Kurzdefinition
Organisierte Kriminalität bezeichnet die planmäßige, arbeitsteilig organisierte und auf Dauer angelegte Begehung schwerer Straftaten durch Gruppen, die auf wirtschaftlichen Gewinn oder Machtgewinn abzielen und dabei häufig Korruption, Gewalt oder Einschüchterung einsetzen.
Ausführliche Erklärung
Organisierte Kriminalität (OK) bezeichnet die planmäßige und auf Dauer angelegte Begehung schwerer Straftaten durch mehrere Personen, die arbeitsteilig zusammenwirken und dabei auf wirtschaftlichen Gewinn oder Machtgewinn abzielen. Charakteristisch sind stabile Organisationsstrukturen, eine hohe Professionalität sowie die Fähigkeit, sich flexibel an veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen anzupassen.
Nach der in Deutschland gebräuchlichen Definition der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Justiz/Polizei umfasst Organisierte Kriminalität die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, wenn mehr als zwei Beteiligte über einen längeren Zeitraum arbeitsteilig zusammenwirken und dabei geschäftsähnliche Strukturen, Gewalt oder andere zur Einschüchterung geeignete Mittel oder Einflussnahme auf Politik, Medien, Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft einsetzen.
Typische Deliktsfelder der Organisierten Kriminalität sind der Drogenhandel, Menschenhandel, Waffenhandel, Geldwäsche, Cyberkriminalität, Schleusungskriminalität, Schutzgelderpressung sowie verschiedene Formen der Wirtschafts- und Umweltkriminalität. Viele Organisationen agieren grenzüberschreitend und nutzen internationale Finanz- und Kommunikationsnetzwerke.
Organisierte Kriminalität stellt eine erhebliche Herausforderung für Rechtsstaat und Gesellschaft dar. Neben den unmittelbaren Straftaten gefährdet sie insbesondere das Vertrauen in staatliche Institutionen, indem sie Korruption fördert, wirtschaftliche Prozesse beeinflusst und staatliche Kontrollmechanismen unterläuft. Die Bekämpfung erfolgt daher zunehmend durch internationale Zusammenarbeit, etwa im Rahmen von Europol, Interpol oder den Vereinten Nationen.
Theoriebezug
Organisierte Kriminalität lässt sich mit unterschiedlichen kriminologischen Ansätzen erklären. Rational-Choice-Theorien betonen die ökonomische Nutzenmaximierung krimineller Akteure, während sozialökologische und Anomietheorien auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen verweisen, die die Entstehung illegaler Märkte begünstigen. Netzwerkansätze und sozialkonstruktivistische Perspektiven untersuchen darüber hinaus die sozialen Beziehungen innerhalb krimineller Organisationen sowie die gesellschaftliche Definition und Wahrnehmung Organisierter Kriminalität.
Verwandte Begriffe
Verwandte Filme und Serien
The Wire (2002–2008)
SerieDie vielfach ausgezeichnete HBO-Serie schildert die Verflechtung von Polizei, Drogenhandel, Politik, Bildungssystem und Medien in Baltimore. Aus kriminologischer Perspektive gilt sie als eine der realistischsten Darstellungen urbaner Kriminalität und sozialer Ungleichheit.
4 Blocks (2017–2019)
SerieDie Berliner Clanserie 4 Blocks erzählt die Geschichte von Toni Hamady, dem Oberhaupt eines arabischstämmigen Familienclans in Berlin-Neukölln. Während sein Bruder wegen Drogendelikten im Gefängnis sitzt, versucht Toni, die kriminellen Geschäfte der Familie aufrechtzuerhalten und gleichzeitig ein legales Leben für seine Frau und Tochter zu ermöglichen. Zwischen familiärer Loyalität, Polizeidruck und rivalisierenden Gruppierungen gerät er zunehmend in einen Konflikt zwischen krimineller Karriere und gesellschaftlicher Integration.
Griselda (2024)
SerieGriselda erzählt die Lebensgeschichte der kolumbianischen Drogenhändlerin Griselda Blanco, die in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einer der mächtigsten Akteurinnen des internationalen Kokainhandels aufstieg. Die Miniserie zeichnet ihren Weg von der Einwanderin in Miami zur Anführerin eines weit verzweigten Drogenimperiums nach und zeigt, wie wirtschaftlicher Erfolg, Gewalt und Machtkämpfe den Kokainhandel nachhaltig prägten. Die Serie basiert auf historischen Ereignissen, nimmt jedoch dramaturgische Verdichtungen vor.
American Gangster (2007)
SpielfilmHarlem, Anfang der 1970er Jahre: Frank Lucas steigt vom Fahrer eines Gangsterbosses zum mächtigsten Heroinhändler New Yorks auf. Während Lucas ein hocheffizientes Drogennetzwerk aufbaut, versucht der integre Polizist Richie Roberts, Korruption innerhalb der Polizei aufzudecken und den Drogenring zu zerschlagen. Der Film basiert lose auf realen Ereignissen und zeichnet das Wechselspiel zwischen organisierter Kriminalität, staatlicher Korruption und Strafverfolgung nach.
Scarface (1983)
SpielfilmDer kubanische Flüchtling Tony Montana gelangt Anfang der 1980er Jahre nach Miami und arbeitet sich innerhalb weniger Jahre vom Kleinkriminellen zum mächtigen Kokainhändler empor. Sein rasanter sozialer Aufstieg geht mit wachsender Gewalt, Paranoia und Isolation einher. Scarface erzählt die Geschichte eines kriminellen Erfolgs, der zugleich die Voraussetzungen seines eigenen Scheiterns schafft.