Kurzdefinition
Remigration bezeichnet ursprünglich die Rückwanderung von Migrantinnen und Migranten in ihr Herkunftsland oder an den Ausgangsort ihrer Migration und wird heute zugleich als politischer Begriff für unterschiedliche Forderungen nach Rückführung oder Ausweisung verwendet.
Ausführliche Erklärung
Remigration bezeichnet in der Migrationsforschung die Rückwanderung von Migrantinnen und Migranten in ihr Herkunftsland oder an den Ausgangsort ihrer Migration. Rückwanderung kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen und beispielsweise mit familiären Beziehungen, beruflichen Möglichkeiten, politischen Veränderungen oder individuellen Lebensplanungen verbunden sein. Sie kann dauerhaft oder Bestandteil wiederholter beziehungsweise zirkulärer Migrationsbewegungen sein.
Der Begriff besitzt damit zunächst eine etablierte migrationswissenschaftliche Bedeutung. Historisch wird beispielsweise auch die Rückkehr von Menschen, die aufgrund des Nationalsozialismus Deutschland verlassen mussten und nach 1945 aus dem Exil zurückkehrten, als Remigration bezeichnet.
In den vergangenen Jahren hat Remigration im deutschsprachigen politischen Diskurs eine zusätzliche Bedeutung erhalten. Insbesondere rechtspopulistische und rechtsextreme Akteure verwenden den Begriff für politische Konzepte, die auf die Rückkehr beziehungsweise Rückführung größerer Gruppen von Menschen mit Migrationsgeschichte zielen. Je nach Akteur und Konzept unterscheiden sich dabei die Vorstellungen darüber, welche Personengruppen betroffen sein sollen und mit welchen Mitteln eine solche Politik umgesetzt werden soll.
Diese politische Verwendung ist von der migrationswissenschaftlichen Bedeutung des Begriffs zu unterscheiden. Während Remigration im wissenschaftlichen Sprachgebrauch zunächst einen Typus von Migration beschreibt, kann der Begriff im politischen Sprachgebrauch eine normative Forderung nach staatlich veranlasster Rückkehr oder Ausweisung bezeichnen. Die konkrete Bedeutung lässt sich deshalb nur aus dem jeweiligen Verwendungskontext bestimmen.
Remigration ist außerdem nicht mit Abschiebung gleichzusetzen. Abschiebung bezeichnet die zwangsweise Durchsetzung einer bestehenden Ausreisepflicht. Remigration kann dagegen sowohl freiwillige Rückwanderung als auch – in bestimmten politischen Begriffsverwendungen – Vorstellungen staatlich erzwungener oder geförderter Rückkehr umfassen.
Theoriebezug
Für die Migrationssoziologie ist Remigration eine mögliche Form räumlicher Mobilität. Migration muss nicht als einmalige und dauerhaft in eine Richtung verlaufende Bewegung verstanden werden. Rückwanderung, erneute Migration und transnationale Beziehungen können Bestandteil komplexer Migrationsverläufe sein. Der Begriff steht deshalb auch in Beziehung zu Transnationalisierung und zu Ansätzen, die Migration nicht ausschließlich als dauerhaften Wechsel von einer Herkunfts- in eine Aufnahmegesellschaft betrachten.
Die neuere politische Verwendung des Begriffs ist darüber hinaus für die Analyse politischer Sprache und gesellschaftlicher Grenzziehungen relevant. Politische Begriffe beschreiben gesellschaftliche Wirklichkeit nicht nur, sondern können unterschiedliche Deutungen eines Problems und seiner möglichen Lösungen nahelegen. Auseinandersetzungen um den Begriff Remigration betreffen deshalb auch die Frage, welche Personen als zugehörig oder nicht zugehörig definiert werden und anhand welcher Kriterien solche Zugehörigkeiten bestimmt werden.
In Teilen des rechtsextremen Diskurses ist der Begriff mit ethnisch definierten Vorstellungen gesellschaftlicher Zugehörigkeit verbunden. Remigration kann dort über die Rückführung ausreisepflichtiger ausländischer Staatsangehöriger hinausgehen und auch auf Menschen mit dauerhaftem Aufenthaltsrecht oder deutscher Staatsangehörigkeit bezogen werden. Die jeweilige Verwendung und Reichweite des Begriffs muss deshalb anhand konkreter politischer Akteure und Konzepte untersucht werden.
Die politische Umdeutung des Begriffs führte dazu, dass „Remigration“ zum Unwort des Jahres 2023 gewählt wurde. Kritisiert wurde dabei nicht die migrationswissenschaftliche Verwendung des Begriffs, sondern seine Verwendung als beschönigende Bezeichnung für politische Forderungen nach weitreichenden Zwangsausweisungen und Vertreibungen.
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