Glossarbegriff

Thomas-Theorem

Theorie & Ansatz

Definition

Das Thomas-Theorem geht auf William I. Thomas und Dorothy Swaine Thomas zurück und zählt zu den zentralen Grundannahmen des Symbolischen Interaktionismus. Die berühmte Formel lautet: „If men define situations as real, they are real in their consequences.“ Gemeint ist damit, dass menschliches Handeln nicht allein von objektiven Bedingungen abhängt, sondern wesentlich davon, wie Menschen Situationen interpretieren und wahrnehmen. Gesellschaftliche Wirklichkeit entsteht daher nicht nur durch materielle Tatsachen, sondern auch durch gemeinsame Bedeutungszuschreibungen. Beispiele hierfür sind Geld, Nationen, soziale Rollen, Gerüchte oder moralische Bewertungen. Obwohl diese Phänomene sozial konstruiert sind, entfalten sie reale Auswirkungen auf Verhalten, Institutionen und gesellschaftliche Ordnung. Das Thomas-Theorem bildet eine wichtige Grundlage für wissenssoziologische, konstruktivistische und interaktionistische Ansätze.