das Abstract eines Fachartikels
  • das Inhaltsverzeichnis eines Buches
  • Einleitung und Zusammenfassung einer Studie

Alle geeigneten Quellen sollten systematisch dokumentiert werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Autorinnen und Autoren
  • Titel der Veröffentlichung
  • Erscheinungsjahr
  • Fundstelle oder DOI
  • wichtige Seitenzahlen

Literatur organisieren und auswerten

Nach der Auswahl relevanter Literatur beginnt die eigentliche Auswertung. Die Texte werden nun systematisch gelesen und zentrale Argumente, Definitionen oder empirische Ergebnisse festgehalten.

Literaturverwaltungsprogramme können diese Arbeit erheblich erleichtern. Zu den bekanntesten Programmen zählen:

  • Citavi
  • Zotero
  • EndNote

Diese Programme ermöglichen es, Literatur systematisch zu organisieren, Zitate zu speichern und automatisch Literaturverzeichnisse zu erstellen.

Typische Fehler bei der Literaturrecherche

Bei der Recherche wissenschaftlicher Literatur treten häufig ähnliche Probleme auf. Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • Die Recherche beschränkt sich ausschließlich auf allgemeine Suchmaschinen wie Google.
  • Englischsprachige Literatur wird nicht berücksichtigt.
  • Es werden nur wenige Quellen herangezogen.
  • Gefundene Literatur wird nicht systematisch dokumentiert.
  • Trefferlisten werden nicht sorgfältig geprüft, sodass wichtige Publikationen übersehen werden.

Eine strukturierte Literaturrecherche hilft dabei, diese Fehler zu vermeiden und einen umfassenden Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu gewinnen.

Fazit

Eine systematische Literaturrecherche bildet die Grundlage jeder wissenschaftlichen Arbeit. Sie ermöglicht es, den aktuellen Forschungsstand zu erfassen, Forschungslücken zu identifizieren und eine fundierte Argumentationsbasis für die eigene Arbeit zu schaffen.

Auch wenn die Recherche zunächst zeitaufwendig erscheint, trägt sie wesentlich dazu bei, die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten zu verbessern.


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