Definition
Ableismus bezeichnet Formen der Benachteiligung und Abwertung von Menschen aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener körperlicher, psychischer oder kognitiver Beeinträchtigungen. Der Begriff verweist zugleich auf gesellschaftliche Vorstellungen darüber, welche körperlichen und geistigen Fähigkeiten als normal, selbstverständlich oder erstrebenswert gelten.
Ableismus kann sich in unmittelbarer Diskriminierung äußern, etwa wenn Menschen aufgrund einer Behinderung von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen oder ihnen bestimmte Fähigkeiten pauschal abgesprochen werden. Er kann aber auch in sozialen Strukturen und institutionellen Praktiken angelegt sein, die sich selbstverständlich an den Fähigkeiten nichtbehinderter Menschen orientieren. Fehlende Barrierefreiheit ist hierfür ein typisches Beispiel.
Der Begriff richtet den Blick damit nicht allein auf individuelle Vorurteile. Gesellschaftliche Institutionen, Arbeitsbedingungen, Bildungsangebote, Verkehrssysteme oder Kommunikationsformen können Voraussetzungen schaffen, unter denen bestimmte körperliche oder kognitive Fähigkeiten erwartet werden und Abweichungen davon zu Nachteilen führen.
Ableismus ist eng mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Normalität verbunden. Welche körperlichen und geistigen Eigenschaften als normal oder abweichend gelten, ist nicht ausschließlich biologisch bestimmt, sondern wird auch durch soziale Normen, institutionelle Anforderungen und kulturelle Deutungen geprägt.