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Hasskriminalität

Kurzdefinition

Straftaten, die sich gegen Personen oder Gruppen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu bestimmten sozialen, ethnischen, religiösen oder sexuellen Gruppen richten und von Vorurteilen oder Hass motiviert sind.

Ausführliche Erklärung

Hasskriminalität, auch als Hate Crime bezeichnet, beschreibt Straftaten, bei denen das Motiv des Täters auf Vorurteilen gegenüber bestimmten Gruppen basiert. Die betroffenen Gruppen können sich nach Merkmalen wie ethnische Zugehörigkeit, Religion, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Behinderung oder sozialer Status definieren. Hasskriminalität hat nicht nur Auswirkungen auf das direkte Opfer, sondern sendet auch eine Botschaft der Einschüchterung und Bedrohung an die gesamte Gruppe, der das Opfer angehört.

In Deutschland werden Hassverbrechen im Rahmen der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) statistisch erfasst und dabei nach Motiven wie „rechts“, „links“, „ausländische Ideologie“ oder „religiöse Ideologie“ differenziert. Die strafrechtliche Ahndung kann im Rahmen der Strafzumessung nach § 46 StGB verschärft werden, wenn rassistische, fremdenfeindliche oder antisemitische Motive vorliegen.

Theoriebezug

Hasskriminalität wird häufig als Vorurteilskriminalität verstanden. Kennzeichnend ist, dass sich eine Straftat nicht ausschließlich gegen eine bestimmte Person richtet, sondern das Opfer zumindest teilweise aufgrund seiner tatsächlichen oder zugeschriebenen Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe ausgewählt wird. Merkmale wie ethnische Herkunft, Religion, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder andere Gruppenzuschreibungen erhalten dadurch eine besondere Bedeutung für die Tatmotivation.

Einen wichtigen theoretischen Zugang bietet die Vorurteilsforschung. Vorurteile beruhen auf generalisierten Bewertungen sozialer Gruppen und können dazu führen, dass einzelnen Personen Eigenschaften allein aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit zugeschrieben werden. Hasskriminalität kann als besonders weitreichende Form solcher Abwertungsprozesse verstanden werden, wenn negative Einstellungen nicht bei Wahrnehmungen oder Bewertungen bleiben, sondern in strafbares Verhalten gegenüber Mitgliedern einer abgewerteten Gruppe übergehen.

Eng damit verbunden ist das Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Es beschreibt abwertende Einstellungen gegenüber unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und geht davon aus, dass beispielsweise Rassismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit oder die Abwertung homosexueller Menschen gemeinsame Elemente einer Ideologie sozialer Ungleichwertigkeit aufweisen können. Für die Analyse von Hasskriminalität ist dieser Ansatz besonders relevant, weil er unterschiedliche Tatmotive nicht ausschließlich als voneinander getrennte Phänomene betrachtet, sondern nach gemeinsamen gesellschaftlichen Mechanismen der Abwertung und Ausgrenzung fragt.

Eine weitere Verbindung besteht zur Diskriminierungsforschung. Während Vorurteile zunächst Einstellungen und Bewertungen betreffen, bezeichnet Diskriminierung die Benachteiligung von Personen aufgrund zugeschriebener Gruppenzugehörigkeiten. Hasskriminalität stellt dabei eine spezifische Form feindseligen Handelns dar, die bis zu körperlicher Gewalt oder anderen Straftaten reichen kann. Vorurteil, Diskriminierung und Hasskriminalität sind deshalb analytisch voneinander zu unterscheiden, können jedoch auf denselben gesellschaftlichen Kategorisierungs- und Abwertungsprozessen beruhen.

Hasskriminalität besitzt darüber hinaus eine symbolische Dimension. Eine gegen eine einzelne Person gerichtete Tat kann zugleich als Botschaft an die gesamte Gruppe verstanden werden, der das Opfer zugerechnet wird. Die Wirkung einer solchen Tat kann deshalb über die unmittelbar geschädigte Person hinausreichen und bei anderen Mitgliedern der betroffenen Gruppe Unsicherheit und Bedrohungsgefühle hervorrufen. Gerade diese Verbindung von individueller Viktimisierung und kollektiver Einschüchterung unterscheidet Hasskriminalität von vielen anderen Formen interpersonaler Kriminalität.

Kriminologisch richtet sich die Analyse daher nicht nur auf individuelle Vorurteile einzelner Täter, sondern auch auf die gesellschaftlichen Bedingungen von Gruppenabwertung. Politische Diskurse, soziale Konflikte, stereotype Vorstellungen und Prozesse gesellschaftlicher Ausgrenzung können beeinflussen, welche Gruppen als fremd, minderwertig oder bedrohlich wahrgenommen werden. Hasskriminalität lässt sich damit sowohl als individuelles strafbares Handeln als auch als Ausdruck gesellschaftlicher Macht-, Ungleichheits- und Ausgrenzungsverhältnisse untersuchen.

Verwandte Begriffe

Antisemitismus Devianz Diskriminierung gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Hate Speech Homophobie Kriminalität Rassismus Vorurteil Vorurteilskriminalität Xenophobie

Weiterführende Beiträge

Tattoo: HATE auf den Fingerknöcheln

Hasskriminalität (Vorurteilskriminalität / Hate Crime)

Hasskriminalität und Vorurteilskriminalität (Hate Crime) Hasskriminalität bezeichnet Straftaten, die sich gegen Personen aufgrund bestimmter identitätsstiftender Merkmale richten – etwa Geschlecht, Hautfarbe, Religion, nationaler oder ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung, Behinderung oder sozialen Status. In der kriminologischen Forschung wird für solche Delikte…

Der Begriff im Film

Amerikanische Flagge hinter einer Fensterscheibe als Sinnbild für Patriotismus, Ausgrenzung und gesellschaftliche Polarisierung in American History X.

American History X (1998)

Spielfilm

American History X zeigt rassistisch und ideologisch motivierte Gewalt aus dem Umfeld einer rechtsextremen Szene. Der Film veranschaulicht damit besonders deutlich Hasskriminalität, bei der Straftaten nicht allein gegen einzelne Personen gerichtet sind, sondern diese aufgrund ihrer zugeschriebenen Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe ausgewählt werden.



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Prof. Dr. Christian Wickert

Prof. Dr. Christian Wickert
Soziologe & Kriminologe an der HSPV NRW. Betreiber von SozTheo.de und SozTheo.com. Verfasser dieses Beitrags.

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