Kurzdefinition
Sexuelle Selbstbestimmung bezeichnet das Recht und die Fähigkeit von Individuen, über ihre Sexualität und sexuellen Handlungen frei zu entscheiden.
Ausführliche Erklärung
Sexuelle Selbstbestimmung umfasst sowohl die Freiheit zur Zustimmung als auch die Freiheit zur Verweigerung sexueller Handlungen. Sie setzt voraus, dass Entscheidungen ohne Zwang, Drohung oder strukturellen Druck getroffen werden können. In rechtlicher Perspektive fungiert sexuelle Selbstbestimmung als Schutzgut, das durch Strafnormen gegen sexuelle Gewalt abgesichert wird.
Aus soziologischer Sicht ist sexuelle Selbstbestimmung jedoch kein rein individuelles Merkmal, sondern ein relationales und strukturell bedingtes Vermögen. Ökonomische Abhängigkeit, soziale Normen, Geschlechterrollen und institutionelle Machtverhältnisse beeinflussen, in welchem Maße Selbstbestimmung tatsächlich realisiert werden kann. Formale Entscheidungsfreiheit garantiert daher noch keine faktische Autonomie.
Theoriebezug
Feministische Theorie, Macht- und Ungleichheitsforschung, Rechtssoziologie.