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Sie befinden sich hier: Home / Empirische Sozialforschung / Experteninterview: Durchführung, Leitfaden und Auswertung qualitativer Interviews

Experteninterview: Durchführung, Leitfaden und Auswertung qualitativer Interviews

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2026 | Veröffentlicht: 17. August 2020 von Christian Wickert

Inhaltsverzeichnis

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  • Was ist ein Experteninterview und wer gilt als „Experte“?
  • Experteninterview und andere qualitative Interviewformen
    • Experteninterview oder Leitfadeninterview?
  • Vorbereitung eines Experteninterviews
    • Wer gilt überhaupt als Experte?
  • Leitfaden für Experteninterviews erstellen
    • Beispiel für einen Interviewleitfaden
  • Durchführung eines Experteninterviews
    • Das Problem der sozialen Erwünschtheit
  • Typische Fehler bei Experteninterviews
    • Gute und schlechte Interviewfragen
  • Transkription von Experteninterviews
    • Software zur Unterstützung
  • Auswertung von Experteninterviews
    • Beispiel: Codierung eines Interviewausschnitts
  • Darstellung der Ergebnisse
  • Literatur

Was ist ein Experteninterview und wer gilt als „Experte“?

Viele Studierende möchten im Rahmen einer Bachelorarbeit oder einer größeren Seminararbeit empirisch arbeiten und entscheiden sich dafür, ein Experteninterview zu führen. Dabei handelt es sich um ein Verfahren der qualitativen Sozialforschung, bei dem gezielt Personen befragt werden, die über besonderes Wissen zu einem bestimmten Untersuchungsgegenstand verfügen.

Experteninterviews werden in der Regel in Form leitfadengestützter bzw. teilstrukturierter Interviews durchgeführt. Das Gespräch orientiert sich an einem zuvor entwickelten Leitfaden mit zentralen Themen und Fragen. Gleichzeitig bleibt genügend Raum für offene Antworten, Nachfragen und vertiefende Erläuterungen.

Das Ziel besteht darin, spezifisches Erfahrungswissen oder organisationsbezogenes Wissen zu erschließen, das sich nicht ohne Weiteres aus Dokumenten oder statistischen Daten gewinnen lässt.

Die Durchführung und Auswertung qualitativer Interviews ist ein komplexer Forschungsprozess, der zahlreiche methodische Feinheiten kennt. Für eine vertiefte Beschäftigung mit der Methode empfiehlt sich daher ergänzende Fachliteratur (z.B. Bogner, Littig & Menz 2014; Flick 2009; Mayring 2010).

Experteninterview und andere qualitative Interviewformen

Das Experteninterview ist nur eine von mehreren Formen qualitativer Interviews. Je nach Forschungsfrage kommen unterschiedliche Interviewtypen in Betracht.

  • Narrative Interviews zielen darauf, Befragte möglichst frei erzählen zu lassen. Sie eignen sich besonders, wenn biographische Erfahrungen oder subjektive Lebensgeschichten rekonstruiert werden sollen.
  • Leitfadengestützte bzw. teilstrukturierte Interviews stellen einen verbreiteten Interviewtyp der qualitativen Forschung dar. Sie arbeiten mit vorbereiteten Themenblöcken und Fragen, lassen aber Raum für offene Antworten und Nachfragen.
  • Experteninterviews sind eine besondere Form des leitfadengestützten Interviews. Im Mittelpunkt steht hier nicht die Biographie der befragten Person, sondern ihr spezifisches Wissen in einer bestimmten RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist. oder Funktion.
  • Gruppendiskussionen oder Fokusgruppen untersuchen nicht nur individuelle Aussagen, sondern auch Interaktionen, Deutungsmuster und Dynamiken innerhalb einer GruppeEine Gruppe ist eine soziale Einheit von mindestens zwei bzw. drei Personen, die durch gemeinsame Interaktionen, Ziele oder Zugehörigkeitsgefühle verbunden sind..

Experteninterview oder Leitfadeninterview?

In der Methodenliteratur werden die Begriffe Experteninterview und Leitfadeninterview häufig miteinander verwechselt. Tatsächlich beschreiben sie jedoch unterschiedliche Aspekte qualitativer Interviews.

  • Leitfadeninterview bezeichnet eine Interviewtechnik. Das Gespräch orientiert sich an einem vorbereiteten Leitfaden mit Themenblöcken und offenen Fragen.
  • Experteninterview bezeichnet hingegen die Auswahl der befragten Person. Interviewt werden Personen, die aufgrund ihrer beruflichen Rolle, ihrer Erfahrung oder ihres spezifischen Wissens als Experten für einen bestimmten Untersuchungsgegenstand gelten.

