The Departed (2006)

The Departed (2006) erzählt von zwei Männern, die auf entgegengesetzten Seiten des Gesetzes als Informanten arbeiten. Der junge Polizist Billy Costigan wird undercover in die Organisation des Bostoner Gangsters Frank Costello eingeschleust, während Colin Sullivan, ein von Costello geförderter Polizeibeamter, innerhalb der Massachusetts State Police Informationen an die kriminelle Organisation weitergibt. Als Polizei und Unterwelt erkennen, dass sich jeweils ein Informant in den eigenen Reihen befindet, beginnt auf beiden Seiten die Suche nach dem Verräter. Martin Scorseses Kriminalfilm verbindet die Geschichte eines Undercover-Einsatzes mit Fragen nach Loyalität, Korruption, Identität und der schwierigen Grenzziehung zwischen Polizei und organisiertem Verbrechen.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: The Departed
  • Deutscher Titel: Departed – Unter Feinden
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Land: USA, Hongkong
  • Regie / Creator / Showrunner: Martin Scorsese
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 152 Minuten
  • Schwerpunkte: Polizei und Ermittlungen

Kriminologische Relevanz

The Departed stellt Polizei und organisierte Kriminalität nicht als eindeutig voneinander getrennte gesellschaftliche Bereiche dar. Beide Organisationen verfügen über Hierarchien, Loyalitätserwartungen, interne Regeln und Mechanismen zur Kontrolle ihrer Mitglieder. Durch die wechselseitige Einschleusung von Informanten verschwimmt die institutionelle Grenze zwischen Strafverfolgung und krimineller Organisation zunehmend.

Besonders ergiebig ist der Film für die Beschäftigung mit Korruption und organisierter Kriminalität. Frank Costello sichert seinen Einfluss nicht allein durch Gewalt, sondern durch persönliche Beziehungen, Informationsnetzwerke und die gezielte Platzierung eines loyalen Gefolgsmanns innerhalb der Polizei. Organisierte Kriminalität erscheint dadurch weniger als abgeschottete Gegenwelt zum Staat denn als Netzwerk, das von Verbindungen zu legalen Institutionen profitieren kann.

Zugleich thematisiert The Departed die Bedeutung von Loyalität, Gruppenzugehörigkeit und differentiellen sozialen Kontakten. Sowohl Costigan als auch Sullivan bewegen sich dauerhaft zwischen unterschiedlichen normativen Ordnungen. Während Costigan kriminelles Verhalten darstellen und praktizieren muss, um seine tatsächliche Rolle zu verbergen, hat Sullivan wesentliche Orientierungen bereits durch seine langjährige Beziehung zu Costello erworben. Der Film verdeutlicht damit, dass die Grenze zwischen konformem und abweichendem Verhalten nicht allein durch formale Organisationszugehörigkeit bestimmt wird.

Der Undercover-Einsatz Costigans wirft darüber hinaus Fragen nach Identität und Rollenkonflikten auf. Um als Mitglied der kriminellen Organisation akzeptiert zu werden, muss er eine soziale Identität aufrechterhalten, die seinem institutionellen Auftrag widerspricht. Mit zunehmender Dauer des Einsatzes werden die psychischen und sozialen Folgen dieser Doppelrolle sichtbar. Polizeiliche Ermittlungsarbeit erscheint damit selbst als Tätigkeit, bei der die Grenzen zwischen legalem Auftrag und Teilnahme an einer kriminellen Lebenswelt zeitweise bewusst verwischt werden.

Kriminologisch interessant ist schließlich die spiegelbildliche Konstruktion der beiden Hauptfiguren. Der Polizist Costigan lebt unter Kriminellen, während der für Costello arbeitende Sullivan innerhalb der Polizei gesellschaftliche Anerkennung und beruflichen Erfolg erlangt. The Departed unterläuft damit eine einfache Gleichsetzung von institutioneller Position und moralischer Zugehörigkeit: Entscheidend ist nicht allein, auf welcher Seite des Gesetzes eine Person formal steht, sondern welchen Normen, Loyalitäten und Interessen ihr tatsächliches Handeln folgt.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser