Capturing the Friedmans (2003)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Capturing the Friedmans
- Deutscher Titel: Capturing the Friedmans
- Erscheinungsjahr: 2003
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Andrew Jarecki
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 107
- Schwerpunkte: Gericht, Recht und Justiz, Kriminalitätstheorien im Film
Kriminologische Relevanz
Capturing the Friedmans zählt zu den bedeutendsten True-Crime-Dokumentationen überhaupt, weil er weniger nach der objektiven Wahrheit fragt als nach den gesellschaftlichen Prozessen, durch die Wahrheit, Schuld und Täterschaft hergestellt werden.
Aus kriminologischer Perspektive berührt der Film unter anderem:
- die soziale Konstruktion von Kriminalität,
- die Rolle von Polizei, Justiz und Medien bei der Definition von Täterschaft,
- Geständnisse unter dem Druck des amerikanischen Plea-Bargaining-Systems,
- Moral Panic und die Missbrauchshysterie der 1980er Jahre,
- den Einfluss medialer Berichterstattung auf öffentliche Wahrnehmung und Strafverfahren,
- die Grenzen dokumentarischer Objektivität.
Besonders interessant ist dabei, dass der Film selbst zum Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen wurde. Während viele Zuschauer nach der Sichtung erhebliche Zweifel an den Verurteilungen entwickelten, werfen Kritiker dem Regisseur vor, belastende Beweise und Aussagen bewusst zurückgehalten zu haben. Der Film illustriert damit auf eindrucksvolle Weise, dass auch Dokumentationen Wirklichkeit nicht lediglich abbilden, sondern durch Auswahl, Perspektive und Inszenierung aktiv mitgestalten.
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Sozialkonstruktivistische Kriminalitätstheorie (Hess & Scheerer)