The Strangers (2008)

The Strangers (2008) erzählt von Kristen McKay und James Hoyt, die nach einer Hochzeitsfeier die Nacht in einem abgelegenen Ferienhaus verbringen. In den frühen Morgenstunden werden sie zunächst durch eine unbekannte Besucherin und anschließend von drei maskierten Personen terrorisiert. Aus scheinbar harmlosen Störungen entwickelt sich eine zunehmend bedrohliche Situation, in der die Täter in das Haus eindringen und das Paar systematisch verfolgen. Der minimalistisch inszenierte Home-Invasion-Film konzentriert sich dabei weniger auf die Identität seiner Täter als auf die Erfahrung von Bedrohung, Kontrollverlust und scheinbar willkürlicher Gewalt.

Film- / Serienprofil

  • Originaltitel: The Strangers
  • Deutscher Titel: The Strangers
  • Erscheinungsjahr: 2008
  • Land: USA
  • Regie / Creator / Showrunner: Bryan Bertino
  • Medium: Spielfilm
  • Laufzeit / Umfang: 85 Minuten
  • Schwerpunkte: Serienmord und Gewalt

Kriminologische Relevanz

The Strangers (2008) ist kriminologisch vor allem deshalb interessant, weil der Film eine Form von Gewalt inszeniert, die sich einer eindeutigen Erklärung weitgehend entzieht. Die drei maskierten Täter verfolgen ihre Opfer weder aus finanziellen Motiven noch aufgrund eines persönlichen Konflikts. Auf die Frage nach dem Grund für den Angriff folgt lediglich die berühmt gewordene Antwort: „Because you were home.“ Gewalt erscheint damit als situativ entstandene Möglichkeit und nicht als nachvollziehbare Reaktion auf eine vorausgehende Beziehung zwischen Täter und Opfer.

Damit bietet der Film einen besonders anschaulichen Zugang zu situations- und gelegenheitsorientierten Kriminalitätstheorien. Aus Perspektive des Routine Activity Approach treffen motivierte Täter auf geeignete Opfer in einer Situation, in der wirksame Kontrolle weitgehend fehlt. Das abgelegene Haus, die nächtliche Situation und die geringe Wahrscheinlichkeit unmittelbarer Intervention schaffen Bedingungen, unter denen die Täter weitgehend ungestört handeln können. Der Film verlagert die Erklärung damit von individuellen Eigenschaften der Opfer auf die Konstellation der Tatsituation.

Zugleich thematisiert The Strangers in zugespitzter Form die Viktimisierung durch unbekannte Täter. Gerade das Fehlen eines erkennbaren Motivs steigert das Bedrohungspotenzial: Die Opfer können weder durch Verhandlung noch durch Kenntnis eines Konflikts einschätzen, welches Verhalten die Gefahr vermindern könnte. Die Maskierung der Täter verstärkt diese Anonymität zusätzlich und reduziert sie auf Rollen, deren Motive und Biografien für die Opfer ebenso unzugänglich bleiben wie für das Publikum.

Der Film lässt sich außerdem als Inszenierung moderner Kriminalitätsfurcht lesen. Das eigene Zuhause, das gewöhnlich als privater Schutzraum verstanden wird, verliert seine Schutzfunktion und wird zum Tatort. Der Home-Invasion-Film radikalisiert damit eine grundlegende Angst vor Kriminalität: Nicht das Betreten eines vermeintlich gefährlichen öffentlichen Raums führt zur Viktimisierung, sondern die Gewalt dringt in den privaten Rückzugsraum ein.

Kriminologisch sollte die scheinbare Zufälligkeit der Tat allerdings nicht mit einer realistischen Darstellung typischer Gewaltkriminalität verwechselt werden. Schwere Gewalttaten entstehen empirisch häufig in sozialen Beziehungen, Konflikten oder spezifischen situativen Kontexten. Gerade die Vorstellung des vollkommen unbekannten Täters, der ohne erkennbaren Anlass in den privaten Raum eindringt, besitzt jedoch ein erhebliches kulturelles Angstpotenzial. The Strangers eignet sich deshalb nicht nur zur Analyse von Gewalt und Viktimisierung, sondern auch zur Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Vorstellung vom zufälligen Gewaltverbrechen.

Kriminologische Einordnung

Trailer / Teaser