Widows (2018)
Film- / Serienprofil
- Originaltitel: Widows
- Deutscher Titel: Widows - Tödliche Witwen
- Erscheinungsjahr: 2018
- Land: USA, Vereinigtes Königreich
- Regie / Creator / Showrunner: Steve McQueen
- Medium: Spielfilm
- Laufzeit / Umfang: 129 Minuten
- Schwerpunkte: Wirtschaftskriminalität und Korruption
Kriminologische Relevanz
Widows (2018) verbindet die Dramaturgie eines Heist-Films mit einer Analyse von Kriminalität, politischer Macht und sozialer Ungleichheit. Der geplante Raub bildet zwar den Mittelpunkt der Handlung, doch der Film interessiert sich weniger für die technische Durchführung des Verbrechens als für die gesellschaftlichen Strukturen, innerhalb derer legale und illegale Formen der Machtausübung ineinandergreifen.
Besonders deutlich wird dies im Wahlkampf zwischen Jack Mulligan und Jamal Manning. Beide konkurrieren um ein politisches Amt, verfügen jedoch zugleich über informelle Netzwerke, ökonomische Interessen und unterschiedliche Formen der Gewaltmacht. Die Grenze zwischen Politik, Korruption und organisierter Kriminalität wird dadurch bewusst unscharf. Politische Herrschaft erscheint nicht ausschließlich als Ergebnis demokratischer Verfahren, sondern auch als Produkt von Geld, familiären Netzwerken, Patronage und territorialer Kontrolle.
Zugleich macht der Film soziale Ungleichheit räumlich sichtbar. Besonders prägnant ist eine Fahrt vom armen Wohngebiet in das wohlhabende Viertel des Politikers Jack Mulligan: Innerhalb weniger Straßenzüge verändert sich das soziale Umfeld grundlegend. Kriminalität und politische Macht werden damit in die sozialräumliche Struktur Chicagos eingebettet. Ethnische und ökonomische Segregation bilden keinen bloßen Hintergrund der Handlung, sondern strukturieren Chancen, Abhängigkeiten und politische Interessen.
Eine weitere Ebene betrifft Geschlecht und Kriminalität. Veronica, Linda und Alice werden zunächst wesentlich über ihre Beziehungen zu Männern eingeführt, die auf unterschiedliche Weise Macht über sie ausüben. Der Tod ihrer Partner erzeugt jedoch Handlungsspielräume, die zuvor nicht bestanden. Indem die Frauen selbst einen bewaffneten Raub planen und durchführen, übernimmt der Film bewusst Konventionen des traditionell männlich geprägten Heist-Genres. Kriminalität wird dabei nicht als Ausdruck einer vermeintlich besonderen weiblichen Devianz dargestellt, sondern als strategisches Handeln unter Bedingungen von Bedrohung, Abhängigkeit und begrenzten Handlungsalternativen.
Widows eignet sich deshalb besonders zur Diskussion der Frage, wie legitime und illegitime Macht miteinander verschränkt sein können. Der Film zeichnet keine einfache Gegenüberstellung von krimineller Unterwelt und rechtschaffener Gesellschaft. Politiker, Unternehmer, Gangster und Räuber bewegen sich vielmehr innerhalb teilweise überlappender Machtstrukturen. Kriminologisch interessant wird der Film gerade dort, wo die formale Unterscheidung zwischen Legalität und Illegalität bestehen bleibt, gesellschaftliche Macht jedoch auf beiden Seiten durch Geld, Gewalt, Beziehungen und soziale Position abgesichert wird.
Kriminologische Einordnung
Kriminalitätstheorien
Soziale Desorganisation (Shaw & McKay)
Theorie der differentiellen Gelegenheiten (Cloward & Ohlin)
Feministische Kriminalitätstheorien
Schlüsselwerke
Pat Carlen – Women, Crime and Poverty (1988)