In der Praxis werden Experteninterviews daher meist in Form eines leitfadengestützten Interviews durchgeführt. Das Experteninterview ist also keine eigene Interviewtechnik, sondern eine besondere Anwendung leitfadengestützter qualitativer Interviews.

Welche Interviewform geeignet ist, hängt von der Forschungsfrage ab. Das Experteninterview empfiehlt sich insbesondere dann, wenn organisationsbezogenes Wissen, professionelles Erfahrungswissen oder institutionelle Abläufe rekonstruiert werden sollen.

Vorbereitung eines Experteninterviews

Ein Experteninterview setzt voraus, dass sich der Forschende bereits intensiv mit dem Forschungsgegenstand beschäftigt hat. Das Interview ersetzt also nicht die Literaturarbeit, sondern baut auf ihr auf. Erst durch eine fundierte Vorbereitung wird es möglich, einen sinnvollen Leitfaden zu entwickeln und geeignete Gesprächspartner auszuwählen.

Wer gilt überhaupt als Experte?

Wer gilt eigentlich als Experte?
Bildquelle: Flickr (CC BY 2.0)

Die Frage, wer als Experte gelten kann, wird innerhalb der qualitativen Sozialforschung unterschiedlich beantwortet. Flick (2009) plädiert für einen vergleichsweise weiten Expertenbegriff:

Die Antwort auf die Frage, wer oder was ‚Experten‘ sind, fällt in AbhängigkeitAbhängigkeit beschreibt den Zustand, in dem eine Person nicht mehr in der Lage ist, den Konsum einer Substanz oder ein bestimmtes Verhalten ohne psychische und/oder physische Entzugserscheinungen zu beenden. vom Untersuchungsgegenstand und darauf bezogenem theoretisch-analytischen Forschungsansatz ganz unterschiedliche aus. (…) Als Experten könnte man diejenigen Personen bezeichnen, die in Hinblick auf einen interessierenden Sachverhalt als ‚Sachverständige‘ in besonderer Weise kompetent sind.

Deeke, 1995, S. 7f.; zitiert nach Flick 2009: 214

Die Expertise ist also unabhängig von akademischen Titeln oder formalen Qualifikationen und ergibt sich vielmehr aus der spezifischen Rolle oder Erfahrung einer Person in Bezug auf den Untersuchungsgegenstand. Je nach Forschungsthema kann daher beispielsweise ein Behördenmitarbeiter, ein Vereinsmitglied, ein Angehöriger einer SubkulturEine Subkultur bezeichnet eine Gruppe innerhalb einer Gesellschaft, die sich durch abweichende Werte, Normen, Verhaltensweisen oder symbolische Ausdrucksformen von der Mehrheitskultur unterscheidet. oder auch ein Betroffener als Experte gelten.

Ist ein geeigneter Gesprächspartner gefunden, wird ein Interviewtermin vereinbart. Da die Qualität einer Arbeit maßgeblich von der Qualität der Interviews abhängt, empfiehlt es sich, Termine verbindlich zu planen und den Interviewpartner gegebenenfalls kurz vor dem Termin noch einmal zu erinnern.

Viele Interviewpartner bitten darum, die Fragen bereits im Vorfeld zu erhalten. Aus methodischer Sicht ist dies jedoch häufig problematisch, da vorbereitete Antworten die Spontaneität und Offenheit des Gesprächs einschränken können. Stattdessen kann es sinnvoll sein, lediglich das Thema und die Zielsetzung der Untersuchung zu erläutern.

Leitfaden für Experteninterviews erstellen

Ein zentrales Instrument bei der Vorbereitung ist der Interviewleitfaden. Dieser enthält die wichtigsten Themenblöcke und Fragen, die im Gespräch angesprochen werden sollen. Der Leitfaden dient als Orientierung für den Interviewer und hilft dabei, keine wichtigen Aspekte zu vergessen. Die Reihenfolge der Fragen muss jedoch nicht strikt eingehalten werden.

Darüber hinaus sollte vor dem Interview geprüft werden, ob das Aufnahmegerät zuverlässig funktioniert. Fragen der Tonqualität, Akkulaufzeit und Speicherkapazität sollten im Vorfeld geklärt werden. Die Aufnahmefunktion moderner Smartphones liefert häufig bereits brauchbare Ergebnisse, in geräuschintensiven Umgebungen kann jedoch ein professionelles Aufnahmegerät sinnvoll sein.

