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Algorithmus

Kurzdefinition

Ein Algorithmus ist eine eindeutig definierte Folge von Regeln oder Anweisungen, mit denen ein Problem schrittweise gelöst oder eine Entscheidung automatisiert getroffen wird. Algorithmen bilden die Grundlage zahlreicher digitaler Anwendungen – von Suchmaschinen und sozialen Netzwerken bis hin zu Prognose- und Empfehlungssystemen.

Ausführliche Erklärung

Ein Algorithmus ist eine eindeutig festgelegte Abfolge von Anweisungen oder Rechenschritten, mit deren Hilfe ein bestimmtes Problem gelöst oder eine Aufgabe automatisiert ausgeführt wird. Algorithmen bilden die Grundlage moderner Computersysteme und kommen heute in nahezu allen Bereichen des digitalen Lebens zum Einsatz – etwa bei Suchmaschinen, Navigationssystemen, Streamingdiensten oder sozialen Netzwerken.

Ein Algorithmus verarbeitet Eingabedaten nach vorher festgelegten Regeln und erzeugt daraus ein Ergebnis. Dabei muss ein Algorithmus nicht zwangsläufig auf künstlicher Intelligenz beruhen. Bereits einfache Programme folgen algorithmischen Abläufen. Erst durch die Kombination großer Datenmengen (Big Data) und lernender Verfahren entstehen komplexe Systeme, die eigenständig Muster erkennen oder Vorhersagen treffen können.

In der Soziologie und Kriminologie gewinnen Algorithmen zunehmend an Bedeutung. Polizeibehörden nutzen algorithmische Verfahren beispielsweise zur Analyse von Kriminalitätsschwerpunkten oder im Rahmen des Predictive Policing. Auch soziale Netzwerke und digitale Plattformen setzen Algorithmen ein, um Inhalte zu filtern, Werbung zu personalisieren oder Nutzerinnen und Nutzern bestimmte Beiträge bevorzugt anzuzeigen. Dadurch beeinflussen Algorithmen zunehmend, welche Informationen Menschen wahrnehmen und welche Entscheidungen sie treffen.

Der Einsatz algorithmischer Systeme ist jedoch nicht unumstritten. Algorithmen erscheinen häufig objektiv, beruhen aber auf Daten und Entscheidungsregeln, die von Menschen entwickelt wurden. Enthalten die zugrunde liegenden Daten Verzerrungen oder gesellschaftliche Vorurteile, können diese durch algorithmische Entscheidungen reproduziert oder sogar verstärkt werden. In der Kriminologie wird deshalb diskutiert, ob algorithmische Prognosen bestehende Ungleichheiten fortschreiben und diskriminierende Effekte erzeugen können.

Algorithmen sind somit weit mehr als technische Werkzeuge. Sie prägen zunehmend gesellschaftliche Kommunikation, wirtschaftliche Entscheidungen und staatliches Handeln und sind damit zu einem zentralen Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung geworden.

Theoriebezug

Algorithmen spielen insbesondere im Zusammenhang mit der Digitalisierung, der Überwachung moderner Gesellschaften und datenbasierten Entscheidungsverfahren eine wichtige Rolle. In der Kriminologie bilden sie die Grundlage algorithmischer Prognosemodelle wie dem Predictive Policing. Kritische Ansätze untersuchen darüber hinaus, wie algorithmische Entscheidungen soziale Ungleichheiten verstärken, Diskriminierung reproduzieren oder neue Formen sozialer Kontrolle hervorbringen können.

Verwandte Begriffe

Big Data Datenschutz Digitale Medien Plattformökonomie Predictive Policing Überwachung

Weiterführende Beiträge

Luftaufnahme von Wohngebäude mit einer angrenzenden Straße als Symbol für eine algorithmische Kontrolle und Predictive Policing

Bernard E. Harcourt – Against Prediction: Profiling, Policing, and Punishing in an Actuarial Age (2007)

Against Prediction: Profiling, Policing, and Punishing in an Actuarial Age (2007) ist eines der zentralen Werke von Bernard E. Harcourt und gilt als grundlegende Analyse der gegenwärtigen actuarial justice. Harcourt kritisiert die zunehmende Verlagerung von Recht und Strafe auf statistische…

Polizeimarke der Los Angeles Police

Sarah Brayne – Predict and Surveil (2020)

Mit Predict and Surveil legt die amerikanische Soziologin Sarah Brayne eine der ersten ethnografischen Studien zur datenbasierten Polizeiarbeit in den USA vor. Im Zentrum steht das Los Angeles Police Department (LAPD), das als Vorreiter in der Anwendung von Predictive Policing…

Predictive Policing

Predictive Policing bezeichnet den Einsatz datengestützter Verfahren zur räumlich-zeitlichen Vorhersage von Straftaten. Ziel ist es, Polizeiarbeit effizienter zu gestalten, Ressourcen gezielter einzusetzen und Kriminalität möglichst frühzeitig zu verhindern. Im Zentrum stehen algorithmische Modelle, die aus historischen Kriminalitätsdaten Muster ableiten und…

Virginia Eubanks, 2019

Virginia Eubanks – Automating Inequality (2018)

Automating Inequality: How High-Tech Tools Profile, Police, and Punish the Poor ist ein wegweisendes Werk der Politikwissenschaftlerin und Technologin Virginia Eubanks. Das 2018 veröffentlichte Buch untersucht den zunehmenden Einsatz automatisierter Entscheidungssysteme in öffentlichen Bereichen wie Sozialhilfe, Wohnungswesen und Kinderschutz. Eubanks…

Digitale Medien & Kriminalität

Digitale Medien haben die Art und Weise verändert, wie Menschen kommunizieren, Informationen konsumieren und gesellschaftliche Wirklichkeit wahrnehmen. Soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, Videoplattformen und algorithmisch gesteuerte Informationssysteme prägen heute politische Debatten, soziale Beziehungen und kulturelle Identitäten. Auch Kriminalität und soziale Kontrolle werden…

Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Kugel mit dem Namen „John Anderton“ aus dem Film Minority Report (2002) als Symbol für Kriminalitätsvorhersage und präventive Strafverfolgung.

Minority Report

Film

In einer Zukunft, in der Morde durch das sogenannte PreCrime-System bereits vor ihrer Ausführung verhindert werden, gilt die Kriminalität nahezu als besiegt. Grundlage des Systems sind drei „Precogs“, die zukünftige Tötungsdelikte vorhersagen können. Als der leitende Ermittler John Anderton selbst als zukünftiger Mörder identifiziert wird, beginnt er an der Unfehlbarkeit des Systems zu zweifeln und gerät auf die Flucht. Steven Spielbergs Verfilmung einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick verbindet Science-Fiction mit einer grundlegenden Auseinandersetzung über Vorhersage, Kontrolle und Freiheit.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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