Kurzdefinition
Bezeichnet bei Pierre Bourdieu kulturelle Ressourcen wie Wissen, Bildung, Fähigkeiten, Sprachformen, kulturelle Güter und Bildungsabschlüsse, die soziale Chancen und gesellschaftliche Positionen beeinflussen können.
Ausführliche Erklärung
Kulturelles Kapital bezeichnet bei Pierre Bourdieu kulturelle Ressourcen, die Menschen im Verlauf ihrer Sozialisation erwerben und die ihre gesellschaftlichen Chancen beeinflussen können. Dazu gehören beispielsweise Wissen, Bildung, sprachliche Fähigkeiten, kulturelle Kompetenzen, Umgangsformen sowie die Vertrautheit mit bestimmten kulturellen Praktiken und Institutionen.
Bourdieu unterscheidet drei Formen kulturellen Kapitals. Inkorporiertes kulturelles Kapital umfasst dauerhaft erworbene Fähigkeiten, Kenntnisse und Verhaltensweisen. Es wird durch Lernen und Sozialisation Teil der Person und lässt sich nicht einfach von einer Person auf eine andere übertragen. Dazu gehören etwa Sprachkompetenz, Bildung, kulturelles Wissen oder bestimmte Umgangsformen.
Objektiviertes kulturelles Kapital besteht aus kulturellen Gütern wie Büchern, Kunstwerken oder Musikinstrumenten. Ihr Besitz kann ökonomisch erworben werden; ihre Nutzung setzt jedoch häufig entsprechendes inkorporiertes kulturelles Kapital voraus.
Institutionalisiertes kulturelles Kapital bezeichnet gesellschaftlich anerkannte Nachweise kultureller Kompetenzen, insbesondere Schul-, Ausbildungs- und Hochschulabschlüsse. Solche Zertifikate machen erworbene Bildung vergleichbar und können beim Zugang zu Berufen und sozialen Positionen von großer Bedeutung sein.
Kulturelles Kapital ist sozial ungleich verteilt. Familien unterscheiden sich darin, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und kulturellen Erfahrungen sie an Kinder weitergeben können. Dadurch kann kulturelles Kapital zur Bildungsungleichheit und zur sozialen Reproduktion beitragen, zugleich aber auch individuelle soziale Mobilität ermöglichen.
Theoriebezug
Das Konzept des kulturellen Kapitals gehört zur Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu. Bourdieu erweitert mit seinem Kapitalbegriff eine rein ökonomische Betrachtung sozialer Ungleichheit. Gesellschaftliche Positionen hängen demnach nicht allein von Einkommen oder Vermögen ab, sondern auch davon, über welche kulturellen und sozialen Ressourcen Menschen verfügen und wie diese innerhalb gesellschaftlicher Felder eingesetzt werden können.
Kulturelles Kapital steht in enger Verbindung mit dem Habitus. Ein erheblicher Teil kultureller Kompetenzen wird bereits während der Sozialisation innerhalb der Familie erworben. Sprache, Geschmack, Wissen und Verhaltensweisen können deshalb je nach sozialer Herkunft unterschiedlich ausgeprägt sein. Bildungsinstitutionen können solche Unterschiede verstärken, wenn kulturelle Kompetenzen bestimmter sozialer Gruppen eher den dort vorausgesetzten und anerkannten Formen entsprechen.
In Die feinen Unterschiede zeigt Bourdieu, wie kulturelle Ressourcen, Geschmack und Lebensstil mit gesellschaftlicher Position verbunden sind. Kulturelles Kapital kann dadurch nicht nur Bildungschancen beeinflussen, sondern auch Distinktion ermöglichen und zur Reproduktion sozialer Ungleichheit beitragen.
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