Kurzdefinition
Bezeichnet bei Pierre Bourdieu gesellschaftlich anerkannte Ressourcen wie Prestige, Ansehen, Ehre oder Reputation, die soziale Positionen und Handlungsmöglichkeiten beeinflussen können.
Ausführliche Erklärung
Symbolisches Kapital bezeichnet bei Pierre Bourdieu gesellschaftlich anerkannte Formen von Prestige, Ansehen, Ehre oder Reputation. Es entsteht, wenn Eigenschaften, Leistungen, Positionen oder andere Ressourcen innerhalb eines sozialen Zusammenhangs als wertvoll und legitim anerkannt werden.
Symbolisches Kapital unterscheidet sich damit von ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital. Es bezeichnet weniger eine eigenständige Ressource als vielmehr die gesellschaftlich anerkannte Form anderer Ressourcen. Ein Bildungsabschluss kann beispielsweise kulturelles Kapital darstellen, zugleich aber symbolisches Kapital vermitteln, wenn mit ihm besonderes gesellschaftliches Prestige verbunden ist. Auch Vermögen, berufliche Positionen oder soziale Beziehungen können symbolischen Wert besitzen.
Welche Eigenschaften oder Ressourcen symbolisches Kapital vermitteln, hängt vom jeweiligen sozialen Kontext ab. Wissenschaftliche Reputation besitzt beispielsweise innerhalb der Wissenschaft einen hohen Wert, während in anderen gesellschaftlichen Bereichen andere Formen von Anerkennung entscheidend sein können. Symbolisches Kapital ist deshalb an soziale Gruppen und gesellschaftliche Felder gebunden, in denen bestimmte Maßstäbe für Anerkennung und Prestige gelten.
Symbolisches Kapital kann soziale Unterschiede sichtbar machen und legitimieren. Wenn bestimmte Titel, Lebensstile, Umgangsformen oder kulturelle Kenntnisse als Zeichen besonderer Kompetenz oder gesellschaftlicher Stellung anerkannt werden, können bestehende Unterschiede als selbstverständlich oder gerechtfertigt erscheinen. Symbolisches Kapital steht deshalb in engem Zusammenhang mit Status, Distinktion und der Reproduktion sozialer Ungleichheit.
Theoriebezug
Symbolisches Kapital gehört zum Kapitalbegriff in der Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu. Es entsteht, wenn ökonomische, kulturelle oder soziale Ressourcen innerhalb eines gesellschaftlichen Zusammenhangs wahrgenommen und als legitim, wertvoll oder prestigeträchtig anerkannt werden. Symbolisches Kapital beruht deshalb wesentlich auf sozialer Anerkennung.
Welche Ressourcen symbolischen Wert besitzen, hängt vom jeweiligen gesellschaftlichen Feld ab. Ein akademischer Titel kann beispielsweise im wissenschaftlichen Feld erhebliches Prestige vermitteln, während in wirtschaftlichen, politischen oder kulturellen Feldern andere Ressourcen besondere Anerkennung genießen. Symbolisches Kapital lässt sich deshalb nicht unabhängig von den sozialen Regeln und Bewertungsmaßstäben eines Feldes bestimmen.
In Die feinen Unterschiede zeigt Bourdieu, wie soziale Positionen über Geschmack, Lebensstil und kulturelle Praktiken sichtbar und bewertet werden. Symbolisches Kapital steht damit in enger Verbindung zu Distinktion: Gesellschaftlich anerkannte Unterschiede können Prestige erzeugen und zugleich dazu beitragen, bestehende soziale Hierarchien symbolisch zu bestätigen und zu reproduzieren.
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