Beispiel für einen Interviewleitfaden

Ein Interviewleitfaden strukturiert das Gespräch und stellt sicher, dass alle wichtigen Themen angesprochen werden. Gleichzeitig sollte er flexibel genug sein, um Nachfragen und Vertiefungen zu ermöglichen.

Ein möglicher Leitfaden könnte beispielsweise folgende StrukturStruktur bezeichnet das relativ stabile Gefüge von Beziehungen, Regeln und Positionen, das soziale Prozesse, Handlungen und Bedeutungen ordnet. haben:

1. Einleitung

  • Kurzvorstellung der eigenen Person und des Forschungsvorhabens
  • Erläuterung des Interviewziels
  • Hinweis auf Aufzeichnung und Anonymität

2. Einstieg in das Thema

  • Können Sie kurz beschreiben, welche Rolle oder Funktion Sie in Ihrer OrganisationOrganisationen sind zielgerichtete soziale Gebilde mit formalen Strukturen, Mitgliedschaftsregeln und Entscheidungsprozessen. innehaben?
  • Seit wann beschäftigen Sie sich mit diesem Themenbereich?

3. Zentrale Themenblöcke

  • Wie würden Sie das Problem / Phänomen aus Ihrer beruflichen Perspektive beschreiben?
  • Welche Entwicklungen haben Sie in den letzten Jahren beobachtet?
  • Welche Faktoren halten Sie für besonders einflussreich?

4. Vertiefende Fragen

  • Können Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrer Praxis nennen?
  • Wie reagieren Organisationen oder Institutionen auf diese Entwicklung?

5. Abschluss

  • Gibt es Aspekte, die wir bisher noch nicht angesprochen haben, die Ihnen aber wichtig erscheinen?
  • Möchten Sie noch etwas ergänzen?

Der Leitfaden dient lediglich als Orientierung. Während des Interviews kann die Reihenfolge der Fragen angepasst werden, und es können jederzeit vertiefende Nachfragen gestellt werden.

Durchführung eines Experteninterviews

Experteninterviews werden häufig im beruflichen Kontext der Interviewpartner durchgeführt. Ort und Zeitpunkt richten sich daher meist nach den Möglichkeiten des Gesprächspartners. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass möglichst störungsfreie Bedingungen für die Aufnahme gewährleistet sind.

Zu Beginn des Interviews sollte geklärt werden, ob dem Interviewpartner Anonymität zugesichert wird. In vielen Fällen wird der Gesprächspartner nicht als Privatperson, sondern als Vertreter einer bestimmten Rolle oder InstitutionInstitutionen sind dauerhaft verfestigte soziale Regelwerke und Organisationen, die gesellschaftlich relevantes Handeln strukturieren, stabilisieren und legitimieren. interviewt. Dennoch kann es sinnvoll sein, Aussagen zu anonymisieren, um offenere Antworten zu ermöglichen.

Vor Beginn des Gesprächs muss außerdem ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass das Interview aufgezeichnet wird. Erst nach Zustimmung des Gesprächspartners sollte das Aufnahmegerät eingeschaltet werden. Gegebenenfalls ist zusätzlich eine schriftliche Einverständniserklärung zur wissenschaftlichen Verwendung der Aussagen erforderlich.

Ein kurzer Gesprächseinstieg erleichtert den Übergang zum eigentlichen Interview. Dabei kann das Forschungsvorhaben knapp erläutert werden. Ziel ist es, eine möglichst offene Gesprächssituation zu schaffen, ohne den Interviewpartner durch wertende Aussagen oder suggestive Formulierungen zu beeinflussen.

Während des Gesprächs sollte der Interviewer offene Fragen stellen und dem Interviewpartner ausreichend Raum geben, seine Perspektive darzustellen. Der Leitfaden dient dabei lediglich als Orientierung. Die Reihenfolge der Fragen kann an den natürlichen Gesprächsverlauf angepasst werden.

Das Problem der sozialen Erwünschtheit

Ein häufiges Problem empirischer Befragungen ist das Phänomen der sozialen Erwünschtheit. Damit bezeichnet man den Umstand, dass Befragte ihre Antworten an gesellschaftlichen Erwartungen oder an der vermuteten Haltung des Interviewers orientieren.

