Babel (2006)

Babel (2006) verknüpft mehrere zunächst voneinander unabhängige Geschichten in Marokko, den USA, Mexiko und Japan. Ein Schuss auf eine amerikanische Touristin in Marokko setzt eine Kette von Ereignissen in Gang, deren Folgen Menschen über nationale, kulturelle und soziale Grenzen hinweg miteinander verbinden. Erst allmählich werden die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen sichtbar. Der Episodenfilm erzählt damit von Kommunikation und Missverständnissen, Migration und Grenzen sowie von den unterschiedlichen Lebensbedingungen in einer global miteinander verflochtenen Welt.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Babel
  • Deutscher Titel: Babel
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Land: Frankreich, USA, Mexiko
  • Regie / Creator / Showrunner: Alejandro González Iñárritu
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 142 Minuten

Kriminologische Relevanz

Babel lässt sich als filmische Darstellung der Globalisierung lesen. Die Geschichten spielen auf verschiedenen Kontinenten und in sehr unterschiedlichen sozialen und kulturellen Kontexten. Dennoch sind die Figuren nicht voneinander unabhängig. Entscheidungen und Ereignisse an einem Ort entfalten Konsequenzen für Menschen, die sich an einem anderen Ort befinden und einander teilweise niemals begegnen. Der Film macht damit eine zentrale Eigenschaft globalisierter Gesellschaften sichtbar: Räumliche Distanz bedeutet zunehmend weniger, dass soziale Ereignisse voneinander getrennt bleiben.

Besonders deutlich wird dies an dem Gewehr, das die verschiedenen Handlungsräume miteinander verbindet. Eine ursprünglich in Japan verschenkte Waffe gelangt in den Besitz einer marokkanischen Familie und wird schließlich von zwei Jungen benutzt. Der Schuss auf eine amerikanische Touristin löst wiederum politische, mediale und persönliche Reaktionen aus, die weit über den unmittelbaren Tatort hinausreichen. Ein lokales Ereignis wird dadurch Teil eines transnationalen Zusammenhangs. Globalisierung erscheint im Film nicht als abstrakter Prozess, sondern als Verdichtung von Beziehungen, Abhängigkeiten und Wirkungsketten über große räumliche Distanzen hinweg.

Diese globale Verflechtung beseitigt jedoch weder soziale noch politische Grenzen. Im Gegenteil: Babel kontrastiert sehr unterschiedliche Möglichkeiten, sich innerhalb einer globalisierten Welt zu bewegen. Wohlhabende amerikanische Touristen können internationale Grenzen vergleichsweise selbstverständlich überschreiten, während die mexikanische Haushälterin Amelia durch ihren Aufenthaltsstatus mit ganz anderen Risiken konfrontiert ist. Mobilität ist damit keine gleichmäßig verteilte Ressource. Der Film verbindet Globalisierung unmittelbar mit sozialer Ungleichheit und zeigt, dass nationale Grenzen für verschiedene Menschen sehr unterschiedliche Bedeutung besitzen.

Eine zweite Ebene bildet die Kommunikation. Bereits der Titel verweist auf die biblische Erzählung vom Turmbau zu Babel und die daraus resultierende Sprachverwirrung. Im Film scheitert Verständigung jedoch nicht allein an unterschiedlichen Sprachen. Missverständnisse entstehen ebenso durch kulturelle Erwartungen, soziale Positionen, politische Interessen und unterschiedliche Interpretationen derselben Situation. Besonders die internationale Deutung des Schusses als möglicher terroristischer Anschlag verdeutlicht, wie lokale Ereignisse in globalen Kommunikationszusammenhängen neue Bedeutungen erhalten können.

Babel zeichnet Globalisierung deshalb weder als bloße Annäherung der Weltgesellschaft noch als einfache Auflösung nationaler Grenzen. Die Figuren leben gleichzeitig in einer eng miteinander verbundenen und tief ungleichen Welt. Kapital, Informationen, Medienbilder, Waffen und Menschen überschreiten Grenzen – allerdings unter höchst unterschiedlichen Bedingungen. Gerade diese Gleichzeitigkeit von globaler Vernetzung und fortbestehender Differenz macht den Film zu einer besonders anschaulichen Illustration soziologischer Globalisierungstheorien.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser