Glossarbegriff

Grooming

Praktik & Handlung

Definition

Grooming bezeichnet einen Prozess, bei dem eine Person gezielt Vertrauen zu einem Kind oder Jugendlichen aufbaut und die Beziehung schrittweise so beeinflusst, dass sexuelle Handlungen, sexuelle Ausbeutung oder anderer sexueller Missbrauch ermöglicht oder erleichtert werden. Grooming ist damit nicht mit dem späteren Übergriff selbst gleichzusetzen, sondern beschreibt dessen mögliche Vorbereitung.

Grooming kann unterschiedliche Formen annehmen. Täter können Aufmerksamkeit, Zuneigung, Anerkennung, Geschenke oder besondere Privilegien einsetzen, persönliche Probleme und Bedürfnisse aufgreifen und sich als besonders verständnisvolle oder vertrauenswürdige Bezugsperson darstellen. Im weiteren Verlauf können Grenzen schrittweise verschoben, sexualisierte Inhalte eingeführt und Geheimhaltung eingefordert werden. Auch die emotionale Abhängigkeit oder soziale Isolation des Kindes oder Jugendlichen kann Teil dieses Prozesses sein.

Der Aufbau einer solchen Beziehung kann sich nicht nur auf die unmittelbar betroffene Person richten. Täter können auch versuchen, das Vertrauen von Eltern, Familienmitgliedern oder anderen Bezugspersonen zu gewinnen und sich dadurch Zugang zu Kindern und Jugendlichen sowie eine Position besonderer Vertrauenswürdigkeit zu verschaffen. Grooming kann daher in Familien und sozialen Netzwerken ebenso auftreten wie in Schulen, Vereinen, religiösen Gemeinschaften oder anderen Institutionen.

Durch digitale Medien haben sich zusätzliche Möglichkeiten des Groomings entwickelt. Soziale Netzwerke, Messenger, Online-Spiele und andere Kommunikationsplattformen ermöglichen die Kontaktaufnahme auch ohne vorherige persönliche Beziehung. Beim sogenannten Cybergrooming können Täter beispielsweise eine andere Identität oder ein anderes Alter vortäuschen, sexualisierte Gespräche initiieren, intime Bilder verlangen oder persönliche Informationen nutzen, um Druck auf Betroffene auszuüben.

Kriminologisch ist Grooming insbesondere deshalb relevant, weil sexuelle Gewalt hier als prozesshaftes Geschehen sichtbar wird. Der Fokus liegt nicht ausschließlich auf einer einzelnen Tathandlung, sondern auf der schrittweisen Herstellung einer Situation, in der Vertrauen, Abhängigkeiten und Machtungleichgewichte für sexuelle Zwecke ausgenutzt werden. Dies ist zugleich für Prävention und Viktimologie bedeutsam, weil Betroffene die Manipulation häufig nicht als solche erkennen und sich aufgrund der zuvor aufgebauten Beziehung später mit Schuld- oder Verantwortungsgefühlen auseinandersetzen können.

Film- und Serienkanon

Film-/Serien-Beispiele

Lolita (1997)

Lolita (1997) veranschaulicht, wie ein Erwachsener Vertrauen und Nähe zu einer Minderjährigen aufbaut und bestehende Alters- und Machtunterschiede für sexuelle Zwecke ausnutzt. Der Film eignet sich damit zur Analyse von Grooming als schrittweisem Prozess der Manipulation und Grenzverschiebung.