Besonders relevant wird dieses Problem bei Themen, die moralisch oder gesellschaftlich sensibel sind – etwa bei Fragen zu KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen., Drogenkonsum oder politischen Einstellungen. In solchen Fällen kann es vorkommen, dass Befragte Antworten geben, die sozial akzeptabler erscheinen, auch wenn sie nicht vollständig der eigenen Erfahrung entsprechen.

Eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre sowie die Zusicherung von Anonymität können dazu beitragen, solche Verzerrungen zu reduzieren.

Typische Fehler bei Experteninterviews

Bei der Planung und Durchführung von Experteninterviews treten häufig ähnliche Probleme auf. Zu den typischen Fehlern gehören:

  • Unzureichende Vorbereitung: Ohne fundierte Kenntnis des Forschungsstandes fällt es schwer, geeignete Fragen zu formulieren.
  • Zu starre Orientierung am Leitfaden: Wird der Leitfaden wie ein Fragebogen abgearbeitet, kann dies den natürlichen Gesprächsfluss stören.
  • Suggestive Fragestellungen: Fragen sollten möglichst neutral formuliert werden, um Verzerrungen zu vermeiden.
  • Zu wenig Nachfragen: Gerade in qualitativen Interviews sind vertiefende Nachfragen oft besonders aufschlussreich.
  • Unzureichende Dokumentation: Fehlende Aufzeichnungen oder unvollständige Transkripte erschweren die spätere Auswertung erheblich.

Gute und schlechte Interviewfragen

Die Qualität eines Experteninterviews hängt entscheidend von der Formulierung der Fragen ab. Offene und neutrale Fragen fördern ausführliche Antworten, während suggestive oder geschlossene Fragen den Gesprächsfluss einschränken oder das Antwortverhalten beeinflussen können.

Problematische FrageBessere Alternative
„Finden Sie nicht auch, dass die aktuelle DrogenpolitikDie Drogenpolitik umfasst alle politischen Maßnahmen, gesetzlichen Regelungen und staatlichen Interventionen, die den Umgang mit illegalen und legalen Drogen regeln und deren Konsum, Produktion und Handel steuern. gescheitert ist?“„Wie beurteilen Sie die aktuelle Drogenpolitik aus Ihrer beruflichen Perspektive?“
„Ist JugendkriminalitätKriminelles Verhalten von Personen, die nach deutschem Recht als Jugendliche (14 bis unter 18 Jahre) oder Heranwachsende (18 bis unter 21 Jahre) gelten. heute ein größeres Problem als früher?“„Welche Entwicklungen beobachten Sie im Bereich Jugendkriminalität?“
„Sind die Maßnahmen der PolizeiDie Polizei ist eine staatliche Institution zur Gefahrenabwehr, Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Verfolgung von Straftaten. ausreichend?“„Wie bewerten Sie die bisherigen Maßnahmen der Polizei in diesem Bereich?“
„Sie arbeiten seit vielen Jahren in diesem FeldEin Feld ist ein relativ autonomer sozialer Raum mit eigenen Regeln, Akteuren und Machtverhältnissen, in dem soziale Positionen und Kämpfe ausgetragen werden.. Dann kennen Sie sicher die Ursachen des Problems?“„Welche Ursachen halten Sie für besonders relevant?“

Grundsätzlich gilt: Offene Fragen („Wie“, „Welche“, „Was“) regen zu ausführlichen Antworten an und ermöglichen es den Interviewpartnern, eigene Perspektiven einzubringen.

Transkription von Experteninterviews

Nach der Durchführung des Interviews beginnt die eigentliche Auswertungsarbeit. Zunächst werden die aufgezeichneten Gespräche verschriftlicht. Dieser Arbeitsschritt wird als Transkription bezeichnet.

Die Transkription erfolgt in der Regel wortgetreu. Dabei zeigt sich schnell, dass gesprochene Sprache sich deutlich von geschriebener Sprache unterscheidet. Sätze bleiben unvollständig, Pausen unterbrechen den Redefluss und Füllwörter treten häufig auf.

Je nach Forschungsfrage kann es außerdem sinnvoll sein, auch nichtsprachliche Elemente zu dokumentieren, etwa längere Pausen, Lachen oder Veränderungen der Stimmlage.

Die transkribierten Interviews werden häufig im Anhang einer wissenschaftlichen Arbeit dokumentiert. Durch Seiten- und Zeilennummern können einzelne Passagen eindeutig zitiert werden (z.B. „Interview 1, S. 3, Z. 18“).

Software zur Unterstützung

Die Transkription und Auswertung von Interviews kann grundsätzlich mit herkömmlichen Office-Programmen erfolgen. Spezialisierte Software kann den Arbeitsprozess jedoch erheblich erleichtern.

