Kurzdefinition
Symbolische Gewalt bezeichnet Formen von Machtausübung, die als legitim, selbstverständlich oder natürlich wahrgenommen werden und deshalb weitgehend unsichtbar bleiben.
Ausführliche Erklärung
Der Begriff der symbolischen Gewalt wurde von Pierre Bourdieu geprägt und beschreibt subtile Formen sozialer Dominanz, die nicht durch offene Zwangsmittel, sondern durch kulturelle Deutungsmuster, Normen und Selbstverständlichkeiten wirken. Symbolische Gewalt entfaltet ihre Wirkung, indem soziale Ungleichheiten von den Betroffenen selbst als normal, gerechtfertigt oder alternativlos akzeptiert werden.
Im Kontext von Geschlecht und Sexualität zeigt sich symbolische Gewalt etwa dort, wo asymmetrische Erwartungen an Verfügbarkeit, Attraktivität oder Anpassung internalisiert werden. Zustimmung kann unter symbolischer Gewalt formal gegeben sein, ohne dass sie auf gleichwertigen Handlungsmöglichkeiten beruht. Gerade weil symbolische Gewalt selten als Gewalt erkannt wird, stabilisiert sie soziale Ordnungen besonders effektiv.
Theoriebezug
Zentral bei Pierre Bourdieu (insb. Die feinen Unterschiede, Praktische Vernunft); anschlussfähig an feministische Theorie, Machtanalysen und Kultursoziologie.