Glossarbegriff

Kindheit

Begriff & Konzept

Definition

Kindheit bezeichnet die frühe Lebensphase des Menschen zwischen Geburt und Jugend. Sie ist durch körperliche und psychische Entwicklungsprozesse geprägt, zugleich aber auch eine gesellschaftlich definierte Lebensphase. Welche Erwartungen, Rechte, Pflichten und Handlungsmöglichkeiten Kindern zugeschrieben werden, unterscheidet sich zwischen Gesellschaften und hat sich historisch erheblich verändert.

Moderne Gesellschaften verstehen Kindheit typischerweise als eine besonders geschützte Lebensphase. Kinder gelten als auf Betreuung, Erziehung und Bildung angewiesen und verfügen aufgrund ihres Alters nur eingeschränkt über rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit. Familie, Kindertagesstätten und Schulen bilden zentrale soziale Kontexte, in denen Kinder aufwachsen und gesellschaftliche Normen, Werte, Rollen und Handlungsmuster kennenlernen.

Die konkrete Erfahrung von Kindheit wird wesentlich durch soziale Lebensbedingungen geprägt. Soziale Herkunft, wirtschaftliche Ressourcen, Familienformen, Geschlecht, Bildungschancen oder Migrationserfahrungen können beeinflussen, unter welchen Bedingungen Kinder aufwachsen und welche gesellschaftlichen Teilhabe- und Entwicklungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Kindheit ist deshalb auch ein Gegenstand der Forschung zu sozialer Ungleichheit.

Die Grenzen zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter sind nicht ausschließlich biologisch bestimmt. Rechtliche Altersgrenzen, Bildungsinstitutionen und gesellschaftliche Erwartungen legen fest, wann bestimmte Rechte, Pflichten und Verantwortlichkeiten beginnen oder enden. Die gesellschaftliche Definition von Kindheit ist daher historisch und kulturell wandelbar.