Für die Transkription wird häufig das Programm f4transkript verwendet. Für die qualitative Auswertung von Interviewmaterial ist insbesondere die Software MAXQDA verbreitet.

Auswertung von Experteninterviews

Die Auswertung von Experteninterviews erfolgt häufig mit Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse (vgl. Inhaltsanalyse). Dabei handelt es sich um ein datenreduzierendes Verfahren, bei dem das Interviewmaterial systematisch analysiert und strukturiert wird.

Im Mittelpunkt steht die Bildung von Kategorien oder Codes. Einzelne Aussagen oder Textpassagen werden diesen Kategorien zugeordnet. Durch diesen Prozess lassen sich zentrale Themen, Argumentationsmuster oder Problemwahrnehmungen identifizieren.

Die Kategorien können entweder deduktiv aus der Theorie entwickelt oder induktiv aus dem Material heraus gebildet werden. Häufig werden beide Vorgehensweisen kombiniert.

Um die Nachvollziehbarkeit der Auswertung zu erhöhen, wird gelegentlich eine sogenannte Intercoder-ReliabilitätReliabilität bezeichnet die Zuverlässigkeit einer Messung und beschreibt, ob ein Messverfahren bei wiederholter Anwendung unter gleichen Bedingungen zu denselben Ergebnissen führt. überprüft. Dabei kodieren zwei Personen unabhängig voneinander dasselbe Material, um zu prüfen, ob vergleichbare Ergebnisse erzielt werden.

Beispiel: Codierung eines Interviewausschnitts

Bei der qualitativen Inhaltsanalyse werden Interviewpassagen bestimmten Kategorien oder Codes zugeordnet. Das folgende vereinfachte Beispiel zeigt, wie dieser Prozess aussehen kann.

Interviewausschnitt

„Viele Jugendliche hängen nach der Schule einfach herum, weil es kaum Freizeitangebote gibt. Einige beginnen dann AlkoholEine psychoaktive Substanz, die als Genussmittel konsumiert wird und durch ihre berauschende Wirkung bekannt ist. Chemisch handelt es sich um Ethanol (C₂H₅OH). zu trinken oder kleinere Straftaten zu begehen, einfach aus Langeweile.“

Mögliche Codierung

TextstelleKategorie / Code
„kaum Freizeitangebote“fehlende Freizeitstrukturen
„einfach herumhängen“Langeweile
„Alkohol trinken“Substanzkonsum
„kleinere Straftaten“abweichendes Verhalten

Durch die Zuordnung solcher Codes können zentrale Themen und Muster im Interviewmaterial systematisch identifiziert werden. Mehrere ähnliche Aussagen aus unterschiedlichen Interviews lassen sich so zu gemeinsamen Kategorien zusammenfassen.

Darstellung der Ergebnisse

Nach der Auswertung werden die zentralen Ergebnisse der Interviews in die wissenschaftliche Arbeit integriert. Häufig orientiert sich die Darstellung an den zuvor gebildeten Kategorien.

Qualitative Ergebnisse werden dabei oft durch direkte oder indirekte Zitate aus den Interviews illustriert. Diese Zitate verdeutlichen die Perspektiven der Befragten und machen die Analyse nachvollziehbar.

Empirische Ergebnisse sollten nicht lediglich im Anhang dokumentiert werden, sondern einen zentralen Bestandteil der Arbeit bilden. Gerade bei empirischen Arbeiten ist es üblich, Methode und Ergebnisse ausführlich darzustellen und mit Erkenntnissen aus der Fachliteratur zu verknüpfen.

Literatur

  • Bogner, A.; Littig, B.; Menz, W. (2014) Interviews mit Experten. Eine praxisorientierte Einführung. Wiesbaden: Springer VS.
  • Flick, U. (2009). Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. (2. Aufl.). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag.
  • Forum: Qualitative Sozialforschung. Online unter: https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/index
  • Hilz, M., Otten, H.R. (2023). Qualitative Expert*inneninterviews. In: Hollenberg, S., Kaup, C. (Hrsg.). Empirische Sozialforschung für die Polizei- und Verwaltungswissenschaften. Wiesbaden: Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-658-39803-3_9
  • Mayring, P. (2010). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

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Kategorie: Forschung Tags: Empirische Sozialforschung, Experteninterview, Interviewmethoden, Leitfadeninterview, qualitative Forschung, qualitative Inhaltsanalyse

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