Kriminologische Theorien wirken oft abstrakt. Besonders marxistische Kriminalitätstheorien mit Begriffen wie „Klassencharakter des Rechts“ oder „selektive Strafverfolgung“ erscheinen vielen Studierenden zunächst wie theoretische Konstruktionen aus Lehrbüchern. Doch gelegentlich entstehen politische Situationen, die solche Konzepte auf überraschend anschauliche Weise illustrieren. Die zweite Präsidentschaft von Donald Trump bietet ein Beispiel dafür. Mehrere
Kritische Kriminologie
Was ist Kriminologie?
Die Kriminologie ist die wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Entstehung, Verbreitung und gesellschaftlichen Kontrolle von Kriminalität beschäftigt. Kriminologie leitet sich ab von dem lateinischen Wort crimen (Verbrechen) und dem griechischen Wort logos (Lehre). Die „Erfindung“ des Begriffs Kriminologie (hier: criminologia) wird dem italienischen Gelehrten Raffaele Garofalo zugeschrieben, der 1885
Kritische Theorie
Die Kritische Theorie ist ein gesellschaftstheoretisches Paradigma, das soziale Wirklichkeit als historisch gewachsene Herrschaftsordnung versteht. Gesellschaft entsteht nicht primär durch funktionale Integration oder kommunikative Selbstreferenz, sondern durch Machtverhältnisse, ökonomische Strukturen und ideologische Vermittlung. Im Zentrum steht die Leitfrage: Wie werden Herrschaftsverhältnisse gesellschaftlich stabilisiert – und wie ist Emanzipation möglich? Der
Welches ist die beste Kriminalitätstheorie?
Zehn blinde Flecken der Kriminalitätstheorie Die Frage nach der „besten“ Kriminalitätstheorie ist so alt wie die Kriminologie selbst. Seit über 200 Jahren versuchen Wissenschaftler:innen zu erklären, warum Menschen gegen Gesetze verstoßen. Doch je mehr Theorien entstanden sind, desto deutlicher wird: Keine Theorie erklärt Kriminalität vollständig. Viele greifen zu kurz, fokussieren
Feigenblatt-Kriminologie? Eine disziplinäre Zwischenbilanz im Jahr 2025
„Successful failure“ – mit dieser paradoxen Formel beschrieben Ian Loader und Richard Sparks 2010 den Zustand der Kriminologie im angelsächsischen Raum. Die Disziplin sei institutionell erfolgreich – mit wachsender Studierendenzahl, akademischen Programmen und Fachzeitschriften –, aber politisch einflusslos. Ihre Analysen, Warnungen und Erkenntnisse verhallten ungehört.
Fritz Sack (1931–2025)
Am 18. August 2025 ist der Kriminologe Fritz Sack im Alter von 94 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die deutschsprachige Kriminologie einen ihrer profiliertesten Vertreter – einen Denker, der wie kaum ein anderer für eine kritisch-reflektierte, gesellschaftsanalytische Perspektive auf Kriminalität und Kontrolle stand. Fritz Sack war ein zentraler Begründer der




