Am 18. August 2025 ist der Kriminologe Fritz Sack im Alter von 94 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die deutschsprachige Kriminologie einen ihrer profiliertesten Vertreter – einen Denker, der wie kaum ein anderer für eine kritisch-reflektierte, gesellschaftsanalytische Perspektive auf Kriminalität und Kontrolle stand. Fritz Sack war ein zentraler Begründer der
Fritz Sack
Radikaler Labelling-Ansatz (Sack)
Der Soziologe Fritz Sack entwickelte Anfang der 1970er Jahre eine besonders radikale Variante der Labelling-Theorie, die häufig als radikaler Labeling-Ansatz bezeichnet wird. Nach Sack ist Kriminalität nicht primär das Resultat individueller Eigenschaften oder sozialer Ursachen, sondern entsteht vor allem durch gesellschaftliche Zuschreibungsprozesse. Kriminalität ist demnach kein objektives Merkmal bestimmter Handlungen,
Outsiders (Becker)
Howard S. Beckers Buch Outsiders (1963) gehört zu den wichtigsten Werken der Devianzsoziologie und bildet einen zentralen Bezugspunkt des Labelling-Ansatzes. Mit seinem Ansatz der sozialen Zuschreibung (Labelling) stellte Becker etablierte Vorstellungen von Devianz und Kriminalität infrage. Statt Devianz als inhärente Eigenschaft bestimmter Handlungen oder Personen zu betrachten, fokussierte er sich
Labelling – primäre und sekundäre Devianz (Lemert)
Edwin M. Lemert entwickelte mit der Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Devianz einen zentralen Baustein des Labelling Ansatzes. Während primäre Devianz erste Normverletzungen bezeichnet, beschreibt sekundäre Devianz die Stabilisierung abweichenden Verhaltens infolge gesellschaftlicher Reaktionen und Etikettierungen. Ein Individuum begeht zunächst primäre Devianz. Durch einen Prozess des Labelling (Etikettierung) wird ihm
Labelling-Ansatz (Überblick)
Der Labelling Ansatz (auch: Etikettierungstheorie oder Labeling Approach) ist eine soziologische Kriminalitätstheorie, die Devianz als Ergebnis gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse versteht. Im Mittelpunkt steht nicht die Frage, warum Menschen kriminell werden, sondern wie bestimmte Handlungen und Personen überhaupt als „abweichend“ oder „kriminell“ definiert werden. Während klassische ätiologische Theorien nach den Ursachen von



