Person of Interest (2011–2016)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Person of Interest
- Deutscher Titel: Person of Interest
- Erscheinungsjahr: 2011–2016
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Jonathan Nolan
- Medium: Serie
- Laufzeit / Umfang: 5 Staffeln, 103 Episoden
- Schwerpunkte: Überwachung und Kontrolle
Kriminologische Relevanz
Person of Interest gehört zu den bemerkenswertesten Serien über Überwachung, soziale Kontrolle und die Zukunft moderner Sicherheitspolitik. Die Handlung greift zahlreiche Entwicklungen auf, die heute Gegenstand kriminologischer und sozialwissenschaftlicher Debatten sind: Massenüberwachung, algorithmische Entscheidungsfindung, Predictive Policing, künstliche Intelligenz und die Macht großer Datenbestände.
Im Zentrum steht die Frage, ob zukünftige Kriminalität vorhergesagt werden kann. Die Serie thematisiert damit ein Grundproblem moderner Sicherheitspolitik: Soll staatliches Handeln auf bereits begangenen Straftaten beruhen oder auf statistischen Wahrscheinlichkeiten zukünftiger Risiken? Die von Harold Finch entwickelte „Maschine“ analysiert Kommunikationsdaten, Bewegungsmuster und soziale Beziehungen, um Personen zu identifizieren, die in zukünftige Gewalttaten verwickelt sein werden. Damit greift die Serie Fragen auf, die heute unter Begriffen wie Predictive Policing, Actuarial Justice oder algorithmische Risikobewertung diskutiert werden.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt ihrer Entstehung. Als die erste Staffel 2011 ausgestrahlt wurde, waren die späteren Enthüllungen Edward Snowdens über die globale Überwachung durch die NSA noch nicht öffentlich bekannt. Erst 2013 wurde deutlich, in welchem Umfang Geheimdienste Kommunikationsdaten sammeln, speichern und analysieren konnten. Rückblickend wirkt Person of Interest daher in vielerlei Hinsicht erstaunlich vorausschauend. Die Serie greift Themen wie Massenüberwachung, Gesichtserkennung, Verhaltensanalyse und die Verknüpfung unterschiedlichster Datenquellen auf, noch bevor diese Gegenstand breiter gesellschaftlicher Debatten wurden.
Die Nutzung großer Datenmengen zur Risikoanalyse erinnert zudem an reale Entwicklungen im Bereich des Predictive Policing. Systeme wie Precobs oder die Analysesoftware Gotham verfolgen das Ziel, aus vorhandenen Daten zukünftige Risiken abzuleiten und polizeiliche Entscheidungen zu unterstützen. Die Serie stellt dabei die zentrale Frage, ob technische Systeme tatsächlich zu mehr Sicherheit führen oder ob sie neue Formen sozialer Kontrolle und Diskriminierung hervorbringen.
Anders als klassische Krimiserien untersucht Person of Interest nicht primär individuelle Täter, sondern die Rolle technischer Systeme bei der Herstellung von Sicherheit. Die Serie zeigt eindrucksvoll, wie Überwachung zunehmend unsichtbar und alltäglich wird und wie sich Machtverhältnisse verändern, wenn Algorithmen menschliche Entscheidungen beeinflussen. Damit verweist sie auf zentrale Überlegungen von Michel Foucault zur Überwachung und Disziplinierung ebenso wie auf neuere Debatten über digitale Kontrolle, Datenschutz und automatisierte Entscheidungsprozesse.
Gerade diese Verbindung von fiktionaler Erzählung und realen technologischen Entwicklungen macht Person of Interest zu einem besonders interessanten Untersuchungsgegenstand für die Kriminologie. Die Serie zeigt, wie eng Sicherheit, Überwachung und Freiheit in modernen Gesellschaften miteinander verknüpft sind und welche gesellschaftlichen Konflikte entstehen können, wenn technische Möglichkeiten staatlicher Kontrolle immer weiter wachsen.
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Kontrolle
Situational Crime Prevention (Clarke)
Cultural Criminology
Schlüsselwerke
Predictive Policing
Bernard E. Harcourt – Against Prediction: Profiling, Policing, and Punishing in an Actuarial Age (2007)
Virginia Eubanks – Automating Inequality (2018)
David Lyon – Surveillance Studies: An Overview (2007)
Jonathan Simon – Governing Through Crime (2007)
Stanley Cohen – Visions of Social Control (1985)