The Breakfast Club (1985)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: The Breakfast Club
- Deutscher Titel: Breakfast Club – Der Frühstücksclub
- Erscheinungsjahr: 1985
- Land: USA
- Regie / Creator / Showrunner: John Hughes
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 97 Minuten
- Schwerpunkte: Jugend, Devianz und Subkultur
Kriminologische Relevanz
The Breakfast Club eignet sich besonders zur Veranschaulichung des soziologischen Begriffs der sozialen Rolle. Die fünf Jugendlichen erscheinen zunächst weniger als individuelle Persönlichkeiten denn als soziale Typen: die beliebte Schülerin, der Sportler, der Streber, die Außenseiterin und der Rebell. Mit diesen Positionen sind Erwartungen darüber verbunden, wie die jeweiligen Personen aussehen, sprechen und handeln und mit wem sie soziale Beziehungen eingehen. Der Film macht damit anschaulich, dass soziale Rollen individuelle Handlungsmöglichkeiten strukturieren, ohne das Verhalten eines Menschen vollständig festzulegen.
Im Verlauf des gemeinsamen Nachsitzens wird die scheinbare Eindeutigkeit dieser Rollen zunehmend brüchig. Die Jugendlichen erfahren, dass ihre Mitschüler nicht vollständig mit den ihnen zugeschriebenen Rollen identisch sind. Andrew leidet unter den Leistungserwartungen seines Vaters, Claire unter dem Druck ihrer sozialen Bezugsgruppe, Brian unter schulischen Erfolgserwartungen und Bender unter den Erfahrungen seines familiären Umfelds. Was zunächst als persönliche Eigenschaft erscheint, erweist sich damit teilweise als Ergebnis sozialer Erwartungen und unterschiedlicher Sozialisationsbedingungen.
Besonders deutlich zeigt der Film zugleich, dass soziale Rollen nicht lediglich von außen auferlegt werden. Die Jugendlichen reproduzieren die bestehenden Kategorien selbst, indem sie einander entsprechend wahrnehmen und behandeln. Ihre jeweiligen Identitäten werden damit innerhalb sozialer Interaktionen fortlaufend bestätigt. Aus der Perspektive des symbolischen Interaktionismus lässt sich beobachten, wie Menschen sich selbst auch über die vermuteten Wahrnehmungen und Erwartungen anderer verstehen.
Das gemeinsame Nachsitzen schafft vorübergehend eine ungewöhnliche soziale Situation. Die im normalen Schulalltag bestehenden Gruppengrenzen verlieren einen Teil ihrer Bedeutung, weil die Jugendlichen über mehrere Stunden zur Interaktion miteinander gezwungen sind. Dadurch erhalten sie Informationen übereinander, die innerhalb ihrer gewöhnlichen sozialen Beziehungen kaum zugänglich wären. Die vertrauten Typisierungen werden irritiert und die Jugendlichen können zumindest zeitweise Distanz zu den ihnen zugeschriebenen Rollen entwickeln.
Der Film vermeidet dabei eine einfache Auflösung dieser sozialen Ordnung. Am Ende müssen die Jugendlichen in ihren gewöhnlichen Schulalltag und damit in ihre bisherigen Bezugsgruppen zurückkehren. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob sie ihre Rollen vollständig ablegen können, sondern ob die gemeinsame Erfahrung ihre Wahrnehmung voneinander verändert hat. Genau darin liegt die soziologische Stärke von The Breakfast Club: Der Film zeigt soziale Rollen weder als unveränderliche Eigenschaften von Personen noch als beliebig wählbare Masken, sondern als Ergebnis von Erwartungen, Interaktionen und sozialer Zugehörigkeit.
Bildquelle:
Brett Clark, APR, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Soziale Rollen und Rollenkonflikte
Soziologie der Gruppe
Schlüsselwerke
Ralf Dahrendorf – Homo Sociologicus (1977)