The Blacklist (2013–2023)

Der international gesuchte Schwerkriminelle Raymond „Red“ Reddington stellt sich überraschend dem FBI und bietet den Behörden seine Zusammenarbeit an. Im Gegenzug für Immunität liefert er Informationen über Personen und kriminelle Netzwerke auf seiner geheimen „Blacklist“, von denen viele den Strafverfolgungsbehörden bislang unbekannt sind. Reddington besteht jedoch darauf, ausschließlich mit der jungen FBI-Profilerin Elizabeth Keen zusammenzuarbeiten. Aus dieser Ausgangslage entwickelt die Serie ein Geflecht aus organisierter Kriminalität, verdeckten Operationen, staatlicher Strafverfolgung und persönlichen Loyalitäten, bei dem die Grenze zwischen Ermittlern und Kriminellen zunehmend unscharf wird.

Film- / Serienprofil

Kriminologische Relevanz

The Blacklist ist aus kriminologischer Perspektive vor allem wegen der ungewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen staatlicher Strafverfolgung und organisierter Kriminalität interessant. Raymond Reddington ist nicht lediglich Informant des FBI, sondern selbst ein mächtiger Akteur innerhalb transnationaler krimineller Netzwerke. Sein Wissen über illegale Märkte, Organisationen und einzelne Täter wird für die Behörden zu einer Ressource, auf die diese mit konventionellen Ermittlungsmaßnahmen kaum zugreifen können.

Die Serie thematisiert damit ein grundlegendes Dilemma der Strafverfolgung: Wie weit darf der Staat mit Straftätern kooperieren, um andere Straftäter verfolgen zu können? Reddington erhält weitreichende Zugeständnisse und kann seine Zusammenarbeit zugleich nutzen, um eigene Interessen durchzusetzen, Konkurrenten auszuschalten und seine Stellung innerhalb der kriminellen Unterwelt zu sichern. Die Grenze zwischen erfolgreicher Strafverfolgung und staatlicher Instrumentalisierung krimineller Akteure wird dadurch immer wieder infrage gestellt.

Zugleich zeichnet The Blacklist organisierte Kriminalität weniger als klar abgegrenzte Organisation denn als flexibles Netzwerk legaler und illegaler Akteure. Kriminelle Unternehmer, Nachrichtendienste, Unternehmen, korrupte Amtsträger, Vermittler und spezialisierte Dienstleister bilden wechselnde Kooperationen. Kriminalität erscheint damit als grenzüberschreitendes System von Beziehungen, Ressourcen und Gelegenheiten, das sich staatlicher Kontrolle teilweise entzieht und zugleich immer wieder mit staatlichen Institutionen verflochten ist.

Schließlich beschäftigt sich die Serie mit den Folgen dieser Kooperation für die Strafverfolgungsbehörden selbst. Verdeckte Ermittlungen, Geheimhaltung und informelle Absprachen schaffen Handlungsspielräume außerhalb regulärer Verfahren. Die Zusammenarbeit mit Reddington zwingt die beteiligten Ermittler wiederholt dazu, zwischen Rechtsstaatlichkeit, Loyalität und vermeintlicher kriminalpolitischer Zweckmäßigkeit abzuwägen. The Blacklist eignet sich deshalb besonders zur Diskussion über organisierte Kriminalität, Informanten, staatliche Kontrolle und die Grauzonen moderner Strafverfolgung.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser