Kurzdefinition
Bezeichnet Veränderungen der sozialen Position einer Person oder Gruppe innerhalb der Sozialstruktur einer Gesellschaft.
Ausführliche Erklärung
Soziale Mobilität bezeichnet Veränderungen der sozialen Position von Personen oder Gruppen innerhalb der Sozialstruktur einer Gesellschaft. Sie zeigt sich beispielsweise darin, dass Menschen hinsichtlich Beruf, Einkommen, Bildung oder gesellschaftlichem Status eine andere soziale Position erreichen.
Bei der vertikalen Mobilität verändert sich die Position innerhalb einer gesellschaftlichen Hierarchie. Ein sozialer Aufstieg liegt vor, wenn eine höhere Position erreicht wird, ein sozialer Abstieg entsprechend bei einer Bewegung in die entgegengesetzte Richtung. Horizontale Mobilität bezeichnet dagegen den Wechsel zwischen vergleichbaren sozialen Positionen, etwa zwischen Berufen mit ähnlichem Status.
Daneben wird zwischen intergenerationaler und intragenerationaler Mobilität unterschieden. Intergenerationale Mobilität vergleicht die soziale Position verschiedener Generationen, beispielsweise den beruflichen Status von Eltern und ihren Kindern. Intragenerationale Mobilität beschreibt Veränderungen innerhalb des Lebensverlaufs einer Person, etwa einen beruflichen Aufstieg oder sozialen Abstieg.
Das Ausmaß sozialer Mobilität gilt als ein wichtiges Merkmal der Sozialstruktur. Hohe Mobilitätschancen können darauf hindeuten, dass soziale Positionen nicht vollständig durch die Herkunft festgelegt sind. Allerdings bedeutet soziale Mobilität nicht automatisch, dass soziale Ungleichheit abnimmt: Auch in einer ungleichen Gesellschaft können einzelne Menschen auf- oder absteigen, während die grundlegende Verteilung von Ressourcen und Lebenschancen weitgehend bestehen bleibt.
Theoriebezug
Die Untersuchung sozialer Mobilität gehört zur soziologischen Sozialstrukturanalyse und ist eng mit der Erforschung sozialer Ungleichheit verbunden. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Frage, in welchem Maß die soziale Herkunft die späteren Bildungs-, Berufs- und Lebenschancen beeinflusst und wie offen oder geschlossen die Sozialstruktur einer Gesellschaft ist.
An Max Weber lässt sich soziale Mobilität über unterschiedliche Klassenlagen und die damit verbundenen Lebenschancen anschließen. Seine Überlegungen in Wirtschaft und Gesellschaft verdeutlichen, dass soziale Positionen nicht allein vom Eigentum, sondern auch von Markt- und Erwerbschancen sowie gesellschaftlichem Status abhängen.
In der Theorie der Praxis von Pierre Bourdieu hängt die soziale Position wesentlich von der Ausstattung mit ökonomischem, kulturellem, sozialem und symbolischem Kapital ab. Insbesondere die ungleiche Weitergabe von Ressourcen innerhalb von Familien kann dazu beitragen, soziale Positionen über Generationen hinweg zu reproduzieren. In Die feinen Unterschiede zeigt Bourdieu zudem, wie soziale Position, Habitus und Lebensstil miteinander verbunden sind. Soziale Mobilität steht damit in einem Spannungsverhältnis zur sozialen Reproduktion.
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