Kurzdefinition
Bezeichnet typische Muster der Lebensführung, die sich unter anderem in Konsum, Freizeit, Geschmack, Kleidung, Wohnen und sozialen Praktiken ausdrücken.
Ausführliche Erklärung
Lebensstil bezeichnet charakteristische Muster der Lebensführung, die sich beispielsweise in Konsum, Freizeitgestaltung, Kleidung, Ernährung, Wohnen, kulturellen Vorlieben und sozialen Beziehungen ausdrücken. Lebensstile umfassen damit nicht einzelne Entscheidungen, sondern relativ stabile Kombinationen von Einstellungen, Präferenzen und alltäglichen Praktiken.
In der Soziologie werden Lebensstile insbesondere untersucht, um Unterschiede zwischen gesellschaftlichen Gruppen zu beschreiben. Menschen mit vergleichbaren sozialen Positionen können ähnliche Formen der Lebensführung entwickeln, zugleich können sich Personen mit ähnlichem Einkommen hinsichtlich Geschmack, Freizeitverhalten oder kulturellen Orientierungen deutlich unterscheiden. Lebensstilmodelle ergänzen deshalb klassische Klassen- und Schichtmodelle um kulturelle und alltagsbezogene Dimensionen sozialer Ungleichheit.
Lebensstile sind weder vollkommen frei gewählt noch vollständig durch die soziale Herkunft bestimmt. Welche Möglichkeiten Menschen zur Verfügung stehen und welche Formen der Lebensführung ihnen selbstverständlich, erstrebenswert oder angemessen erscheinen, hängt unter anderem von Einkommen, Bildung, sozialen Beziehungen und den Erfahrungen ihrer Sozialisation ab.
Lebensstile können zugleich soziale Zugehörigkeit ausdrücken und Unterschiede zwischen Gruppen sichtbar machen. Kleidung, Sprache, Konsum oder kulturelle Vorlieben können signalisieren, welchen sozialen Gruppen sich Menschen zugehörig fühlen oder von welchen Gruppen sie sich abgrenzen. Lebensstil steht deshalb in engem Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit, Milieu, Habitus und Distinktion.
Theoriebezug
Eine besonders einflussreiche soziologische Erklärung von Lebensstilen bietet die Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu. Lebensstile entstehen aus dem Zusammenspiel von sozialer Position, Kapitalausstattung und Habitus. Menschen verfügen in unterschiedlichem Umfang über ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital und entwickeln unter unterschiedlichen Lebensbedingungen spezifische Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Handlungsmuster.
Geschmack und Lebensführung sind aus dieser Perspektive deshalb nicht lediglich Ausdruck individueller Vorlieben. In Die feinen Unterschiede zeigt Bourdieu, wie kulturelle Vorlieben, Konsum, Freizeitgestaltung und ästhetische Urteile mit der Position im sozialen Raum zusammenhängen. Lebensstile können dadurch soziale Zugehörigkeit sichtbar machen und zugleich zur Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen dienen.
Mit dem Begriff der Distinktion bezeichnet Bourdieu diese soziale Funktion von Geschmack und Lebensstil. Unterschiede in der Lebensführung spiegeln soziale Ungleichheit damit nicht nur wider, sondern können gesellschaftliche Grenzziehungen zugleich symbolisch bestätigen und stabilisieren.
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