The Believer (2001)

Danny Balint ist ein junger, hochintelligenter Neonazi in New York, der sich einer rechtsextremen Gruppe anschließt und zunehmend zu politischer Gewalt bereit ist. Was seine Mitstreiter nicht wissen: Danny stammt selbst aus einer jüdischen Familie und erhielt eine religiöse jüdische Erziehung. Sein aggressiver Antisemitismus richtet sich damit zugleich gegen einen Teil seiner eigenen Identität. Der Film verbindet rechtsextreme Radikalisierung und Gewalt mit einem inneren Konflikt um Religion, Zugehörigkeit und Selbsthass.

Film- / Serienprofil

Kriminologische Relevanz

The Believer verbindet Rechtsextremismus, antisemitische Gewalt und Radikalisierung mit einer ungewöhnlichen Identitätskonstellation. Danny Balint bewegt sich in einer rechtsextremen Subkultur, übernimmt deren Feindbilder und beteiligt sich an Gewalt gegen Menschen, deren jüdische Identität er selbst teilt. Der Film zeigt Radikalisierung damit nicht als bloße Übernahme einer politischen Ideologie, sondern als Prozess, in dem Gruppenzugehörigkeit, Identität und persönliche Konflikte miteinander verschränkt sind.

Kriminologisch relevant ist zunächst die Einbettung von Vorurteilen und politisch motivierter Gewalt in soziale Gruppen. In der rechtsextremen Szene werden antisemitische Deutungsmuster bestätigt, Gewalt legitimiert und Zugehörigkeit durch die demonstrative Abgrenzung gegenüber einer als feindlich konstruierten Fremdgruppe hergestellt. Der Film lässt sich deshalb mit lerntheoretischen und subkulturtheoretischen Ansätzen verbinden: Einstellungen und Rechtfertigungen entstehen und stabilisieren sich in sozialen Beziehungen, in denen bestimmte Normverletzungen Anerkennung finden.

Besonders interessant ist jedoch, dass die für rechtsextreme Ideologien typische Trennung zwischen Eigengruppe und Fremdgruppe bei Danny zusammenbricht. Sein Antisemitismus richtet sich zugleich gegen die eigene Herkunft. The Believer macht dadurch die Prozesse von Othering, Stigmatisierung und Identitätskonstruktion sichtbar, die hinter gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit stehen. Die Abwertung des vermeintlich Anderen dient Danny nicht nur zur politischen Positionierung, sondern auch zur Konstruktion einer Identität, die einen Teil der eigenen Biografie verleugnen soll.

Der Film eignet sich damit besonders zur Auseinandersetzung mit der Frage, wie extremistische Weltbilder individuelle Widersprüche in scheinbar eindeutige Freund-Feind-Kategorien übersetzen. Gleichzeitig zeigt er die Grenzen dieser ideologischen Ordnung: Dannys religiöse Sozialisation, seine intellektuelle Beschäftigung mit dem Judentum und seine antisemitische Identität lassen sich nicht dauerhaft widerspruchsfrei voneinander trennen. The Believer erweitert die kriminologische Betrachtung politischer Radikalisierung deshalb um die Frage, wie Ideologie, Gruppenzugehörigkeit und persönliche Identität ineinandergreifen.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser