Midnight Express (1978)

Midnight Express (1978) von Alan Parker erzählt die Geschichte des jungen US-Amerikaners Billy Hayes, der beim Versuch, Haschisch aus der Türkei zu schmuggeln, am Flughafen von Istanbul festgenommen wird. Nach seiner Verurteilung zu einer mehrjährigen Haftstrafe gerät er in ein Gefängnissystem, das der Film als von Gewalt, Willkür und menschenunwürdigen Haftbedingungen geprägt darstellt. Als kurz vor dem erwarteten Ende seiner Haft die ursprüngliche Verurteilung verschärft und Hayes zu einer jahrzehntelangen Freiheitsstrafe verurteilt wird, schwindet seine Hoffnung auf eine reguläre Entlassung. Der Gefängnisalltag wird zunehmend zum Kampf um körperliche und psychische Selbstbehauptung, während eine Flucht als einziger verbliebener Ausweg erscheint.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: Midnight Express
  • Deutscher Titel: 12 Uhr nachts - Midnight Express
  • Erscheinungsjahr: 1978
  • Land: USA, Vereinigtes Königreich
  • Regie / Creator / Showrunner: Alan Parker
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 121 Minuten
  • Schwerpunkte: Gefängnis und Strafvollzug, Gericht, Recht und Justiz

Kriminologische Relevanz

Midnight Express thematisiert Strafvollzug als eine Form institutionalisierter Machtausübung, in der die Grenzen zwischen rechtmäßiger Sanktionierung und Gewalt zunehmend verschwimmen. Die Haft dient in der Darstellung des Films kaum der Resozialisierung. Stattdessen dominieren Einschüchterung, körperliche Gewalt, Erniedrigung und Unterordnung. Das Gefängnis erscheint damit als totale Institution, die nahezu sämtliche Lebensbereiche der Gefangenen kontrolliert und eigene soziale Regeln hervorbringt.

Kriminologisch relevant ist zudem das Verhältnis zwischen Delikt und Sanktion. Ausgangspunkt der Handlung ist der Versuch, Haschisch außer Landes zu schmuggeln. Die drastische Verschärfung der gegen Hayes verhängten Freiheitsstrafe macht die Verhältnismäßigkeit staatlichen Strafens zu einem zentralen Thema des Films. Midnight Express lässt sich damit als filmische Auseinandersetzung mit Punitivität und der Frage lesen, welche Grenzen staatlicher Bestrafung auch gegenüber Personen gelten müssen, die tatsächlich eine Straftat begangen haben.

Der Film zeigt zugleich, wie Haftbedingungen Verhalten und Identität von Gefangenen verändern können. Gewalt und Regelverstöße erscheinen innerhalb der Institution zunehmend als Strategien der Anpassung und des Überlebens. Damit kehrt sich die offiziell beanspruchte Funktion des Strafvollzugs teilweise um: Eine Institution, die normkonformes Verhalten herstellen soll, schafft selbst Bedingungen, unter denen Gewalt, Misstrauen und informelle Regeln funktional werden.

Die Darstellung verlangt allerdings eine kritische Einordnung. Midnight Express ist keine dokumentarische Beschreibung des türkischen Strafvollzugs. Der Film dramatisiert die autobiografische Vorlage erheblich und zeichnet türkische Figuren vielfach stereotyp und entmenschlichend. Gerade deshalb eignet er sich auch zur Diskussion darüber, wie populäre Medien Vorstellungen von Kriminalität, Strafe und fremden Rechtssystemen erzeugen und gesellschaftliche Wahrnehmungen prägen können.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser