Kurzdefinition
Matriarchat bezeichnet eine Gesellschaftsform, in der soziale Organisation, Abstammung oder Autorität primär über Frauen vermittelt wird.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff Matriarchat wird häufig missverständlich als „umgekehrtes Patriarchat“ verstanden. In der sozialwissenschaftlichen Forschung bezeichnet er jedoch meist Gesellschaften oder soziale Ordnungen, in denen Verwandtschaft, Erbfolge oder soziale Verantwortung matrilinear oder matrifokal organisiert sind – nicht zwingend als Herrschaft von Frauen über Männer.
Empirisch belegte Gesellschaften mit klarer weiblicher Dominanz im Sinne umfassender politischer oder repressiver Macht gelten als selten oder umstritten. Stattdessen beschreiben ethnologische Studien häufig matrifokale oder matrilineare Gesellschaften, in denen Frauen zentrale Rollen in Familie, Ökonomie oder Ritualen einnehmen, ohne dass Männer vollständig marginalisiert werden.
In soziologischen und kriminologischen Debatten dient der Begriff Matriarchat häufig als analytischer oder kritischer Kontrastbegriff zum Patriarchat, etwa zur Reflexion von Geschlechterrollen, Machtverteilungen oder kulturellen Alternativen zu patriarchalen Ordnungen.
Theoriebezug
Der Matriarchatsbegriff findet sich vor allem in der Ethnologie (z. B. Bachofen), in der Kultursoziologie, in feministischen Debatten sowie in historischen und vergleichenden Gesellschaftstheorien.