Kurzdefinition
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung umfassen Delikte, die das Recht eines Menschen verletzen, frei und selbstbestimmt über seine Sexualität zu entscheiden. Sie bilden eine eigenständige Hauptgruppe der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).
Ausführliche Erklärung
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung umfassen alle Straftaten, die das Recht eines Menschen verletzen, frei und selbstbestimmt über seine Sexualität zu entscheiden. Sie gehören zu den schwerwiegendsten Delikten des Strafrechts und bilden eine eigenständige Hauptgruppe der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).
- Straftaten gegen das Leben
- Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung
- Rohheitsdelikte
- Diebstahlsdelikte
- Vermögens- und Fälschungsdelikte
Zu dieser Deliktsgruppe zählen unter anderem Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen, sexuelle Übergriffe, exhibitionistische Handlungen sowie verschiedene Delikte im Zusammenhang mit Darstellungen sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Gemeinsam ist diesen Straftaten, dass sie die sexuelle Selbstbestimmung und die persönliche Integrität der Betroffenen verletzen.
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung weisen ein besonders großes Dunkelfeld auf. Viele Betroffene erstatten aus Angst, Scham, Schuldgefühlen oder mangelndem Vertrauen in die Strafverfolgungsbehörden keine Anzeige. Die in der PKS ausgewiesenen Fallzahlen bilden daher nur einen Teil des tatsächlichen Kriminalitätsgeschehens ab. Erkenntnisse aus der Dunkelfeldforschung und der Viktimologie besitzen für die Einschätzung des tatsächlichen Ausmaßes daher eine besondere Bedeutung.
Aus kriminologischer Sicht stehen neben den Ursachen sexueller Gewalt insbesondere Täter-Opfer-Beziehungen, Macht- und Geschlechterverhältnisse, Viktimisierungsprozesse sowie Möglichkeiten der Prävention im Mittelpunkt. Darüber hinaus spielen Fragen des Opferschutzes und der sekundären Viktimisierung im Ermittlungs- und Strafverfahren eine zentrale Rolle.
Der Begriff steht in engem Zusammenhang mit Sexueller Gewalt, Sexueller Selbstbestimmung, Viktimologie, Sekundärer Viktimisierung und Häuslicher Gewalt.
Theoriebezug
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung werden aus unterschiedlichen kriminologischen Perspektiven untersucht. Feministische Kriminologie, Viktimologie sowie sozialpsychologische und lerntheoretische Ansätze analysieren unter anderem den Einfluss von Geschlechterrollen, Machtverhältnissen, sozialen Lernprozessen und kulturellen Normen auf die Entstehung sexueller Gewalt. Daneben spielen Erkenntnisse der Dunkelfeldforschung und der Opferforschung eine zentrale Rolle.
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