Girl, Interrupted (1999)

Nach einer psychischen Krise wird die 18-jährige Susanna Kaysen Ende der 1960er-Jahre in die psychiatrische Klinik Claymoore eingewiesen. Dort begegnet sie jungen Frauen mit unterschiedlichen psychiatrischen Diagnosen und entwickelt insbesondere zu der charismatischen und manipulativen Lisa eine intensive Beziehung. Während Susanna zunehmend mit ihrer Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und den Regeln der Institution konfrontiert wird, stellt der Film immer wieder die Frage, wo die Grenze zwischen psychischer Erkrankung, gesellschaftlicher Abweichung und vermeintlicher Normalität verläuft.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Girl, Interrupted
  • Deutscher Titel: Durchgeknallt
  • Erscheinungsjahr: 1999
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: James Mangold
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 127 Minuten
  • Schwerpunkte: Gefängnis und Strafvollzug

Kriminologische Relevanz

Girl, Interrupted ist weniger ein Kriminalfilm als eine Auseinandersetzung mit Devianz, psychischer Erkrankung und institutioneller Kontrolle. Die psychiatrische Klinik Claymoore bildet einen sozialen Raum, in dem Verhalten beobachtet, diagnostiziert und anhand institutioneller Vorstellungen von Normalität bewertet wird. Damit eröffnet der Film einen unmittelbaren Zugang zu soziologischen Fragen danach, wie Gesellschaften zwischen normalem und abweichendem Verhalten unterscheiden und welche Rolle professionelle Institutionen bei dieser Grenzziehung spielen.

Besonders deutlich wird dies an Susannas Diagnose einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Diagnose beschreibt einerseits tatsächliche psychische Probleme und ermöglicht therapeutische Hilfe. Andererseits verändert sie Susannas sozialen Status und die Interpretation ihres Verhaltens. Erfahrungen, Konflikte und Entscheidungen können nun durch die Kategorie der psychischen Erkrankung gedeutet werden. Der Film eignet sich deshalb gut für eine labelingtheoretische Perspektive, ohne psychiatrische Diagnosen lediglich als willkürliche Etiketten darzustellen.

Auch die psychiatrische Klinik selbst lässt sich mit Erving Goffmans Konzept der totalen Institution analysieren. Alltag, soziale Beziehungen und persönliche Autonomie der Patientinnen werden durch institutionelle Regeln strukturiert. Zugleich zeichnet der Film jedoch kein ausschließlich repressives Bild der Psychiatrie. Zwischen den Patientinnen entstehen Freundschaften und informelle Hierarchien, während einzelne Beschäftigte zugleich Kontrolle ausüben und therapeutische Unterstützung anbieten. Institutionalisierung erscheint damit als ambivalentes Verhältnis von Hilfe, Fürsorge, Anpassung und sozialer Kontrolle.

Eine weitere Ebene betrifft die gesellschaftlichen Erwartungen an junge Frauen am Ende der 1960er-Jahre. Susannas Unsicherheit über Sexualität, Beziehungen, Ausbildung und Lebensplanung trifft auf Vorstellungen davon, wie eine junge Frau ihr Leben führen sollte. Girl, Interrupted macht dadurch sichtbar, dass Vorstellungen von Normalität und Devianz nicht unabhängig von Geschlechterrollen und historischen gesellschaftlichen Erwartungen entstehen. Gerade diese Verbindung von psychischer Erkrankung, Zuschreibung, Geschlecht und Institutionalisierung macht den Film für eine sozialwissenschaftliche Betrachtung besonders ergiebig.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser