Die Situational Crime PreventionSituational Crime Prevention (Situative Kriminalprävention) bezeichnet eine kriminalpräventive Strategie, die durch Veränderung der situativen Bedingungen die Gelegenheiten zur Begehung von Straftaten reduzieren soll. (situative KriminalpräventionKriminalprävention umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Straftaten zu verhindern oder deren Folgen zu reduzieren.) ist ein kriminalpräventiver Ansatz, der darauf abzielt, Kriminalität durch Veränderungen konkreter Situationen zu reduzieren. Anstatt sich primär auf die Ursachen kriminellen Verhaltens zu konzentrieren, versucht dieser Ansatz, Tatgelegenheiten zu verringern oder Straftaten weniger attraktiv zu machen.
Die theoretischen Grundlagen der Situational Crime Prevention liegen insbesondere im Rational-Choice-Ansatz sowie im Routine Activity Approach.
Neuere Handlungstheorien wie die Situational Action Theory von Per-Olof H. Wikström greifen ebenfalls die Bedeutung konkreter Situationen auf, betonen jedoch stärker die RolleEine soziale Rolle bezeichnet das Bündel normativer Erwartungen, das an das Verhalten einer Person in einer bestimmten sozialen Position geknüpft ist. moralischer Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozesse.
Ziel situativer PräventionVorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten oder sozialen Problemen. ist es daher, Tatgelegenheiten gezielt zu verändern – etwa durch bessere Beleuchtung öffentlicher Räume, Zugangskontrollen, Videoüberwachung oder bauliche Maßnahmen.
Merkzettel
Situational Crime Prevention
Hauptvertreter: Ronald V. Clarke
Entstehung: 1970er–1980er Jahre
Grundidee: KriminalitätKriminalität bezeichnet gesellschaftlich normierte Handlungen, die gegen das Strafgesetz verstoßen. kann reduziert werden, wenn Tatgelegenheiten verringert und Risiken oder Kosten für Täter erhöht werden.
Theoretische Grundlage:
Rational Choice Theory, Routine Activity Approach
Ziel: Prävention durch Veränderung konkreter Tatgelegenheiten.
Strategien der Situational Crime Prevention
Clarke unterscheidet fünf grundlegende Strategien, mit denen Tatgelegenheiten reduziert werden können:
- Erhöhung des Aufwands
Straftaten werden schwieriger gemacht, etwa durch Zugangskontrollen, Sicherheitsschlösser oder elektronische Wegfahrsperren. - Erhöhung des Entdeckungsrisikos
Maßnahmen wie Videoüberwachung, bessere Beleuchtung oder erhöhte Polizeipräsenz sollen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, entdeckt zu werden. - Reduzierung des Tatertrags
Die Attraktivität von Straftaten wird verringert, etwa durch Diebstahlsicherungen oder Markierungen von Wertgegenständen. - Reduzierung von Provokationen
Konfliktpotenziale werden reduziert, etwa durch Gestaltung öffentlicher Räume oder Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch. - Abbau von Ausreden
Klare Regeln und NormenVerhaltensregeln und Erwartungen, die innerhalb einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe als verbindlich gelten. sollen es erschweren, kriminelles Verhalten zu rechtfertigen.
Beispiele für situative Kriminalprävention
- bessere Beleuchtung von Parkplätzen und öffentlichen Wegen
- Videoüberwachung in öffentlichen Verkehrsmitteln
- Diebstahlsicherungen im Einzelhandel
- bauliche Gestaltung sicherer Wohngebiete (CPTED)
- Zugangskontrollen zu Gebäuden oder Veranstaltungen
Diese und weitere Maßnahmen werden auf SozTheo auch im Beitrag
Raum und (Un-)Sicherheit
im Kontext der Stadtsoziologie diskutiert.
25 Techniken der situativen Kriminalprävention
(nach Clarke & Eck 2005; Beispiele teilweise angepasst)
Clarke und Eck (2005) systematisierten die situative Kriminalprävention in einer Matrix aus fünf Strategien und insgesamt 25 konkreten Techniken. Diese Techniken zeigen, wie durch gezielte Veränderungen von Situationen Tatgelegenheiten reduziert oder weniger attraktiv gemacht werden können.
1. Erhöhung des Tataufwands (Increase the Effort)
Die erste Strategie der Situational Crime Prevention zielt darauf ab, den Aufwand zu erhöhen, der zur Begehung einer Straftat erforderlich ist. Wenn potenzielle Täter zusätzliche Hindernisse überwinden müssen, sinkt die Attraktivität einer Tat. Technische Sicherungen, Zugangskontrollen oder bauliche Maßnahmen können dazu beitragen, Tatgelegenheiten erheblich zu erschweren. Viele dieser Maßnahmen sind im Alltag kaum sichtbar, entfalten jedoch eine erhebliche präventive Wirkung. Die folgenden Techniken zeigen, wie durch einfache Veränderungen der Umgebung der Aufwand für Straftaten systematisch erhöht werden kann.
| # | Technik | Beispiele |
|---|---|---|
| 1. | Zielobjekte sichern | Lenkradschlösser, Fahrradschlösser, elektronische Wegfahrsperren |
| 2. | Zugang zu Einrichtungen kontrollieren | Zugangskarten, Türcodes, Sicherheitsschleusen |
| 3. | Ausgänge kontrollieren | Ticketsysteme im ÖPNV, Kassenbereiche im Einzelhandel |
| 4. | Täter abschirmen | Trennscheiben in Banken, gesicherte Kassenbereiche |
| 5. | Zugang zu Tatmitteln kontrollieren | Alterskontrollen beim Alkoholkauf, sichere Aufbewahrung von Werkzeug oder Waffen |
2. Erhöhung des Entdeckungsrisikos (Increase the Risks)
Eine zweite zentrale Strategie besteht darin, das Risiko zu erhöhen, bei einer Straftat entdeckt oder identifiziert zu werden. Wenn Täter davon ausgehen müssen, beobachtet zu werden oder identifizierbar zu sein, wirkt dies abschreckend auf viele Gelegenheitsdelikte. Dabei geht es nicht nur um formale ÜberwachungÜberwachung beschreibt die systematische Sammlung, Beobachtung und Analyse von Informationen über Personen, Gruppen oder Institutionen, meist durch staatliche oder private Akteure. durch Polizei oder Sicherheitspersonal, sondern auch um sogenannte „natürliche Aufsicht“ durch andere Menschen im öffentlichen Raum. Beleuchtung, offene Raumgestaltung oder soziale Kontrolle können die Wahrnehmung eines erhöhten Entdeckungsrisikos verstärken. Die folgenden Techniken zeigen verschiedene Möglichkeiten, dieses Risiko systematisch zu erhöhen.
| # | Technik | Beispiele |
|---|---|---|
| 6. | Aufsicht erweitern | Sicherheitsdienste, Begleitdienste im Nachtverkehr |
| 7. | Natürliche Überwachung fördern | bessere Straßenbeleuchtung, offene Platzgestaltung |
| 8. | Anonymität reduzieren | Namensschilder, personalisierte Zugangssysteme |
| 9. | Nutzung von Informanten fördern | Hinweisgebersysteme, Meldestellen |
| 10. | Formale Überwachung verstärken | Videoüberwachung, Polizeistreifen |
3. Reduzierung des Tatertrags (Reduce Rewards)
Eine weitere Strategie besteht darin, den möglichen Gewinn aus einer Straftat zu verringern. Wenn der erwartete Nutzen einer Tat sinkt, wird sie für potenzielle Täter weniger attraktiv. Maßnahmen wie Eigentumskennzeichnung, Zugangssperren oder die Regulierung von Absatzmärkten können dazu beitragen, gestohlene Güter schwerer verwertbar zu machen. Auch technische Lösungen, etwa die Sperrung gestohlener Geräte, können den Nutzen einer Tat nachträglich entwerten. Die folgenden Techniken zeigen, wie sich durch solche Maßnahmen der erwartete Tatertrag reduzieren lässt.
| # | Technik | Beispiele |
|---|---|---|
| 11. | Zielobjekte verbergen | Sichere Parkplätze, nicht einsehbare Lagerbereiche, verdeckte Aufbewahrung von Wertgegenständen |
| 12. | Zielobjekte entfernen | Herausnehmbare Autoradios, sichere Verwahrung von Bargeld, Entfernen wertvoller Gegenstände aus Fahrzeugen |
| 13. | Eigentum kennzeichnen | Fahrradcodierung, Gravuren, Seriennummern, Eigentumsmarkierungen |
| 14. | Märkte regulieren | KontrolleKontrolle bezeichnet soziale Mechanismen, mit denen Verhalten überwacht, reguliert und an geltende Normen angepasst wird. von Online-Marktplätzen, Regulierung des Gebrauchtwarenhandels, Nachweispflichten beim Weiterverkauf |
| 15. | Nutzen verwehren | Kartensperren bei Diebstahl, Deaktivierung gestohlener Smartphones, Sperrung digitaler Zugänge |
4. Reduzierung von Provokationen (Reduce Provocations)
Straftaten entstehen nicht immer nur aus rationalen Kosten-Nutzen-Abwägungen, sondern können auch durch situative Spannungen oder Konflikte ausgelöst werden. Stress, Frustration oder aggressive Gruppendynamiken können Situationen schaffen, in denen GewaltGewalt bezeichnet die absichtliche Anwendung körperlicher oder psychischer Kraft zur Schädigung von Personen oder Dingen. oder Regelverstöße wahrscheinlicher werden. Situational Crime Prevention versucht deshalb auch, solche provokativen Situationen zu entschärfen. Maßnahmen können etwa darauf abzielen, Konflikte zu vermeiden, Stresssituationen zu reduzieren oder riskante Gruppendynamiken zu entschärfen. Die folgenden Techniken zeigen, wie durch die Gestaltung sozialer Situationen potenzielle Konflikte frühzeitig entschärft werden können.
| # | Technik | Beispiele |
|---|---|---|
| 16. | Frustration und Stress reduzieren | Bessere OrganisationOrganisationen sind zielgerichtete soziale Gebilde mit formalen Strukturen, Mitgliedschaftsregeln und Entscheidungsprozessen. von Warteschlangen, kundenfreundliche Abläufe, Vermeidung langer Wartezeiten |
| 17. | Konflikte vermeiden | Getrennte Besucherströme bei Großveranstaltungen, Deeskalationskonzepte, räumliche Trennung rivalisierender Gruppen |
| 18. | Emotionale Reize reduzieren | Alkoholkonsum begrenzen, aggressive Reizsituationen vermeiden, ruhige Gestaltung von Konfliktorten |
| 19. | Gruppendruck neutralisieren | Aufsicht in Schulen, Jugendsozialarbeit, Begleitangebote für gefährdete Jugendliche |
| 20. | Versuchungen reduzieren | Keine offen zugänglichen Wertgegenstände, sichere Warenpräsentation, Begrenzung unmittelbarer Tatgelegenheiten |
5. Abbau von Rechtfertigungen (Remove Excuses)
Eine letzte Strategie setzt bei den Rechtfertigungen an, mit denen Menschen Regelverstöße entschuldigen. Wenn Normen unklar sind oder Regeln nicht deutlich kommuniziert werden, fällt es leichter, eigenes Fehlverhalten zu rechtfertigen. Situational Crime Prevention versucht daher, Normen sichtbar zu machen und Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Klare Regeln, Hinweise oder Präventionskampagnen können dazu beitragen, dass potenzielle Täter ihr Verhalten stärker reflektieren. Die folgenden Techniken zeigen, wie durch transparente Regeln und normative Orientierungsmöglichkeiten Regelverstöße reduziert werden können.
| # | Technik | Beispiele |
|---|---|---|
| 21. | Regeln klar kommunizieren | Hausordnungen, Hinweisschilder, klar formulierte Nutzungsbedingungen |
| 22. | Verantwortungsbewusstsein fördern | Kampagnen gegen Schwarzfahren, Hinweise auf gemeinschaftliche Verantwortung, Präventionshinweise |
| 23. | Versuchungen vermeiden helfen | Alkoholverbote in bestimmten Bereichen, Selbstsperrsysteme, Begrenzung problematischer Konsumgelegenheiten |
| 24. | Normen sichtbar machen | Hinweise auf Videoüberwachung, Präsenz von Ordnungspersonal, sichtbare Regelkommunikation im öffentlichen Raum |
| 25. | SelbstkontrolleSelbstkontrolle bezeichnet die Fähigkeit, Impulse zu steuern und kurzfristige Versuchungen zugunsten langfristiger Ziele zu kontrollieren. unterstützen | Präventionskampagnen, Verhaltenshinweise, Erinnerung an Regeln in riskanten Situationen |
Die 25 Techniken der situativen Kriminalprävention wurden von Ronald V. Clarke und John E. Eck (2005) entwickelt. Die Beispiele wurden für diesen Beitrag teilweise an europäische bzw. deutsche Kontexte angepasst.
Kritische Würdigung / Aktualitätsbezug
Die Situational Crime Prevention gehört heute zu den einflussreichsten Ansätzen der angewandten KriminologieKriminologie ist die interdisziplinäre Wissenschaft über Ursachen, Erscheinungsformen und gesellschaftliche Reaktionen auf normabweichendes Verhalten. Sie untersucht insbesondere Prozesse sozialer Kontrolle, rechtliche Rahmenbedingungen sowie individuelle und strukturelle Einflussfaktoren.. Zahlreiche empirische Studien zeigen, dass situative Maßnahmen – etwa bessere Beleuchtung, Zugangskontrollen oder Diebstahlsicherungen – Kriminalität in bestimmten Kontexten tatsächlich reduzieren können. Besonders im Bereich der Eigentums- und Alltagskriminalität gelten situative Präventionsstrategien daher als vergleichsweise wirksam.
Kritiker bemängeln jedoch, dass der Ansatz stark auf konkrete Tatgelegenheiten fokussiert und damit gesellschaftliche Ursachen von Kriminalität nur begrenzt berücksichtigt. Strukturelle Faktoren wie soziale Ungleichheit, ArmutArmut beschreibt den Mangel an materiellen, sozialen und kulturellen Ressourcen, die notwendig sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. oder fehlende Bildungschancen geraten in diesem Ansatz eher in den Hintergrund. Situative Prävention wird daher teilweise als technokratischer Zugang zur Kriminalitätsbekämpfung kritisiert.
Ein weiterer häufig diskutierter Kritikpunkt betrifft mögliche Verdrängungseffekte (displacement). Wenn bestimmte Tatgelegenheiten erschwert werden, könnten Täter ihre Aktivitäten lediglich räumlich oder zeitlich verlagern oder auf andere Delikte ausweichen. Empirische Untersuchungen zeigen jedoch, dass solche Verlagerungseffekte häufig geringer ausfallen als ursprünglich angenommen und situative Maßnahmen insgesamt dennoch zu einer Reduktion von Kriminalität beitragen können.
Darüber hinaus wird kritisiert, dass situative Präventionsstrategien teilweise zu einer zunehmenden Technisierung sozialer Kontrolle führen können, etwa durch Videoüberwachung oder elektronische Zugangssysteme. Kritiker sehen hierin eine mögliche Ausweitung von Überwachung und Kontrolle im öffentlichen Raum.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die städtebaulichen und sozialen Folgen konsequent umgesetzter situativer Präventionsstrategien. Maßnahmen der Situational Crime Prevention und der städtebaulichen Kriminalprävention (CPTED) können in der Praxis zu sogenannten „defensiven“ oder „hostilen“ Architekturen führen. Dazu gehören etwa Sitzbänke mit Trennbügeln, die das Liegen verhindern, abgeschrägte Flächen gegen das Sitzen oder eine Gestaltung öffentlicher Räume, die bestimmte Personengruppen – etwa Obdachlose oder Jugendliche – gezielt fernhalten soll (siehe Titelbild). Kritiker sehen darin eine Verdrängung sozial schwächerer Bevölkerungsgruppen aus dem öffentlichen Raum.
Darüber hinaus wird argumentiert, dass eine stark sicherheitsorientierte Gestaltung von Städten zu einer Vereinheitlichung und „Sterilisierung“ urbaner Räume führen kann. Wenn öffentliche Räume primär nach Sicherheitskriterien gestaltet werden, können informelle Nutzungen, kreative Aneignungen oder sichtbare Spuren städtischer Alltagskultur – etwa Street Art, improvisierte Treffpunkte oder alternative Milieus – zurückgedrängt werden. Einige Stadtsoziologen sehen darin einen Widerspruch: Lebendige, sozial durchmischte und informell genutzte Räume können selbst eine wichtige Grundlage für soziale Kontrolle darstellen (vgl. Stephen Graham – Cities Under Siege, 2010). Eine übermäßig regulierte und standardisierte Stadtgestaltung könnte daher paradoxerweise genau jene urbane Vielfalt schwächen, die zur sozialen Stabilität beiträgt.
Kriminalpolitische Implikationen
Die Situational Crime Prevention hat die kriminalpolitische Praxis in vielen Ländern nachhaltig beeinflusst. Der Ansatz legt nahe, dass Kriminalität nicht allein durch Strafandrohung oder soziale Reformen reduziert werden kann, sondern auch durch die gezielte Gestaltung von Situationen und Tatgelegenheiten.
In der Praxis führte dies zu einer Vielzahl situativer Maßnahmen, etwa in der Stadtplanung, im Einzelhandel, im öffentlichen Verkehr oder in der digitalen SicherheitSicherheit bezeichnet den gesellschaftlich hergestellten Zustand der Abwesenheit oder Beherrschbarkeit von Gefahren.. Beispiele sind Videoüberwachung, Zugangskontrollen, Diebstahlsicherungen, verbesserte Beleuchtung oder die Gestaltung öffentlicher Räume nach den Prinzipien der städtebaulichen Kriminalprävention (CPTED). Ähnliche kriminalpolitische Überlegungen finden sich auch in der Broken-Windows-Theorie, die davon ausgeht, dass sichtbare Unordnung und Vernachlässigung im öffentlichen Raum weitere Regelverstöße begünstigen können.
Situational Crime Prevention ist zudem eng mit Konzepten des Problem-Oriented Policing verbunden, bei denen konkrete Tatgelegenheiten und lokale Problemlagen systematisch analysiert und durch gezielte Maßnahmen verändert werden.
Kriminalpolitisch wird der Ansatz jedoch auch kritisch diskutiert. Einige Autoren sehen in der situativen Kriminalprävention eine Verschiebung von Verantwortung vom StaatDer Staat ist ein politisches Herrschaftsgebilde mit einem legitimen Gewaltmonopol über ein bestimmtes Territorium. auf private Akteure und Individuen. Sicherheitsmaßnahmen werden zunehmend von Unternehmen, Institutionen oder Bürgern selbst organisiert, etwa durch private Sicherheitsdienste, technische Sicherungssysteme oder Zugangskontrollen.
In diesem Zusammenhang wird situative Prävention teilweise mit einem breiteren Wandel der KriminalpolitikStrategien und Maßnahmen staatlicher Institutionen zur Aufrechterhaltung sozialer Ordnung und zur Reaktion auf regelwidriges Verhalten. in Verbindung gebracht. David Garland beschreibt diesen Wandel als Teil einer „KulturKultur bezeichnet die Gesamtheit gemeinsamer Bedeutungen, Symbole, Praktiken und Lebensweisen einer Gesellschaft oder Gruppe. der Kontrolle“, in der Sicherheitsaufgaben zunehmend auf private Akteure, Institutionen und Bürger übertragen werden („responsibilization strategy“). Situative Präventionsmaßnahmen passen gut in diese Logik, da sie häufig von Unternehmen, Kommunen oder privaten Akteuren umgesetzt werden. Befürworter des Ansatzes betonen hingegen, dass situative Maßnahmen häufig pragmatische und empirisch überprüfbare Möglichkeiten darstellen, Kriminalität im Alltag zu reduzieren.
Literatur
- Clarke, Ronald V. (1997). Situational Crime Prevention: Successful Case Studies. Albany: Harrow and Heston.
- Clarke, R. V. & Eck, J. E. (2005). Crime analysis for problem solvers: In 60 small steps. Washington DC: Office of Community Oriented Policing.
- Clarke, Ronald V. (2008). Situational Crime Prevention. In: Wortley, Richard & Mazerolle, Lorraine (Hrsg.), Environmental Criminology and Crime Analysis. Cullompton: Willan.
- Felson, Marcus & Clarke, Ronald (1998). Opportunity Makes the Thief: Practical Theory for Crime Prevention.



