Kurzdefinition
Bezeichnet eine soziale Gruppe, an deren Normen, Werten und Maßstäben Menschen ihr eigenes Denken, Verhalten oder ihre soziale Position orientieren.
Ausführliche Erklärung
Als Bezugsgruppe wird eine soziale Gruppe bezeichnet, die einer Person als Orientierung für die Bewertung des eigenen Denkens, Verhaltens oder der eigenen sozialen Position dient. Menschen vergleichen sich mit Angehörigen solcher Gruppen und können deren Normen, Werte und Erwartungen als Maßstab für das eigene Handeln übernehmen.
Eine Bezugsgruppe muss nicht mit der Gruppe identisch sein, der eine Person tatsächlich angehört. Menschen können sich auch an Gruppen orientieren, denen sie gerne angehören möchten oder von denen sie sich bewusst abgrenzen. Beispielsweise können Jugendliche ihren Kleidungsstil oder ihr Verhalten an einer bestimmten sozialen Gruppe ausrichten, ohne selbst bereits zu ihr zu gehören.
Bezugsgruppen erfüllen insbesondere zwei Funktionen. Sie können eine normative Funktion besitzen, indem ihre Werte und Verhaltensmaßstäbe als Orientierung übernommen werden. Zugleich können sie eine vergleichende Funktion erfüllen, wenn Menschen ihre eigene Situation, Leistung oder soziale Position mit derjenigen anderer vergleichen.
Welche Gruppen als Bezugsgruppen dienen, kann sich im Lebensverlauf und zwischen unterschiedlichen sozialen Situationen verändern. Familie, Freundeskreise, berufliche Gruppen, soziale Milieus oder medial wahrgenommene Gruppen können jeweils zu wichtigen Orientierungspunkten werden.
Theoriebezug
Das Konzept der Bezugsgruppe wurde insbesondere in der amerikanischen Sozialpsychologie und Soziologie entwickelt. Einen wichtigen Beitrag zur systematischen Ausarbeitung leistete Robert K. Merton, der Bezugsgruppen im Zusammenhang mit sozialem Vergleich, Gruppenzugehörigkeit und der Orientierung an gesellschaftlichen Erwartungen untersuchte.
Bezugsgruppen können sowohl eine normative als auch eine vergleichende Funktion besitzen. Bei der normativen Orientierung übernehmen Menschen Werte, Normen und Verhaltensmaßstäbe einer Gruppe. Bei der vergleichenden Orientierung dient die Gruppe dagegen als Maßstab zur Einschätzung der eigenen Situation oder sozialen Position.
Das Konzept ist eng mit Sozialisation, sozialer Zugehörigkeit und sozialer Identität verbunden. Menschen orientieren sich nicht ausschließlich an den Gruppen, denen sie bereits angehören. Auch Gruppen, zu denen sie aufsteigen oder denen sie zukünftig angehören möchten, können Erwartungen und Verhalten beeinflussen.
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Der Begriff im Film
Catch Me If You Can (2002)
SpielfilmFrank Abagnale orientiert sich an gesellschaftlich angesehenen Berufsgruppen und übernimmt deren Kleidung, Sprache, Verhaltensweisen und Statussymbole. Der Film verdeutlicht damit, dass auch Gruppen, denen eine Person nicht angehört, als Bezugsgruppe und Maßstab für das eigene Verhalten dienen können.