Kurzdefinition
Algorithmische Entscheidungsfindung (ADM) bezeichnet Verfahren, bei denen computergestützte Modelle und Algorithmen maßgeblich an Entscheidungen über Menschen beteiligt sind – etwa bei Risikobewertungen, Strafzumessung oder Sozialleistungsprüfung.
Ausführliche Erklärung
ADM-Systeme analysieren große Datensätze, um Muster zu erkennen und Prognosen zu erstellen. In Strafjustiz und Sozialpolitik kommen sie z. B. bei Rückfallrisiko-Scores, Predictive Policing, Fallsteuerung von Jugendämtern oder der Überprüfung von Sozialleistungen zum Einsatz. Befürworter betonen Effizienz und Objektivität, Kritiker verweisen auf intransparente Modelle, reproduzierte Diskriminierungen (z. B. entlang von „race“, Klasse oder Wohnort), mangelnde Rechtsmittel und Verschiebungen von Verantwortung („der Algorithmus war es“). ADM steht damit im Zentrum aktueller Debatten um digitale Ungleichheit, automatisierte Stigmatisierung und neue Formen von Kontrollmacht.
Theoriebezug
Zentral in der kritischen Datenforschung, Digitalisierungssoziologie und kritischen Kriminologie; prominent bei Eubanks („Automating Inequality“), Harcourt, aber auch in an Foucault anschließenden Gouvernementalitätsstudien.
Verwandte Begriffe
Der Begriff im Film
Minority Report (2002)
SpielfilmIn einer Zukunft, in der Morde durch das sogenannte PreCrime-System bereits vor ihrer Ausführung verhindert werden, gilt die Kriminalität nahezu als besiegt. Grundlage des Systems sind drei „Precogs“, die zukünftige Tötungsdelikte vorhersagen können. Als der leitende Ermittler John Anderton selbst als zukünftiger Mörder identifiziert wird, beginnt er an der Unfehlbarkeit des Systems zu zweifeln und gerät auf die Flucht. Steven Spielbergs Verfilmung einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick verbindet Science-Fiction mit einer grundlegenden Auseinandersetzung über Vorhersage, Kontrolle und Freiheit.