The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst (2015)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst
- Deutscher Titel: Der Unglücksbringer: Das Leben und die Tode des Robert Durst
- Erscheinungsjahr: 2015
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Andrew Jarecki
- Medium: Dokumentation
- Laufzeit / Umfang: 2 Staffeln, 12 Episoden
- Schwerpunkte: Polizei und Ermittlungen, Serienmord und Gewalt
Kriminologische Relevanz
The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst ist kriminologisch nicht nur als Dokumentation mehrerer schwerer Gewalttaten interessant. Die Serie zeigt zugleich, wie journalistische Recherche, Strafverfolgung und mediale Öffentlichkeit ineinandergreifen können. Die Filmemacher rekonstruieren ältere Ermittlungen, führen eigene Interviews und stoßen dabei auf Material, das für die erneute strafrechtliche Auseinandersetzung mit Robert Durst relevant wird.
Besonders deutlich wird dies durch die Entdeckung eines Briefumschlags, dessen Handschrift mit dem anonymen sogenannten „Cadaver Letter“ verglichen werden konnte, der die Polizei im Jahr 2000 auf die Leiche Susan Bermans aufmerksam gemacht hatte. Die Dokumentation beschränkt sich damit nicht auf die nachträgliche Darstellung eines Kriminalfalls, sondern produziert selbst neues Wissen über ihn. Die traditionelle Grenze zwischen medialer Berichterstattung und kriminalistischer Ermittlung wird dadurch unscharf.
Der Fall wirft außerdem Fragen nach dem Zusammenhang von sozialer Stellung, ökonomischen Ressourcen und Strafverfolgung auf. Durst entstammte einer äußerst wohlhabenden New Yorker Immobilienfamilie und verfügte über erhebliche finanzielle Möglichkeiten. Die Serie lädt damit zur Diskussion darüber ein, welchen Einfluss Ressourcen, anwaltliche Vertretung und gesellschaftliche Position auf die Möglichkeiten haben können, mit strafrechtlichen Ermittlungen umzugehen. Eine einfache Erklärung seines langen Entkommens allein durch Reichtum würde allerdings zu kurz greifen; hinzu kamen Ermittlungsprobleme, fehlende Beweise und unterschiedliche Zuständigkeiten.
Auch die mediale Konstruktion des Täters ist von Bedeutung. Durst tritt nicht lediglich als Gegenstand der Dokumentation auf, sondern beteiligt sich freiwillig an seiner eigenen medialen Darstellung. Die ausführlichen Interviews erzeugen eine ungewöhnliche Nähe zwischen mutmaßlichem Täter, Filmemachern und Publikum. Dadurch stellt The Jinx zugleich die Frage, wie True-Crime-Formate Täter inszenieren und welche Wirkung diese Inszenierung auf die öffentliche Wahrnehmung von Schuld und Unschuld besitzt.
Besondere Bekanntheit erlangte schließlich eine während einer Drehpause aufgezeichnete Äußerung Dursts, die im Finale der ersten Staffel präsentiert wurde. Ihre enorme mediale Wirkung verdeutlicht zugleich ein grundsätzliches Problem dokumentarischer Kriminalitätsdarstellung: Dramaturgisch wirkungsvolle Beweismomente und ihre strafprozessuale Bedeutung sind nicht dasselbe. The Jinx eignet sich deshalb besonders dazu, das Verhältnis von medialer Wahrheitsproduktion, öffentlicher Vorverurteilung und rechtsstaatlicher Beweisführung zu diskutieren.
Bildquelle:
TheAustinMan, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
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