Brubaker (1980)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Brubaker
- Deutscher Titel: Brubaker
- Erscheinungsjahr: 1980
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: Stuart Rosenberg
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 131 Minuten
- Schwerpunkte: Gefängnis und Strafvollzug
Kriminologische Relevanz
Brubaker richtet den Blick nicht auf die Straftaten der Gefangenen, sondern auf den Strafvollzug als gesellschaftliche Institution. Der neue Gefängnisdirektor Henry Brubaker schleust sich zunächst unerkannt als Häftling ein und erlebt aus erster Hand die alltäglichen Bedingungen innerhalb der Haftanstalt: körperliche Gewalt, Korruption, Ausbeutung der Gefangenen sowie eine Verwaltung, die Missstände systematisch verschleiert. Der Film macht damit deutlich, dass auch staatliche Institutionen selbst Gegenstand kriminologischer Analyse sein können.
Besonders anschlussfähig ist Brubaker an die Arbeiten von Erving Goffman und Michel Foucault. Goffmans Konzept der totalen Institution beschreibt Gefängnisse als Organisationen, in denen nahezu alle Lebensbereiche zentral kontrolliert werden und individuelle Autonomie weitgehend verloren geht. Foucault wiederum versteht das Gefängnis als Ausdruck moderner Disziplinarmacht, die nicht nur Freiheit entzieht, sondern Menschen überwacht, normiert und formt. Der Film verdeutlicht, wie solche Machtstrukturen Gewalt und Missbrauch begünstigen können, wenn wirksame Kontrolle von außen fehlt.
Darüber hinaus greift Brubaker zentrale Fragestellungen der kritischen Kriminologie auf. Kriminalität erscheint hier nicht allein als Problem der Inhaftierten, sondern auch als Folge institutionellen Handelns. Korruption, Machtmissbrauch und wirtschaftliche Interessen prägen den Strafvollzug ebenso wie politische Einflussnahme und fehlende Transparenz. Damit lenkt der Film den Blick auf die Verantwortung staatlicher Akteure und die Frage, inwieweit Strafvollzug tatsächlich den Zielen von Resozialisierung und Rechtsstaatlichkeit gerecht wird.
Schließlich zeigt Brubaker, wie schwierig grundlegende Reformen etablierter Institutionen sein können. Obwohl der neue Direktor Missstände konsequent bekämpft, stößt er auf den Widerstand politischer Entscheidungsträger und lokaler Eliten, die vom bestehenden System profitieren. Der Film macht damit deutlich, dass Veränderungen im Strafvollzug nicht allein am guten Willen einzelner Personen scheitern, sondern häufig an tief verankerten institutionellen, politischen und ökonomischen Strukturen. Gerade diese Perspektive macht Brubaker zu einem der wichtigsten Spielfilme für die kriminologische Auseinandersetzung mit Gefängnissen und Strafvollzug.
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Instanzenforschung/ Kritische Kriminologie
Kontrolle
Schlüsselwerke
Erving Goffman – Asyle. Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen (1961)
Michel Foucault – Überwachen und Strafen (1975)
Angela Y. Davis – Are Prisons Obsolete? (2003)
Thomas Mathiesen – The Politics of Abolition (1974)