Shutter Island (2010)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Shutter Island
- Deutscher Titel: Shutter Island
- Erscheinungsjahr: 2010
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Martin Scorsese
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 138 Minuten
- Schwerpunkte: Überwachung und Kontrolle
Kriminologische Relevanz
Shutter Island bewegt sich an der Schnittstelle von Kriminologie, Psychiatrie und sozialer Kontrolle. Schauplatz ist eine forensisch-psychiatrische Einrichtung, in der Menschen untergebracht sind, die zugleich als psychisch krank und als gefährlich gelten. Der Film lenkt damit den Blick auf eine besondere Form institutioneller Kontrolle: Die Insassen werden nicht ausschließlich bestraft, sondern diagnostiziert, behandelt, verwahrt und hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit beurteilt.
Aus soziologischer Perspektive lässt sich das Ashecliffe Hospital als totale Institution im Sinne Erving Goffmans betrachten. Die Einrichtung ist räumlich von der Außenwelt isoliert, der Alltag der Insassen unterliegt institutionellen Regeln und das Personal verfügt über weitreichende Definitions- und Entscheidungsmacht. Besonders relevant ist dabei die Frage, wer bestimmen kann, welches Verhalten als rational, krank oder gefährlich gilt. Psychiatrische Diagnosen erscheinen dadurch nicht lediglich als medizinische Kategorien, sondern sind zugleich mit institutioneller Macht und sozialer Kontrolle verbunden.
Der historische Kontext des Jahres 1954 verstärkt diese Perspektive. Der Film thematisiert unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie mit psychisch erkrankten und gewalttätigen Menschen umzugehen sei. Therapeutischen Ansätzen stehen medikamentöse Behandlung, dauerhafte Verwahrung und invasive Eingriffe gegenüber. Damit verweist Shutter Island auf einen grundlegenden Konflikt zwischen Behandlung, Kontrolle und Sicherheit: Wie weit dürfen Institutionen in die Persönlichkeit eines Menschen eingreifen, wenn dieser als Gefahr für sich oder andere angesehen wird?
Kriminologisch interessant ist schließlich die Verbindung von psychischer Störung, Schuld und Gefährlichkeit. Der Film macht sichtbar, dass die gesellschaftliche Reaktion auf schwere Gewalt nicht allein von der begangenen Handlung abhängt. Entscheidend ist auch, ob eine Person als verantwortlich, behandlungsbedürftig oder dauerhaft gefährlich definiert wird. Shutter Island eignet sich damit weniger zur Illustration einer klassischen Kriminalitätstheorie als zur Auseinandersetzung mit institutioneller Macht, psychiatrischer Etikettierung und den Grenzen zwischen Strafe, Behandlung und sozialer Kontrolle.
Bildquelle: Marcbela, CC0, via Wikimedia Commons
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