Kurzdefinition
Bezeichnet eine positive oder negative soziale Reaktion auf Verhalten, durch die die Einhaltung von Normen gefördert oder auf Normverletzungen reagiert wird.
Ausführliche Erklärung
Als Sanktion wird eine soziale Reaktion auf das Verhalten einer Person oder Gruppe bezeichnet, die sich auf die Einhaltung oder Verletzung sozialer Normen bezieht. Sanktionen können dazu beitragen, erwünschtes Verhalten zu bestätigen und unerwünschtes Verhalten zu begrenzen. Sie bilden damit einen wichtigen Mechanismus sozialer Kontrolle.
Sanktionen können positiv oder negativ sein. Positive Sanktionen belohnen oder bestätigen normkonformes Verhalten, beispielsweise durch Lob, Anerkennung, Auszeichnungen oder andere Vorteile. Negative Sanktionen reagieren dagegen auf Normverletzungen und können von Missbilligung und sozialer Ablehnung bis zu Geld- oder Freiheitsstrafen reichen.
Zugleich lassen sich formelle und informelle Sanktionen unterscheiden. Formelle Sanktionen werden auf Grundlage festgelegter Regeln durch dazu befugte Institutionen oder Organisationen verhängt. Dazu gehören beispielsweise schulische Disziplinarmaßnahmen, arbeitsrechtliche Konsequenzen oder strafrechtliche Sanktionen. Informelle Sanktionen entstehen dagegen im sozialen Alltag und werden durch andere Personen oder Gruppen ausgeübt, etwa durch Lob, Kritik, Spott, Anerkennung oder sozialen Ausschluss.
Sanktionen müssen nicht tatsächlich ausgesprochen werden, um Verhalten zu beeinflussen. Bereits die Erwartung möglicher Anerkennung oder Missbilligung kann dazu führen, dass Menschen ihr Verhalten an sozialen Normen orientieren. Sanktionen tragen deshalb zur Stabilisierung sozialer Erwartungen und gesellschaftlicher Ordnung bei. Ihre Wirkung hängt jedoch davon ab, welche Normen innerhalb eines sozialen Zusammenhangs gelten, wer über die Möglichkeit zur Sanktionierung verfügt und wie die jeweilige Reaktion von den Betroffenen wahrgenommen wird.
Theoriebezug
Sanktionen gehören zu den grundlegenden Mechanismen sozialer Kontrolle. Soziale Normen formulieren Erwartungen darüber, welches Verhalten innerhalb einer Gesellschaft oder sozialen Gruppe als angemessen gilt. Sanktionen verleihen solchen Erwartungen soziale Wirksamkeit, indem normkonformes Verhalten bestätigt und auf Normverletzungen reagiert werden kann.
Aus soziologischer Perspektive sind dabei nicht nur staatliche oder rechtliche Sanktionen relevant. Ein erheblicher Teil sozialer Kontrolle erfolgt informell innerhalb von Familien, Freundeskreisen, Gruppen oder anderen sozialen Beziehungen. Anerkennung, Kritik, Beschämung oder sozialer Ausschluss können das Verhalten ebenso beeinflussen wie formelle Regeln und institutionell verhängte Strafen.
Für die Kriminologie ist insbesondere die Wirkung negativer formeller Sanktionen von Bedeutung. Abschreckungstheorien gehen davon aus, dass die Erwartung von Strafe die Entscheidung gegen normverletzendes oder kriminelles Verhalten beeinflussen kann. Ansätze des Labeling Approach weisen dagegen darauf hin, dass gesellschaftliche Reaktionen auf Devianz auch unbeabsichtigte Folgen besitzen können. Sanktionierung kann beispielsweise Stigmatisierungs- und Ausgrenzungsprozesse verstärken und dadurch zur Stabilisierung abweichender Identitäten beitragen.
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