Kurzdefinition
Die Fünf Familien sind die fünf traditionsreichen Mafiafamilien der italienisch-amerikanischen Cosa Nostra in New York City und gelten als Symbol der Organisierten Kriminalität in den USA.
Ausführliche Erklärung
Die Fünf Familien bezeichnen die fünf großen Mafiafamilien der italienisch-amerikanischen Cosa Nostra in New York City: die Familien Bonanno, Colombo, Gambino, Genovese und Lucchese. Sie entstanden in den 1930er Jahren nach dem sogenannten Castellammarese-Krieg und bildeten über Jahrzehnte das Machtzentrum der amerikanischen Mafia.
Jede Familie verfügt über eine hierarchische Organisationsstruktur mit einem Boss an der Spitze sowie einem Underboss, Consigliere und mehreren Caporegimes, die jeweils Gruppen von Soldaten führen. Trotz ihrer Eigenständigkeit koordinieren die Familien bestimmte Angelegenheiten über eine gemeinsame Kommission (The Commission), die Konflikte zwischen den Familien schlichten und gemeinsame Regeln durchsetzen soll.
Die Fünf Familien kontrollierten im Laufe des 20. Jahrhunderts zahlreiche illegale Geschäftsfelder, darunter Schutzgelderpressung, illegales Glücksspiel, Kreditwucher, Drogenhandel und Arbeitsmarkterpressung. Gleichzeitig gelang es ihnen, Gewerkschaften, Bauwirtschaft, Hafenbetriebe und andere legale Wirtschaftsbereiche zu infiltrieren und erheblichen politischen sowie wirtschaftlichen Einfluss auszuüben.
Seit den 1980er Jahren führten konsequente Strafverfolgung, Kronzeugenaussagen und insbesondere das amerikanische RICO-Gesetz zu einem deutlichen Machtverlust der Fünf Familien. Sie existieren jedoch bis heute, wenn auch mit erheblich geringerem Einfluss als während ihrer Blütezeit.
Theoriebezug
Die Geschichte der Fünf Familien zeigt, wie Organisierte Kriminalität stabile Organisationsformen mit klaren Rollen, Hierarchien und Normen hervorbringen kann. Die Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland) erklärt die Weitergabe krimineller Werte innerhalb der Organisation. Gleichzeitig verdeutlicht der Niedergang vieler Familien die Bedeutung wirksamer Strafverfolgung, insbesondere durch Kronzeugenregelungen und die Bekämpfung ganzer krimineller Netzwerke statt einzelner Straftäter.
Verwandte Begriffe
Weiterführende Beiträge
Edwin H. Sutherland – White Collar Crime (1949)
White Collar Crime, erstmals veröffentlicht im Jahr 1949, gilt als bahnbrechendes Werk in der Kriminologie. Edwin H. Sutherland prägte darin nicht nur den Begriff des „White Collar Crime“, sondern erweiterte auch das Verständnis von Kriminalität um Taten, die von Angehörigen…
Theorie der differentiellen Kontakte (Sutherland)
Mit der Theorie der differentiellen Assoziation entwickelte Edwin H. Sutherland eine der einflussreichsten kriminalsoziologischen Lerntheorien des 20. Jahrhunderts. Ihre zentrale Annahme lautet: Kriminalität ist kein angeborenes Merkmal, sondern ein sozial erlerntes Verhalten. Die sogenannte Differential Association Theory gilt heute als Grundlage…
Sanktionen und soziale Kontrolle: Formen, Funktionen und Bedeutung
Gesellschaften funktionieren nicht allein deshalb, weil Menschen Gesetze kennen oder moralische Werte teilen. Soziale Ordnung entsteht auch dadurch, dass normgerechtes Verhalten belohnt und Normverletzungen sanktioniert werden. Wer sich an gesellschaftliche Erwartungen hält, erhält häufig Anerkennung, Vertrauen oder soziale Zugehörigkeit. Wer…
Der Begriff im Film
The Godfather (1972)
SpielfilmThe Godfather zeigt ein fiktionalisiertes System konkurrierender italienisch-amerikanischer Mafiafamilien in New York, deren Beziehungen durch Kooperation, Rivalität, Gewalt und Verhandlungen geprägt sind. Die im Film dargestellte Struktur orientiert sich damit an dem historischen Modell der sogenannten Fünf Familien der New Yorker Cosa Nostra.