Glossarbegriff

Normalität

Begriff & Konzept

Definition

Normalität bezeichnet Vorstellungen und Maßstäbe darüber, welche Eigenschaften, Verhaltensweisen und Lebensformen in einer Gesellschaft als üblich oder angemessen gelten. Solche Vorstellungen beeinflussen, wie Menschen sich selbst und andere wahrnehmen und welche Verhaltensweisen als selbstverständlich, ungewöhnlich oder abweichend bewertet werden.

Dabei lassen sich unterschiedliche Bedeutungen von Normalität unterscheiden. Statistische Normalität bezieht sich darauf, was innerhalb einer bestimmten Gruppe häufig oder durchschnittlich vorkommt. Soziale oder normative Normalität bezeichnet dagegen Vorstellungen darüber, was als angemessen, erwünscht oder erwartbar gilt. Was häufig vorkommt, muss deshalb nicht gesellschaftlich erwünscht sein; umgekehrt können gesellschaftlich anerkannte Verhaltensweisen statistisch selten sein.

Vorstellungen von Normalität sind historisch und kulturell wandelbar. Eigenschaften und Verhaltensweisen, die in einer Gesellschaft oder historischen Epoche als selbstverständlich gelten, können unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen als ungewöhnlich oder abweichend wahrgenommen werden. Normalität ist deshalb nicht ausschließlich eine Eigenschaft von Personen oder Verhaltensweisen, sondern entsteht auch durch gesellschaftliche Klassifikationen, Erwartungen und Vergleichsmaßstäbe.

Die Festlegung dessen, was als normal gilt, kann soziale Folgen haben. Personen, deren Eigenschaften oder Verhalten von gesellschaftlichen Normalitätsvorstellungen abweichen, können mit Zuschreibungen, Stigmatisierung oder Ausschluss konfrontiert werden. Normalitätsvorstellungen stehen daher in enger Beziehung zu sozialen Normen, Devianz und Prozessen sozialer Grenzziehung.