Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gilt in Deutschland als das zentrale Lagebild der Kriminalität. Jahr für Jahr werden ihre Zahlen von Innenministerien vorgestellt, in Nachrichtensendungen diskutiert und in politischen Debatten aufgegriffen. Besonders im Fokus stehen dabei meist nur wenige Kennzahlen: Steigt oder sinkt die Kriminalität? Wie hoch ist die Aufklärungsquote? Und
Innere Sicherheit
Feigenblatt-Kriminologie? Eine disziplinäre Zwischenbilanz im Jahr 2025
„Successful failure“ – mit dieser paradoxen Formel beschrieben Ian Loader und Richard Sparks 2010 den Zustand der Kriminologie im angelsächsischen Raum. Die Disziplin sei institutionell erfolgreich – mit wachsender Studierendenzahl, akademischen Programmen und Fachzeitschriften –, aber politisch einflusslos. Ihre Analysen, Warnungen und Erkenntnisse verhallten ungehört.
Polizei und Protestbewegungen ab den 1960er Jahren
Das Verhältnis von Polizei und Protest ist ein zentrales Spannungsfeld moderner Demokratien. Protestbewegungen artikulieren gesellschaftliche Konflikte, politische Forderungen und soziale Brüche, während die Polizei den staatlichen Auftrag hat, öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten. Wie dieses Spannungsverhältnis ausgestaltet wird, sagt viel über das demokratische Selbstverständnis einer Gesellschaft aus. Seit den

