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Resilienz

Kurzdefinition

Resilienz bezeichnet allgemein die Fähigkeit eines Systems, einer Person oder einer Gemeinschaft, Belastungen, Krisen oder Störungen zu bewältigen und sich an veränderte Bedingungen anzupassen. In der Psychologie beschreibt der Begriff insbesondere die Fähigkeit von Menschen, belastende Lebensereignisse oder traumatische Erfahrungen erfolgreich zu verarbeiten.

Ausführliche Erklärung

Was ist Resilienz?

Resilienz beschreibt die Fähigkeit eines Menschen, Belastungen, Krisen oder traumatische Erfahrungen zu bewältigen und sich an veränderte Lebensumstände anzupassen. In der Psychologie bezeichnet der Begriff insbesondere die psychische Widerstandsfähigkeit gegenüber belastenden Ereignissen.

Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, über die Menschen entweder verfügen oder nicht verfügen. Vielmehr handelt es sich um einen dynamischen Prozess, der durch persönliche Eigenschaften, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflusst wird.

Häufiges Missverständnis: Resilienz bedeutet nicht, dass belastende Ereignisse keine Spuren hinterlassen oder Menschen unverwundbar sind. Vielmehr beschreibt der Begriff die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen und sich trotz schwieriger Erfahrungen weiterzuentwickeln.

Schutzfaktoren der Resilienz

Die Resilienzforschung hat verschiedene Faktoren identifiziert, die die Bewältigung belastender Erfahrungen fördern können. Hierzu gehören insbesondere:

  • stabile soziale Beziehungen,
  • emotionale Unterstützung durch Familie und Freunde,
  • Selbstwirksamkeit und Problemlösekompetenz,
  • positive Zukunftserwartungen sowie
  • Zugang zu professioneller Hilfe.

Welche Faktoren im Einzelfall besonders bedeutsam sind, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab.

Resilienz und Kriminalität

In der Kriminologie spielt Resilienz insbesondere im Zusammenhang mit belastenden Kindheitserfahrungen, Viktimisierung und Entwicklungsverläufen eine wichtige Rolle. Forschungsergebnisse zeigen, dass soziale Unterstützung, stabile Bezugspersonen und positive Lebensperspektiven dazu beitragen können, dass Menschen trotz schwieriger Lebensbedingungen keine dauerhaften psychischen Probleme entwickeln und nicht straffällig werden.

Resilienz gilt daher als wichtiger Schutzfaktor, der die negativen Folgen verschiedener Risikofaktoren abmildern kann, ohne diese vollständig aufzuheben.

Resilienz nach traumatischen Erfahrungen

Nicht alle Menschen entwickeln nach einem Trauma oder einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) langfristige psychische Beeinträchtigungen. Individuelle Ressourcen, soziale Unterstützung und professionelle Hilfe können wesentlich dazu beitragen, traumatische Erfahrungen erfolgreich zu bewältigen.

Fazit

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, schwierige Lebensereignisse erfolgreich zu bewältigen. Welche Schutzfaktoren im Einzelfall besonders bedeutsam sind, hängt von der jeweiligen Lebenssituation sowie dem sozialen Umfeld der betroffenen Person ab.

Theoriebezug

Bezug zu Belastungs- und Entwicklungstheorien: Resilienz ergänzt kriminologische Belastungstheorien um die Frage, warum manche Menschen trotz schwerer Belastungen keine dauerhaften psychischen Probleme entwickeln oder straffällig werden. Die General Strain Theory von Robert Agnew betont, dass belastende Erfahrungen zwar negative Emotionen hervorrufen können, deren Folgen jedoch von individuellen Bewältigungsstrategien und sozialer Unterstützung abhängen. Auch entwicklungsorientierte Ansätze wie Terrie Moffitts Entwicklungsmodell verdeutlichen, dass frühe Belastungen den weiteren Lebensverlauf beeinflussen können, ohne diesen zwangsläufig festzulegen.

Verwandte Begriffe

Abweichendes Verhalten (Devianz) Psychische Störung Viktimisierung

Weiterführende Beiträge

Symbolbild für die General Strain Theory von Robert Agnew: Belastung, Frustration und negative Emotionen als Ursachen kriminellen Verhaltens.

General Strain Theory (Agnew)

Die General Strain Theory von Robert Agnew geht davon aus, dass kriminelles Verhalten häufig aus belastenden Erfahrungen (strain) entsteht. Solche Belastungen können nach Agnew auf drei unterschiedlichen Faktoren beruhen: Das Scheitern, ein Ziel zu erreichen Die Existenz von schädlichen Impulsen…

Two-Path-Theory (Moffitt)

Die Two-Path-Theory (auch: Developmental Taxonomy of Antisocial Behavior) der Kriminologin Terrie E. Moffitt unterscheidet zwei grundlegende Entwicklungsverläufe kriminellen Verhaltens. Grundlage der Theorie ist unter anderem die bekannte Dunedin-Längsschnittstudie, in der rund 1.000 neuseeländische Kinder über mehrere Jahrzehnte hinweg untersucht wurden.…

Symbolbild: Viktimologie

Viktimologie

Viktimologie: Opfer, Viktimisierung und Opferschutz Die Viktimologie ist ein Teilbereich der Kriminologie, der sich mit Opfern von Straftaten, Prozessen der Opferwerdung sowie gesellschaftlichen Reaktionen auf Kriminalitätsopfer beschäftigt. Während sich die klassische Kriminologie lange Zeit vor allem auf Tat und Täterschaft…

Verwandte Filme und Serien

Die folgenden Filme, Serien und Dokumentationen greifen zentrale Aspekte dieses Begriffs auf und veranschaulichen sie anhand konkreter Beispiele. Sie eignen sich als anschauliche Ergänzung zu den wissenschaftlichen Erläuterungen.
Isolierte Spielfigur gegenüber einer Gruppe als Symbol für Ausgrenzung, institutionelles Scheitern und soziale Exklusion im Film Systemsprenger.

Systemsprenger (2019)

Spielfilm

Die neunjährige Benni gilt als „Systemsprengerin“ – ein Begriff aus der Jugendhilfe für Kinder, die durch aggressives und unberechenbares Verhalten keine dauerhafte Unterbringung finden. Zwischen Pflegefamilien, Wohngruppen, Schule und Jugendamt scheitern immer neue Versuche, ihr Stabilität zu geben. Der Film begleitet Benni auf ihrem verzweifelten Wunsch nach Nähe, Zugehörigkeit und familiärer Geborgenheit.



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Über SozTheo

Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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