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Rollenkonflikt

Kurzdefinition

Bezeichnet eine Situation, in der unterschiedliche Erwartungen an eine soziale Rolle, verschiedene Rollen einer Person oder persönliche Überzeugungen und Rollenerwartungen miteinander in Widerspruch geraten.

Ausführliche Erklärung

Ein Rollenkonflikt entsteht, wenn unterschiedliche Erwartungen, die mit sozialen Rollen verbunden sind, miteinander unvereinbar sind oder von einer Person nicht gleichzeitig erfüllt werden können. Da Menschen in verschiedenen sozialen Zusammenhängen unterschiedliche Positionen einnehmen und mehrere soziale Rollen besitzen, gehören solche Konflikte zum gesellschaftlichen Alltag.

Ein Inter-Rollenkonflikt liegt vor, wenn die Erwartungen verschiedener Rollen einer Person miteinander kollidieren. Beispielsweise können berufliche Anforderungen mit Erwartungen innerhalb der Familie in Konflikt geraten, wenn beide gleichzeitig die Anwesenheit oder Aufmerksamkeit einer Person verlangen.

Von einem Intra-Rollenkonflikt spricht man dagegen, wenn innerhalb derselben sozialen Rolle widersprüchliche Erwartungen bestehen. An eine Lehrkraft kann beispielsweise die Erwartung gerichtet werden, verständnisvoll auf individuelle Bedürfnisse einzugehen und zugleich einheitliche Regeln und Leistungsmaßstäbe durchzusetzen.

Ein Rolle-Selbst-Konflikt entsteht schließlich, wenn die Erwartungen an eine soziale Rolle mit persönlichen Werten, Überzeugungen oder Interessen einer Person kollidieren. Eine beruflich verlangte Handlung kann beispielsweise den eigenen moralischen Vorstellungen widersprechen.

Rollenkonflikte verdeutlichen, dass soziale Rollen das Handeln zwar strukturieren, aber nicht eindeutig bestimmen. Menschen müssen widersprüchliche Erwartungen interpretieren, gewichten und miteinander vereinbaren. Der Umgang mit Rollenkonflikten kann deshalb Aushandlung, Priorisierung, Rollendistanz oder auch die bewusste Zurückweisung bestimmter Erwartungen erfordern.

Theoriebezug

Rollenkonflikte gehören zu den zentralen Problemstellungen der Rollentheorie. Soziale Rollen bestehen aus Erwartungen, die an die Inhaber bestimmter sozialer Positionen gerichtet werden. Da Personen mehrere Rollen besitzen und innerhalb einzelner Rollen mit unterschiedlichen Erwartungen konfrontiert werden können, sind Widersprüche zwischen diesen Erwartungen grundsätzlich möglich.

Für die deutschsprachige Soziologie ist insbesondere Ralf Dahrendorfs Analyse sozialer Rollen von Bedeutung. In seinem Schlüsselwerk Homo Sociologicus beschreibt er den Menschen als Träger sozialer Rollen, deren Erwartungen mit unterschiedlicher Verbindlichkeit auftreten. Dahrendorf unterscheidet dabei Muss-, Soll- und Kann-Erwartungen, deren Einhaltung durch unterschiedliche Formen sozialer Sanktionierung abgesichert werden kann.

Rollenkonflikte machen zugleich die Grenzen eines rein deterministischen Rollenmodells sichtbar. Menschen sind unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Erwartungen ausgesetzt und müssen mit diesen aktiv umgehen. Interaktionistische Ansätze betonen deshalb stärker die Möglichkeiten der Interpretation, Aushandlung und Rollendistanz. Soziale Rollen geben Handlungsrahmen vor, legen konkretes Verhalten jedoch nicht vollständig fest.

Verwandte Begriffe

Interaktion Konformität Normen Rolle Sanktion Soziale Identität Soziale Kontrolle Soziale Rolle Sozialisation Status

Weiterführende Beiträge

Maskenartige Gesichter als Darstellung sozialer Rollen und Identität

Soziale Rollen und Rollenkonflikte

Was sind "soziale Rollen"? Soziale Rollen sind Erwartungen, Normen und typische Verhaltensweisen, die an eine bestimmte Position innerhalb einer Gruppe oder Gesellschaft geknüpft sind. Soziale Rollen sind ein zentraler Begriff der Soziologie. Soziale Rollen wirken wie ein soziales Skript: Sie…

Sozialisation

Sozialisation bezeichnet den Prozess, durch den Individuen zu handlungsfähigen Mitgliedern einer Gesellschaft werden. Sie lernen dabei nicht nur soziale Regeln und Normen kennen, sondern entwickeln auch Haltungen, Werte, Fähigkeiten und Identitäten, die für das Zusammenleben in der Gesellschaft notwendig sind.…

Der Begriff im Film

Schriftzug „To Protect and to Serve“ auf einem Polizeifahrzeug in Los Angeles – Symbolbild für Polizeiarbeit, Autorität und die Ambivalenz polizeilicher Macht in Training Day.

Training Day (2001)

Spielfilm

Der junge Polizist Jake Hoyt wird mit Erwartungen seines Vorgesetzten und informellen Normen polizeilicher Praxis konfrontiert, die zunehmend mit seinem eigenen Verständnis legitimer Polizeiarbeit kollidieren. Der Film veranschaulicht damit insbesondere einen Rolle-Selbst-Konflikt.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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