Der Strukturalismus ist ein makro- und kulturtheoretisches Paradigma, das soziale Wirklichkeit als Ausdruck tieferliegender, meist unbewusster Strukturmuster versteht. Gesellschaft entsteht nicht primär durch individuelle Bedeutungszuschreibungen oder funktionale Systemleistungen, sondern durch überindividuelle Ordnungsmuster – sprachliche, symbolische oder kulturelle Strukturen –, die individuelles Handeln prägen. Im Zentrum steht die Leitfrage: Wie strukturieren
Ferdinand de Saussure
Ferdinand de Saussure – Cours de linguistique générale (1916)
Mit dem Cours de linguistique générale begründet Ferdinand de Saussure die moderne Struktur- und Zeichentheorie. Obwohl das Werk aus der Sprachwissenschaft hervorgeht, zählt es zu den zentralen Grundlagen der Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaften. Saussures zentrale Einsicht lautet: Bedeutung ist keine natürliche Eigenschaft von Dingen, sondern entsteht relational innerhalb eines sozialen
