Definition
Lobbyismus bezeichnet die organisierte Vertretung von Interessen gegenüber politischen Entscheidungsträgern mit dem Ziel, politische Entscheidungen zu beeinflussen. Lobbyarbeit kann sich beispielsweise an Parlamente, Regierungen, Ministerien oder andere staatliche Institutionen richten und sowohl die Entstehung neuer Regelungen als auch die Veränderung oder Verhinderung politischer Vorhaben zum Ziel haben.
Lobbyismus wird von sehr unterschiedlichen Akteuren betrieben. Dazu gehören Unternehmen und Wirtschaftsverbände ebenso wie Gewerkschaften, Berufsverbände, Nichtregierungsorganisationen, Umwelt- und Sozialverbände oder andere gesellschaftliche Interessengruppen. Interessenvertretung ist damit nicht auf wirtschaftliche Akteure beschränkt. Auch Organisationen, die gemeinwohlorientierte oder gesellschaftspolitische Ziele verfolgen, versuchen, politische Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Zu den Instrumenten des Lobbyismus gehören persönliche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern, Stellungnahmen zu Gesetzgebungsvorhaben, die Bereitstellung von Fachinformationen und Gutachten, die Mitarbeit in Anhörungen und Beratungsgremien sowie öffentliche Kampagnen. Professionelle Interessenvertretung kann dabei durch eigene Beschäftigte von Unternehmen und Verbänden oder durch spezialisierte Lobbyagenturen und Beratungsunternehmen erfolgen.
Lobbyismus ist grundsätzlich Bestandteil pluralistischer politischer Systeme. Politische Entscheidungsträger sind bei komplexen Sachfragen auf Informationen und Expertise aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen angewiesen. Interessenverbände können zugleich gesellschaftliche Anliegen bündeln und in politische Entscheidungsprozesse einbringen. Lobbyismus ist daher nicht mit Korruption gleichzusetzen. Während Korruption mit einem regelwidrigen oder missbräuchlichen Austausch von Vorteilen verbunden ist, kann Interessenvertretung innerhalb der rechtlich vorgesehenen politischen Verfahren stattfinden.
Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive stellt sich allerdings die Frage, wie politischer Einfluss gesellschaftlich verteilt ist. Nicht alle Interessen verfügen über dieselben finanziellen Ressourcen, organisatorischen Kapazitäten, Fachkenntnisse oder Zugänge zu politischen Entscheidungsträgern. Lobbyismus kann deshalb bestehende Macht- und Ressourcenunterschiede widerspiegeln und möglicherweise verstärken. Die bloße Existenz unterschiedlicher Interessengruppen bedeutet noch nicht, dass diese über vergleichbare Möglichkeiten politischer Einflussnahme verfügen.
In Deutschland unterliegt professionelle Interessenvertretung bestimmten Transparenzregeln. Auf Bundesebene besteht ein Lobbyregister, in das sich Interessenvertreter unter den gesetzlichen Voraussetzungen eintragen und Angaben unter anderem zu ihrer Tätigkeit, ihren Auftraggebern und den eingesetzten finanziellen Ressourcen machen müssen. Transparenzregelungen sollen politische Einflussnahme nachvollziehbarer machen und ermöglichen eine öffentliche Kontrolle der Beziehungen zwischen Interessenvertretung und politischen Entscheidungsprozessen.
Lobbyismus bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen politischer Partizipation, Interessenvermittlung, Macht und Transparenz. Sozialwissenschaftlich ist daher nicht allein von Interesse, ob politische Akteure beeinflusst werden, sondern insbesondere, welche gesellschaftlichen Gruppen Zugang zu politischen Entscheidungsprozessen erhalten, über welche Ressourcen sie verfügen und unter welchen institutionellen Bedingungen Einfluss ausgeübt wird.
Film-/Serien-Beispiele

Thank You for Smoking (2005)
Thank You for Smoking (2005) zeigt am Beispiel der Tabakindustrie, wie wirtschaftliche Interessen durch professionelle Kommunikation und politische Einflussnahme vertreten werden. Der Film veranschaulicht Lobbyismus als strategischen Versuch, öffentliche Debatten und politische Entscheidungen zugunsten organisierter Interessen zu beeinflussen.